Der VBS-Chef nutzt in diesen Tagen offensichtlich gern und bewusst die Plattform militärischer Kaderrapporte, um seine sicherheits- und armeepolitischen Auffassungen öffentlich kundzutun – und zugleich subtil die Vorstellungen des Bundesrates in Bezug auf die künftigen Bestände und Ausgaben der Armee zu hinterfragen.

Dazu bot ihm die vom Aargauer Divisionär Andreas Bölsterli (Brunegg) kommandierte Territorialregion 2 ein besonders günstiges Umfeld. Denn hier konnte er sich an ein gemischtes Auditorium mit hohen zivilen und militärischen Funktionsträgern wenden – an Partner, die an einer engen Zusammenarbeit interessiert sind.

Bundesrat Ueli Maurer erklärte, er begrüsse eine breite Diskussion über die Sicherheitspolitik und die Rolle, welche die Armee darin spiele. Für 2014 kündigte er eine grosse Übung im Sicherheitsverbund Schweiz an, in welche die Armee sowie die Kantone mit Bevölkerungsschutz- und Sicherheitsorganen einbezogen werden.

Mögliche Reduktion von Standorten

Wie eine Woche zuvor bei der Infanteriebrigade 5 meldete Maurer unter starkem Applaus erneut Zweifel an einer auf 80 000 Angehörige verkleinerten Armee an. Zum militärischen Sparprogramm kündigte er eine mögliche Reduktion von Standorten an. Ob dabei der Aargau mit den Waffenplätzen Aarau, Brugg und Bremgarten ins Sparvisier kommen könnte?

Die Territorialregion 2 ist das Bindeglied der Armee zu sieben Nordwest- und Innerschweizer Kantonen, unter ihnen auch der Aargau. Sie verfügt über Führungsunterstützungs-, Genie-, Katastrophenhilfe- und Betreuungsformationen, die besonders zur Bewältigung von Naturkatastrophen geeignet sind.

In ihrem Einzugsgebiet kamen sie in den letzten Jahren wiederholt zum Einsatz, zum Beispiel 2005 bei den schweren Unwettern im Engelbergertal. Ohne die militärische Unterstützung wäre jenes Ereignis nicht zu bewältigen gewesen, bestätigte der Nidwaldner Regierungsrat Alois Bissig am Kaderrapport.

Zunahme der Naturgefahren

Armee und Bevölkerungsschutz seien wahrscheinlich in Zukunft noch mehr gefordert, erklärte Andreas Götz, Vizedirektor des Bundesamtes für Umwelt. Die Zunahme der Naturgefahren und des Schadenpotenzials stehe fest. Allein seit 1972 seien in der Schweiz Schäden von 12 Milliarden Franken ausgewiesen.

Heute müsse mit jährlich 50 Hochwassern gerechnet werden. Die Ursachen lägen vorab in der ungestümen Siedlungsentwicklung der letzten 100 Jahre mit der zweimal grösseren Bevölkerung, dem sechsmal grösseren Wasser- und einem zwanzigmal höheren Energieverbrauch. Es bestehe Handlungsbedarf, betonte Götz – mit dem Klimawandel werde er noch grösser.