Wohlen

Heute vor 20 Jahren geschah der schreckliche Doppelmord von Wohlen

Tatort Villa B. an der Rebbergstrasse 20 in Wohlen. Foto: Kapo

Tatort Villa B. an der Rebbergstrasse 20 in Wohlen. Foto: Kapo

Vor 20 Jahren liess der junge Artist Romano B. seine Adoptiveltern umbringen. Drei Männer waren daran beteiligt - ein Rückblick auf die heimtückische Tat.

Die Spuren vom schrecklichen Verbrechen am Fasnachtsmontag, 11. Februar 1991, sind weitgehend verwischt.

Die Villa an der Rebbergstrasse in Wohlen, wo das Ehepaar Ursula (58) und Peter B. (61) brutal ermordet worden ist, steht nicht mehr. Sie hat einer Terrassenüberbauung Platz gemacht. In der Howag, deren Direktor und Delegierter des Verwaltungsrates Peter B. damals war, werden längst keine Kabel mehr hergestellt. Die Firma ist nach Dintikon gezogen und heute ein reines Handelsunternehmen.

Verbrecher leben nicht mehr

Nicht mehr auf der Welt sind jene drei Männer, die für den heimtückischen Mord verantwortlich gewesen waren. Romano B., der damals 27-jährige Adoptivsohn des Ehepaares, und sein Bühnenpartner Giorgio S. (61) hatten die Tat geplant, Giorgios Bruder Riccardo (51) den Mord ausgeführt.

Romano starb am 9.Januar 2006 an den Folgen seiner HIV-Infektion, auf den Tag genau ein Jahr nach dem Beginn des Mordprozesses am Bezirksgericht Bremgarten. Wegen Anstiftung zu Mord und Mordversuch war er zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt worden.

Riccardo S. erlebte die Berufungsverhandlung vom 19. März 1996 vor dem Aargauer Obergericht ebenfalls nicht mehr. Er hatte sich am 20. Juli 1995 aus einem Fenster der Strafanstalt Thorberg in den Tod gestürzt. Vom Bezirksgericht Bremgarten war er sechs Monate zuvor des Mordes für schuldig befunden und zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe verurteilt worden.

Giorgio S. war wegen Anstiftung zum Mord in erster und zweiter Instanz zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. 1999 wurde er auf Bewährung entlassen. Er starb 2008 in England.

Ein Dorf im Schockzustand

Die Fasnacht 1991 war für viele Wohlerinnen und Wohler einen Tag früher zu Ende als üblich. Auf das närrische Treiben im Dorf hatte kaum mehr jemand Lust, als am Morgen vom Dienstag, 12. Februar, die Nachricht vom brutalen Mord die Runde machte.

Ursula und Peter B. waren über Wohlen hinaus sehr bekannt und geschätzt. Die 57-jährige Fotografin Ursula vor allem durch ihr grosses soziales und kulturelles Engagement, der 61-jährige Kaufmann Peter als grüner Politiker im Einwohnerrat, als freier Journalist und als Speaker bei Sportanlässen wie dem Motocross Wohlen oder Eishockeyturnieren auf der Eisbahn. Auch 20 Jahre nach seinem Tod lebt das beliebte Paar in der Erinnerung seiner zahlreichen Freunde weiter.

Tatort erinnert an Exekution

Entdeckt worden waren die Leichen des Ehepaares am Montag, gegen 22.30 Uhr, von ihrem zweiten Sohn, dem damals 21-jährigen Christian. Ursula und Peter lagen blutüberströmt im Wohnzimmer ihres Hauses an der Rebbergstrasse. «Die Situation am Tatort erweckte den Eindruck einer Exekution», erinnert sich Urs Winzenried, Chef der Aargauer Kriminalpolizei, in einem DOK-Beitrag von Fiona Strebel, der von SF1 2009 ausgestrahlt worden ist.

Das Ehepaar sei mit je zwei Kopfschüssen aus nächster Nähe getötet worden. Die Polizei habe weder Fingerabdrücke noch Einbruchsspuren gefunden. Geld und Wertsachen seien offen herumgelegen. Man habe davon ausgehen müssen, sagt Winzenried weiter, dass das Ehepaar B. seinen Mörder aus freien Stücken ins Haus gelassen habe.

Schlimmer Verdacht bestätigt sich

Was im Umfeld der Familie sofort befürchtet worden war, bestätigte sich leider bald. Noch am Tag der Beerdigung wurde Adoptivsohn Romano unter dem dringenden Verdacht festgenommen, mehr über die Hintergründe der Tat zu wissen.

Der begabte Artist, der unter anderem in der renommierten Scuola Dimitri ausgebildet worden war, hielt sich zum Zeitpunkt der Tat nachweislich in Spanien auf, zusammen mit Giorgio S., der zeitweise auch Lebenspartner des bisexuellen Romano gewesen war.

Giorgio wurde wenige Tage nach Romano in Spanien verhaftet, aber erst am 12. Juni 1992 an die Schweiz ausgeliefert. Er gab zu, mit Romano, der sich trotz beachtlichen Erfolgen als Artist in chronischer Geldnot befand, ein Mordkomplott geschmiedet zu haben. Sie hofften, mit der Ermordung von Peter B. an ein vermeintliches Millionenvermögen zu kommen.

Giorgio konnte seinen Bruder Riccardo als Killer gewinnen. Später wurden die Mordpläne auf die ganze Familie (Ehepaar Peter und Ursula, Sohn Christian, Grossmutter Elsa B.) ausgeweitet und die Tat für Weihnachten 1990 geplant. Romano bekam kalte Füsse und blies das Vorhaben unter einem Vorwand kurzfristig ab. Doch Riccardo hatte Geld gerochen und liess sich vom Plan nicht mehr abbringen.

Vor Gericht gaben Romano B. und Giorgio S. ihre Beteiligung an der Tatplanung weitgehend zu. Romano beteuerte aber stets, in betrunkenem Zustand zwar über eine solche Tat fantasiert, es mit der Ermordung seiner Eltern aber nie wirklich ernst gemeint zu haben.

Riccardo S. stritt bis zuletzt jede Tatbeteiligung ab. Starke Indizien hatten vor Gericht jedoch klar gegen ihn gesprochen.

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