Wahlen 2020

Wie ticken die Kandidierenden? Die CVP Rheinfelden im Vergleich

Die CVP im Bezirk Rheinfelden hält einen Sitz im Grossen Rat. Dieser ist ungefährdet, für einen zweiten wird es aber kaum reichen. Die Spider-Profile geben Auskunft zu den einzelnen Kandidierenden.

Die CVP, die in den letzten Jahren arg gebeutelt wurde, sieht Licht am Horizont. Das Licht wurde bei den Nationalratswahlen vor einem Jahr angezündet, als die Partei kantonal um 1,3 Prozent, im Bezirk Rheinfelden sogar um gut zwei Prozent zulegen konnte. Die Mittepartei hofft, diese Dynamik bei den Grossratswahlen mitnehmen zu können.

Doch selbst wenn dies gelingt – von einem zweiten Sitz ist die CVP im Bezirk Rheinfelden doch weit entfernt. Umgekehrt gesehen: Ihren einen Sitz wird die Partei aber halten können, sonst müsste sie bei den Wahlen förmlich abstürzen. Damit ist nicht zu rechnen.

Sie ticken unterschiedlich

Klar ist auch, wer auf diesem Sitz Platz nehmen dürfte: derselbe wie heute. Alfons P. Kaufmann sitzt seit vier Jahren im Grossen Rat, und er hat sich in dieser Zeit weit über die Parteigrenzen hinweg einen Namen gemacht. Er gilt als Macher, der gleichzeitig die verschiedenen Positionen gut miteinander ins Gespräch bringen kann. Auch deshalb hat ihn seine Partei zum Fraktionschef gemacht – ein guter Schachzug.

Doch wie ticken die Kandidierenden? Recht unterschiedlich, wie ein Vergleich der Spider-Profile zeigt. Von den zehn Kandidaten lagen bis am Donnerstagmittag auf vimentis.ch, der Wahlplattform, mit der die Aargauer Zeitung zusammenarbeitet, die Profile von sieben Kandidaten vor; von Caroline Brugger und Walter Zumstein waren keine Daten verfügbar. Von Christian Otter ist zwar ein Spider abrufbar, aber er basiert auf den Fragen von 2016 und ist deshalb nicht mit den anderen Spidern vergleichbar.

Kein allzu umfassender Sozialstaat

Die Profile unterscheiden sich zum Teil erheblich, was für die Pluralität innerhalb der Partei spricht. Für mehr Umweltschutz setzen sich besonders Marion Pfister, Marion Wegner und Helga Gähweiler ein. Kaufmann liegt hier im Mittelfeld, jedoch klar vor Alina Spuhler, der jüngsten Grossratskandidatin im Aargau, und Pius Dahinden.

Von einem (allzu) umfassenden Sozialstaat halten alle Kandidierenden eher wenig, am weitesten gehen Wegner, Gähweiler und Pfister. Am stärksten für eine aussenpolitische Öffnung tritt von den sechs Kandidierenden Dahinden ein, am zurückhaltendsten sind Kaufmann und Gähweiler. Während sich Dahinden und Spuhler mehr als ihre Parteikollegen für eine freie Wirtschaft stark machen, sind beim strengen Rechtssystem alle eher zurückhaltend, am deutlichsten Dahinden.

Klares Ja von Kaufmann

Die stark differierenden Spider lassen es erahnen: Die CVP-Politiker sind in vielen der 44 Fragen, die der Auswertung zugrunde liegen, uneins. Vier Beispiele. Die Frage, ob ein Mindestlohn von 4000 Franken eingeführt werden soll, beantworten Kaufmann, Pfister und Dahinden mit einem klaren Nein. Spuhler sagt eher Nein, Gähweiler und Wegner eher Ja.

Die Frage, ob der Kanton mehr finanzielle Mittel für Frauenhäuser zur Verfügung stellen soll, um die Betreuung und Unterkunft für Opfer von häuslicher Gewalt zu gewährleisten, beantwortet einzig Gähweiler mit einem klaren Nein. Ein «eher Ja» kommt von Pfister, Dahinden, Wegner und Spuhler, ein klares Ja von Kaufmann.

Fünf Kandidierende ­stehen leicht links

Unterschiedlich sind die Positionen auch bei der Legalisierung des Cannabiskonsums ab 18. Spuhler, Gähweiler, Dahinden und Wegner sind eher dagegen, Kaufmann und Pfister klar dafür. Ein Betriebsverbot von 5G-Netzantennen befürwortet Gähweiler. Kaufmann ist eher dafür. Klar dagegen sind Dahinden, Pfister und Spuhler. Ein «neutral/weiss nicht» kommt bei dieser Frage von Wegner.

Legt man die Antworten auf die Links-rechts-Achse um, so stehen die sechs Kandidierenden in der Tendenz eher etwas links von der Mitte. Einzig Kaufmann positioniert sich leicht rechts. Spuhler liegt fast punktgenau auf der Mittelachse, während Dahinden die Mittelachse von links noch leicht schrammt. Links von der Achse positionieren sich Gähweiler, Pfister und Wegner, wobei alle drei noch im ersten der vier Links-Quadranten liegen, also sehr gemässigt links politisieren.

Zieht man die zweite Achse zurate, also jene, welche die Positionen in liberale und konservative teilt, so liegen die sechs Kandidaten auch hier in der Nähe der Mittelachse. Etwas unterhalb und somit im konservativen Lager positionieren sich Gähweiler und Wegner. Just auf der Achse befinden sich die Profile von Kaufmann und Spuhler. Leicht ins liberale Lager tendiert der Spider bei Pfister. Am liberalsten zeigt sich Dahinden.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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