Laufenburg

Wie viel Miete bezahlt der Kanton für diese Asylunterkunft?

Der Kanton Aargau hat in Laufenburg ein Elf-Zimmer-Landhaus als Asylunterkunft gemietet – eine Villa, die ursprünglich für 1,49 Millionen Franken zu erwerben war. Der Mietzins dürfte bei ungefähr 2500 Franken pro Monat liegen.

Der Kanton quartiert in einer ehemaligen Villa an der Hinteren Bahnhofstrasse in Laufenburg 20 bis 30 Asylsuchende ein (wir berichteten). Der Kantonale Sozialdienst konnte das «11-Zimmer-Landhaus mit Loggia und grossem Garten», wie die Liegenschaft auf einer Immobilienplattform beworben wird, für zwei Jahre mieten – «mit einer Verlängerungsoption für weitere zwei Jahre», wie Balz Bruder, Sprecher des Departements Gesundheit und Soziales, auf Anfrage sagt.

Laufenburg plant weiteres Asylzentrum

Laufenburg plant weiteres Asylzentrum

In einem unterirdischen Teil vom Spital Laufenburg ist bereits eine Unterkunft für 65 Asylsuchende geplant. Diese soll aber nur im Notfall genutzt werden.

Das Departement zahle jeweils orts- und marktübliche Mietzinse, «dies ist auch im vorliegenden Fall so». Mehr mag Bruder zu den Mietkonditionen nicht sagen.

3000 Franken Miete das höchste der Gefühle

Recherchen der az zeigen: Die Immobilie ist seit längerer Zeit zu haben. Ursprünglich betrug der Kaufpreis laut «Billionhomes.ch» 1,49 Millionen Franken, Ende 2014 wurde er auf 1,39 Millionen Franken gesenkt.

Wer die «im Jahre 1948 ‹haziendamässig› gebaute, attraktive Liegenschaft», die ein «exklusives, sehr grosszügiges Wohnen in tollem Ambiente» erlaubt, mieten wollte, musste sich mit einer «Preisvorstellung» von 3850 Franken pro Monat auseinandersetzen.

Dass der Kanton so viel zahlt, hält ein Immobilienmakler aus der Region für «wenig wahrscheinlich». Nach seinen überschlagsmässigen Berechnungen ist ein Mietzins von rund 2500 bis 2800 Franken pro Monat realistisch. «3000 Franken sind sicher das höchste der Gefühle.» Ein vergleichbares Objekt habe er jüngst für 2800 Franken vermietet – an besserer Lage.

Grosszügig angelegter Garten

Dafür bekommt der Mieter viel Haus mit noch mehr Umschwung. Die Nettowohnfläche beträgt 231,5 Quadratmeter, die Grundstücksfläche 16 Aren.

Erlaucht tönt die Auflistung der Gemächer, die nun zu Mehrbett-Zimmern werden: Neben Alltäglichem wie Schlaf-, Ess- und Wohnzimmer (natürlich standesgemäss mit Kamin) laden ein Fernsehzimmer, ein Frühstückszimmer und eine Loggia zum Verweilen ein.

Mehr Eile liess Mann wohl im Haushaltszimmer walten. Ein Weinkeller im Untergeschoss sorgte in den letzten 70 Jahren sicher für so manch einen Genuss-, der Fitnessraum nebenan für den einen oder anderen Qual-Moment.

Die Liegenschaft, die in Laufenburg auch als «Villa Balteschwiler» bekannt ist, wurde 1996 letztmals renoviert; von einem «gewissen Investitionsbedarf» spricht deshalb die Verkaufsdokumentation. Auf den Fotos wirkt das ruhig gelegene Landhaus, das viel Privatsphäre gewährleistet, ganz gut in Schuss.

Einen Muskel-Investitionsbedarf gibt es im Aussenbereich; er mutet leicht verwildert an. Ist er wieder in Schuss, verspricht der «grosszügig und schön angelegte Garten» mit kleinem Pool für Kinder und gedecktem Pizzaofen erholsame Stunden.

«Hier treten sie in eine völlig andere Welt ein», heisst es in der Dokumentation. Dem ist so. Ab August.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1