Arbeit, Familie, Freizeit, – dies alles unter einen Hut zu bringen, kann zuweilen schwierig sein. Gerät die Work-Life-Balance in Schieflage, entsteht Stress oder Unzufriedenheit beim Arbeitnehmer. Dies mindert letztendlich seine Produktivität, wodurch auch der Arbeitgeber Abstriche machen muss. Mit dieser Problematik hat sich auch die Frauenzentrale Aargau auseinandergesetzt. Mit «Vereinbarkeit von Lebenswelten» hat sie ein Projekt lanciert, das die Balance zwischen dem Erwerbsleben und der Familienarbeit sowie dem privaten Engagement verbessern will. «Ziel ist es, dass durch das Projekt eine Kultur entsteht, in der es nicht kritisch hinterfragt wird, wenn man mal ein oder zwei Stunden den Arbeitsplatz verlässt, weil man etwa in seinem Ehrenamt oder der Gemeindepolitik tätig sein muss oder es die familiäre Situation erfordert», sagt Co-Projektleiterin Marianne Stänz vom Vorstand der Frauenzentrale Aargau.

Zehn KMU aus dem Aargau nehmen an dem Projekt teil. Einziger Vertreter aus dem Fricktal ist die KSL Ingenieure AG in Frick mit rund 70 Angestellten. Die Geschäftsleitung war sich schnell einig, dass Projekt eine grosse Chance ist, das Unternehmen zu durchleuchten, um Verbesserungspotenzial in Sachen Vereinbarkeit von Arbeiten und Privaten auszumachen, sagt Jürg Müller, Vorsitzender der Geschäftsleitung. «Wenn wir die Vereinbarkeit verbessern, werden wir zufriedene Mitarbeiter haben und es wird weniger Personalwechsel geben.» Zudem werde eine gute Vereinbarkeit auch von aussen erkannt. «Dadurch erhoffen wir uns bessere Chancen in der Personalrekrutierung», so Müller.

Standortbericht zugestellt

Anfang des Jahres begann eine Fachstelle mit dem KMU-Check der KSL Ingenieure AG. Nachdem sie Unterlagen aus dem Personalbereich ausgewertet hatte, wurde Müller zu diversen Handlungsfeldern, wie etwa Arbeitszeiten, Betreuungsleistungen, Autonomie und Lohnentwicklung befragt. Danach fanden Gespräche mit acht Mitarbeitern des Unternehmens statt. Auf Grundlage dessen erhielt die KSL Ingenieure AG einen Standortbericht von der Fachstelle, der derzeit durch Müller analysiert wird.

Zwar sei man in einigen Bereichen schon gut aufgestellt, dennoch gebe es noch Verbesserungspotenzial, so Müller. «Das Familienbild hat sich gewandelt. Heute besteht oft das Bedürfnis, dass die Betreuung der Kinder gemeinsam erfolgt.» Neben der Teilzeitarbeit sei auch «Homeoffice» ein Konzept, das diskutiert werden müsse. Nicht zuletzt werde man auch auf das Thema «Belastung am Arbeitsplatz» eingehen. «Ab und an fallen bei uns Überstunden an», so Müller, der nachschiebt, dass er sich vorstellen kann, Kurse zu besuchen, die ihn für Überlastungsanzeichen der Mitarbeiter sensibilisieren.

Flexibilität für das Milizsystem

Vorstellen kann sich Müller auch, dass er einen Vaterschaftsurlaub von fünf oder zehn Tagen einführt – in der Schweiz gibt es keinen gesetzlichen Vaterschaftsurlaub. Aus den Reihen eines anderen KMU, das bereits einen Vaterschaftsurlaub eingeführt hat, hat Müller gehört, dass sich die Partnerinnen der Angestellten beim entsprechenden Unternehmen dafür persönlich bedankt haben.

Müller ist nicht mit allem einig, was im Standortbericht festgehalten ist. Etwa, dass das Unternehmen Sportaktivitäten für die Mitarbeiter anbieten könnte. «Das macht bei rund 70 Angestellten wohl weniger Sinn, als bei einem Unternehmen, das 300 oder 400 Mitarbeiter beschäftigt.»

Generell hielte der Standortbericht jedoch auch fest, dass man in vielen Bereichen schon gut aufgestellt sei, so Müller. «So achten wir darauf, dass etwa unsere zwei Gemeinderäte, die bei uns tätig sind, an Sitzungen während den Arbeitszeiten teilnehmen können», sagt der alt Gemeindeammann von Mumpf, der fast zwei Jahrzehnte lang im Gemeinderat sass. «Gerade in Zeiten, in denen es kleine Gemeinden schwer haben, die Gremien zu besetzten, ist es wichtig, dass die Arbeitgeber den entsprechenden Mitarbeiten die nötige Flexibilität für die Ausführung ihres Amtes gewähren», so Müller.