Zofingen

170 Plätze: Auf Spitalareal Zofingen entsteht grösstes Aargauer Asylzentrum

Susanne Hochuli will im alten Pflegezentrum des Spitals Zofingen Asylbewerber einziehen lassen.

Susanne Hochuli will im alten Pflegezentrum des Spitals Zofingen Asylbewerber einziehen lassen.

Im leer stehenden alten Pflegezentrum des Spitals Zofingen ziehen ab Dezember bis zu 170 Asylbewerber ein. Darüber informierte Regierungsrätin Susanne Hochuli am Freitag an einer Pressekonferenz. Es wird die grösste Unterkunft im Kanton Aargau.

Vor gut zwei Monaten war Regierungsrätin Susanne Hochuli bei der Einweihung des neuen Pflegezentrums am Spital Zofingen dabei. Das alte Pflegezentrum steht seitdem leer – allerdings nicht mehr lange. An einer Pressekonferenz im Zofinger Rathaus teilte Hochuli am Freitag mit, dass der kantonale Sozialdienst dort im Dezember eine Asylunterkunft mit einer Kapazität von 170 Plätzen eröffnen wird.

«Wir haben nach der Einweihung des neuen Pflegezentrums im September mit den Spitalverantwortlichen Kontakt aufgenommen und angefragt, ob eine Nutzung des alten Pflegezentrums als Asylunterkunft möglich wäre», sagte Susanne Hochuli. Spital-CEO Christian Reize bestätigt dies. «Ich habe Frau Hochuli gesagt, dass wir Hand bieten können für ein Asylzentrum, wenn sich keine negativen Auswirkungen auf den Spitalbetrieb ergeben.» Dies sei mit dem Konzept des Kantons gewährleistet, die Unterkunft könne gegenüber dem Spital gut abgeschottet werden.

Stadt von Kanton früh informiert

Nach der Zusage der Spitalleitung, dem Kanton das alte Pflegezentrum zu vermieten, wurde die Stadt informiert. «Wir sind nicht in Jubelschreie ausgebrochen, als wir von den Plänen hörten, aber wir dürfen die Augen nicht verschliessen vor dem Notstand bei den Asylplätzen», sagte Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger. Lobend erwähnte Hottiger, er sei von Hochuli früh orientiert worden, «der Stadtrat konnte das Thema ausführlich diskutieren».

Die Regierungsrätin ihrerseits freute sich, dass die Pläne für das Asylzentrum zwei Monate hinter den Kulissen geblieben sind. «Ich habe den Stadtrat um Vertraulichkeit gebeten, dies hat funktioniert und sicher zur guten Lösung beigetragen, die wir nun haben», sagte sie. Hochuli ergänzte, es sei ihr klar, dass die Bevölkerung nicht mit grosser Freude auf die neue Asylunterkunft reagieren werde. «Es braucht Mut und politische Standfestigkeit, um für ein solches Projekt einzustehen, und beides ist beim Zofinger Stadtrat vorhanden», verteilte sie ein Lob.

Stadt und Verwaltung belastet

Obwohl der Kanton die Betreuung der Asylbewerber übernehme, werde sich eine zusätzliche Belastung für die Bevölkerung und die Bereiche Schule, Soziales und Sicherheit in der Zofinger Verwaltung ergeben. «Wir konnten die Bedürfnisse der Stadt aber bereits einbringen und werden dies auch künftig tun», hielt Hottiger weiter fest.
Die Stadt ist zusammen mit Vertretern von Kanton, Spital, Schule, Polizei, Anwohnern und Kirchen auch in der Begleitgruppe vertreten, die sich mit den Auswirkungen der Unterkunft auf das Umfeld beschäftigt.

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Nutzung höchstens zwei Jahre

Inzwischen hat der Kanton mit dem Spital einen Mietvertrag abgeschlossen, der vorerst für ein Jahr läuft. Voraussichtlich wird das alte Pflegezentrum zwei Jahre als Unterkunft genutzt und danach im Rahmen der Spitalerweiterung abgerissen. Cornelia Breitschmid, Leiterin des kantonalen Sozialdienstes, führte aus: «Die neue Unterkunft wird ab dem 8. Dezember schrittweise mit Asylsuchenden belegt.» Die maximale Kapazität beträgt 170 Personen, die wirkliche Belegung wird laut Breitschmid immer leicht darunter liegen.

Doch wie können in einem Gebäude, wo einst 96 Pflegebetten standen, nun 170 Asylbewerber einquartiert werden? Spital-CEO Christian Reize sagt, wenn die Bewohner nicht gepflegt werden müssten, könnten zusätzliche Betten in die Zimmer gestellt werden.

SP fordert bauliche Massnahmen

Eine weitere Frage wirft die SP Aargau, die sich grundsätzlich positiv zum neuen Asylzentrum äussert, in einer Mitteilung auf. «Wir fragen uns, wie es dem Kanton gelingen soll, die prekären baulichen Verhältnisse in kurzer Zeit so zu verbessern, dass eine menschenwürdige Unterbringung ohne gesundheitliche Gefährdung möglich wird.» Die SP erwartet, dass der Kanton «die ärgsten baulichen Missstände, wie die aufsteigende Nässe und den Zustand der sanitären Anlagen, behebt». Laut der Vorlage zum Bau des neuen Pflegezentrums, die der Grosse Rat im August 2012 genehmigte, ist das alte Gebäude in einem schlechten Zustand.

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Susanne Hochuli relativierte: «Zofingen wird im Vergleich mit anderen Standorten eine gute Unterkunft sein.» Christian Reize ergänzte: «Das alte Pflegezentrum ist keine Luxusunterkunft, aber immerhin haben wir dort bis September noch Patienten gepflegt.»

Für die Umnutzung des Pflegezentrums zur Asylunterkunft ist laut dem Departement Gesundheit und Soziales keine Bewilligung nötig. Auch deshalb dürfte sich der Kanton hüten, die Forderung der SP zu erfüllen. Denn sollte ein Baugesuch nötig werden, könnte sich das Verfahren verzögern, zudem wären dann Einsprachen möglich.

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