Auch in der Gemeinde Frick stieg in den letzten Jahren die Zahl der Sozialhilfebezüger stark. Dabei stellte sich der Gemeinderat die Frage, wie die Gemeinde selbst gegen diese Entwicklung angehen kann. Bereits vor zwei Jahren erarbeitete der Fricker Sozialdienst ein Konzept, wie Sozialhilfebezüger bei der Stellensuche wirksam unterstützt werden können. Am Beispiel der Zusammenarbeit mit der Jehle AG in Etzgen zeigt sich nun der Erfolg: Vier Personen, die alle zuvor Sozialhilfe bezogen hatten, konnten in eine befristete feste Anstellung und eine Person für eine Lehrstelle vermittelt werden.

«Viele Sozialhilfebezüger wurden bei der Arbeitslosenkasse ausgesteuert und sind seit längerer Zeit ohne Job», berichtet Gabriela Reimann, Leiterin der Abteilung Soziales in Frick. Um den Wiedereinstieg schaffen zu können, bietet die Gemeinde diesen die Möglichkeit, bei einer Firma in der Region ein dreimonatiges Arbeitstraining zu absolvieren. Dabei gewöhnen sich die Sozialhilfebezüger wieder an eine übliche Tagesstruktur einer arbeitstätigen Person. Zudem wird dabei rasch klar, ob die ins Training vermittelten Personen den Anforderungen und dem Druck der Arbeit gewachsen sind.

Hemmschwelle senken

Die Rolle des Arbeitgebers beschränkt sich in dieser Zeit auf die Betreuung und Einarbeitung. Während des Trainings richtet die Gemeinde weiterhin Sozialhilfe aus, wobei bei einer 100-Prozent-Tätigkeit zusätzlich eine Integrationspauschale von 200 Franken bezahlt wird.

Arbeitgeber bevorzugen in der Regel Bewerber, die sich aus einer festen Anstellung heraus bewerben gegenüber Personen, die seit Längerem erwerbslos sind. Das Nachsehen haben dabei Langzeitarbeitslose. Um die Hemmschwelle zu senken, auch Sozialhilfebezüger anzustellen, bezahlt die Gemeinde Frick Einarbeitungszuschüsse. Dabei stellt der Arbeitgeber in Aussicht, jemandem eine feste Anstellung während mindestens 12 Monaten zu geben. Im Gegenzug übernimmt die Gemeinde während der ersten zwei Monate 60 Prozent des Bruttolohns, im dritten und vierten Monat 40 Prozent und im fünften und sechsten Monat 20 Prozent.

Erst ein Arbeitstraining

Seit dem Beginn der Zusammenarbeit vor rund zwei Jahren vermittelte die Gemeinde Frick sechs Personen an die Jehle AG. In der Regel absolvierten die Teilnehmenden vorerst ein Arbeitstraining. Danach richtete die Gemeinde während sechs Monaten Einarbeitungszuschüsse aus. Nur bei einer Person wurde das Training nach einem Monat abgebrochen, da diese sich am Arbeitsplatz nicht integrieren wollte.

Gabriela Reimann und Daniela Birri von der Abteilung Soziales der Gemeinde Frick machen darauf aufmerksam, dass längst nicht alle Sozialhilfebezüger in ein Arbeitsintegrationsprojekt geschickt werden können. Dazu eignen sich nur Personen, die gesundheitlich dazu in der Lage, zuverlässig und motiviert sind und Grundkenntnisse der deutschen Sprache haben. Dies bestätigt Martin Baksa, Leiter Finanzen, Human Resources und IT der Jehle AG. Dank der guten Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Arbeitgeber konnte gegenseitig Vertrauen aufgebaut werden, welches für den Erfolg eines solchen Projekts sehr wichtig ist.

Ein Gewinn für alle

Martin Baksa und Gabriela Reimann sind sich einig: Arbeitstrainings, mitfinanzierte Arbeitspraktika und die Möglichkeit von Einarbeitungszuschüssen durch die Gemeinde führen zu einem Gewinn für alle. In erster Linie profitieren die vermittelten Personen, bedeutet doch eine feste Arbeitsstelle für diese schlicht die Sicherung ihrer finanziellen Existenz. Auch die Gemeinde profitiere, indem keine Sozialhilfe mehr auszurichten ist und mit einem festen Job gar Rückzahlungen der früheren Sozialhilfekosten möglich sind.

Die Arbeitgeber wiederum haben bei der Rekrutierung einen Ansprechpartner, an den sie sich auch später bei Problemen wenden können. Zudem wird ihr Risiko, jemanden einzustellen, den sie aufgrund der Bewerbungsunterlagen wahrscheinlich nicht gewählt hätten, mit Einarbeitungszuschüssen abgegolten. Sie lernen die bewerbende Person bereits im Arbeitstraining kennen.

Die Gemeinde Frick konnte in der jüngeren Vergangenheit auch mit anderen Arbeitgebern erfolgreich stellensuchende Personen wieder in die Arbeitswelt integrieren. Diese Partnerschaften sind sehr wertvoll, denn: Eine feste Anstellung zu haben, bedeutet in der Regel weit mehr, als Ende Monat einen Lohn zu bekommen. Vielmehr hilft die Arbeit bei der Tagesstruktur, vermittelt ein Gefühl des Gebrauchtwerdens und führt zu wichtigen sozialen Kontakten. Arbeitgeber, die am Projekt interessiert sind, können sich beim Fricker Sozialdienst melden. (az)