Frick

Wie wurde in der Bronzezeit gefeiert? — Scherben geben Aufschluss über festliche Bräuche

Buchvernissage mit (v. l.) Autorin Miriam Hauser, Fachbereichsleiterin Frühgeschichte Brigitte Röder und Kantonsarchäologen Georg Matter.

Buchvernissage mit (v. l.) Autorin Miriam Hauser, Fachbereichsleiterin Frühgeschichte Brigitte Röder und Kantonsarchäologen Georg Matter.

Die Masterarbeit von Miriam Hauser zu den Funden vom Seckeberg ist als Buch erschienen. Sie beantwortet die Frage, weshalb die wunderschön verzierten Keramikgefässe, überwiegend Trinkschalen und Schüsseln, nach dem Fest zerschlagen, ins Feuer geworfen, in eine Grube deponiert und wieder mit Erde bedeckt wurden.

Wie feierten die Vorfahren in der Region vor 3500 Jahren ihre Feste? Auch sie waren wie in allen Zeiten keine Kinder von Traurigkeit – sehr schön dargestellt auf der Vorderseite des Buches «Der Rest vom Fest – eine spätbronzezeitliche Grube voller Scherben vom Seckeberg in Frick», geschrieben und vorgestellt von Miriam Hauser im Meck in Frick.

Ausgelassen und voller Lebenslust wird da zu aufpeitschenden Trommelklängen um ein loderndes Feuer getanzt, Alkohol fliesst und eine Frau zertrümmert mit Freude Gefässe. So könnte es gewesen sein.

Rund 3300 Scherben untersucht

Bei der Verlegung einer Gasleitung 1997 auf dem Fricker Seckeberg fand man eine grosse Anzahl einzigartiger feinkeramischer Scherben aus der Spätbronzezeit mit starken Hitzespuren abseits einer Siedlung. Ein Glücksfall auch deshalb, weil die Fundstelle die bisher einzig bekannte ihrer Art in der Nordschweiz ist.

Lange lagen die Scherben in der Kantonsarchäologie in Brugg. Bis sich Miriam Hauser auf Anraten ihrer Mentorin Brigitte Röder dieser spätbronzezeitlichen Überreste für ihre Masterarbeit annahm. Anfänglich mit mehr als nur gemischten Gefühlen, wie sie lachend an der Vernissage des Buches gestand. Mit bangen Gefühlen konnte sie nur noch flüstern: «So viele Scherben.» Es waren an die 3300.

Doch dann ging die junge Frau mutig ans Werk, fing schnell Feuer. «Das Ergebnis ist ein faszinierender Einblick in die bislang kaum bekannten bronzezeitlichen Festpraktiken», unterstrich die Basler Wissenschaftlerin Brigitte Röder. Wusste auch, wie viel Stehvermögen es braucht, um solch ein Ergebnis vorzulegen.

Scherben bringen Glück

In Wort und Bild zeigte Hauser, wie sie akribisch die Funde auswertete, ging der Frage nach, warum die wunderschön verzierten Keramikgefässe, überwiegend Trinkschalen und Schüsseln, nach dem Fest zerschlagen, ins Feuer geworfen, in eine Grube deponiert und wieder mit Erde bedeckt wurden. Meinte, dass dieser Brauch ja gar nicht so unbekannt ist, auch heute gibt es noch viele Scherben bei einem Polterabend nach dem Motto: Scherben bringen Glück.

Doch auch andere Überlegungen gibt es, zum Beispiel die Vertreibung böser Mächte. Miriam Hauser sprach über spannende Erkenntnisse und Interpretationen zu den Funden selbst, zu Ess-und Trinkgewohnheiten, zur Anzahl der feiernden Personen (wahrscheinlich 30), zur möglichen Bedeutung des Festes, das hoch oben auf dem Berg stattfand und gesehen werden sollte.

Was konsumiert wurde, kann nicht beantwortet werden, wenige Knochenfunde deuteten auch auf Fleisch hin. Neben unbeschwerter Fröhlichkeit hatten diese Feste immer auch eine soziale Komponente, das Zusammengehörigkeitsgefühl wurde gestärkt.

Miriam Hauser zieht in ihrem Buch zudem Vergleiche zu Festritualen in anderen Epochen und präsentiert wertvolle Erkenntnisse über die Keramikgefässe.

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