Fricktaler helfen Geflüchteten in Bosnien

Eine Delegation der Aargauer Organisation Help Now besuchte das Camp «Miral» in Velika Kladuša.

Rolf Schmid
Merken
Drucken
Teilen
Die Delegation von «Help Now» in Velika Kladuša. Sanella bietet eine Holzhütte als nächtliches Zwischenlager.
2 Bilder
Die Delegation von «Help Now» in Velika Kladuša. Sanella bietet eine Holzhütte als nächtliches Zwischenlager.

Die Delegation von «Help Now» in Velika Kladuša. Sanella bietet eine Holzhütte als nächtliches Zwischenlager.

Bilder: zvg

Die Aargauer Organisation HelpNow führt seit der Schliessung der Balkanroute in regelmässigen Abständen Hilfsgütertransporte nach Serbien, Bosnien oder Mazedonien durch. Das Hilfsprojekt unter dem Dach des Vereins Netzwerk Asyl Aargau unterstützt dabei geflüchtete Menschen, die vor Ort unter widrigen Umständen ausharren und auf eine Weiterreise nach Europa hoffen.

Beim ersten Einsatz im Jahr 2020 gab es auch Fricktaler Unterstützung: Anlässlich einer Aktion unter Freiwilligen aus dem Fricktal wurden zahlreiche Schlafsäcke, Decken und Spenden gesammelt. Innert einer Woche hat eine kleine Dele­gation anschliessend verschiedene Lager und Organisationen in der bosnischen Grenzregion besucht, um die Spenden zu verteilen.

Lokale Einzelkämpfer versuchen zu helfen

Zu Beginn der Reise stand der Besuch zweier Lager in Bihac und Velika Kladuša sowie der Austausch mit lokalen Freiwilligen auf dem Programm. Die staatlich organisierten Lager sind in dieser Region bereits heute überfüllt, weshalb einige Tausend Menschen bei Minustemperaturen und Schnee im Freien oder verlassenen Ruinen aus der Kriegszeit leben.

Die lokalen Einzelkämpfer stehen aufgrund der angespannten Situation in Politik und Bevölkerung stark unter Druck und werden teilweise sogar bedroht und angegriffen. Dennoch ist ihre Motivation meist aufgrund der persönlichen Fluchterfahrung stark genug, um Tag für Tag den Bedürftigen inner- und ausserhalb der Lager mit Lebensmitteln, Kleidung oder lebensnotwendigen Medikamenten zu helfen.

In der Kleinstadt Kljuc, etwas weiter im Landesinnern, werden Menschen von der Polizei nach Kriterien wie Hautfarbe oder Sprache aus den Bussen und Zügen geworfen, um sie an der Reise zur EU-Aussengrenze mit Kroatien zu hindern. Oft stranden die Migranten hier mitten in der Nacht und haben keine Möglichkeit, eine Unterkunft zu beziehen. Sanella und ihr Vater Mustafa haben mit dem lokalen Roten Kreuz eine einfache Hütte eingerichtet, die es ermöglicht, sich auszuruhen, verarzten zu lassen oder etwas zu kochen. Mit der Hilfe aus der Schweiz konnte Help Now die Gruppe um Sanella mit einigen Decken, Schuhen, Lebensmitteln und Windeln unterstützen. Ein Teil der Waren wird durch das Rote Kreuz auch an einheimische Bedürftige verteilt.

Treffen mit Vertretern aus der Politik

Nach einer abenteuerlichen Fahrt durch das Schneetreiben und über schlechte Strassen im bosnischen Gebirge trafen die Freiwilligen in der Hauptstadt Sarajevo auf drei Nationalräte aus der Schweiz. Am Folgetag besuchte die erweiterte Gruppe zusammen mit der Schweizer Botschafterin, Andrea Rauber Sax, zwei von der International Organization of Migration geführten Lager in den Vororten der Hauptstadt. Anlässlich eines offiziellen Treffens in der Residenz der Botschafterin zeigten sich auch bosnische Organisationen und Behörden überzeugt, dass es an der kroatischen Grenze vermehrt zu Menschenrechtsverletzungen komme.

Angesprochen auf die Problematik illegaler Rückführungen durch die kroatische Grenzpolizei sowie die missliche Situation für die Menschen ausserhalb der Camps zeigte der Staatsvertreter Verständnis und versprach der Gruppe professionelle und zeitnahe Lösungen. Im Gegenzug appellierte er an die Verantwortung der europäischen Gemeinschaft, die Schweiz miteingeschlossen, und bat angesichts der schwierigen politischen und ökonomischen Situation in Bosnien um Nachsicht.

Beim Besuch im «House of All», einer unabhängig organisierten Einrichtung, konnte sich die Delegation ein Bild über die Situation für flüchtende Familien mit Kindern machen. Die Ablieferung einer Ladung gesunder Nahrungsmittel, Reinigungsmaterial, Bastel- und Schreibsachen sowie Decken und Frottierwäsche stillt zwar auch hier nur für eine kurze Zeit und nur annähernd die Bedürfnisse. Im Frühjahr, wenn das Wetter besser wird, werden viele der Familien im «House of All» wieder vermehrt den Grenzübertritt versuchen. Einige werden es schaffen, andere landen schon kurze Zeit später wieder in einer informellen Einrichtung wie hier.