Fricktal

Wer kauft meine Firma? Die Suche nach einem Nachfolger verläuft oft harzig

Foto: Fabrice Müller

Die Kinder übernehmen: Nicole, Ernst, Oliver und Ruth Frank (v. l.).

Foto: Fabrice Müller

Beim Schuhaus Frank treten Kinder in die Fussstapfen der Eltern und übernehmen das Geschäft. Doch viele KMU finden keine Nachfolger. Um ein Geschäft erfolgreich zu übergeben, ist jedoch eigentlich vor allem eines zu beachten.

«Wir haben seit Jahren auf diesen Schritt hingearbeitet, damit unsere Geschäfte bei der Übergabe gut dastehen», erklärt Oliver Frank, der das Familienunternehmen mit insgesamt sechs Schuhgeschäften in Möhlin, Rheinfelden, Frick, Sissach, Brugg und Aarau zusammen mit seiner Schwester Nicole übernommen hat. Zuvor haben ihre Eltern Ernst und Ruth das Unternehmen über 40 Jahre lang geführt.

Somit geht dieses nun in die dritte Generation über. Gegründet wurde das Geschäft 1925 als Schuhmacherwerkstatt. Im Lauf der Jahre entwickelte sich diese zum Schuhgeschäft und wurde auf verschiedene Filialen in der Region erweitert. «Die Geschäftsübergabe ist für alle eine optimale Lösung», betont Ernst Frank. Für seine Kinder als Nachfolger ist die Übergabe kein Kaltstart, arbeiten sie doch seit Jahren im Familienbetrieb mit und sind mit allen Themen bestens vertraut.

Neue Holding gegründet

Trotzdem konnte die Übergabe nicht von heute auf morgen über die Bühne gehen. Die mehreren Filialen und juristischen Personen mussten in eine neue Holding als Aktiengesellschaft zusammengeführt werden. Dies habe die Sache sicher nicht vereinfacht, erklärt Oliver Frank. Hinzu komme, dass jedes Geschäft autonom geführt werde und über eine eigene Buchhaltung verfüge. «Bei der Zusammenführung wurden auch steuerliche Aspekte berücksichtigt», ergänzt Oliver Frank.

Er und seine Schwester seien dabei stets über alle Schritte und Angelegenheiten informiert gewesen. Nicole und Oliver Frank treten nach aussen als neue Geschäftsführer und Aktionäre des Familienbetriebes auf. Die Aufteilung der verschiedenen Aufgaben und Funktionen ist in einem Businessplan geregelt. Derzeit beschäftigt der Familienbetrieb insgesamt 26 Mitarbeitende in sechs Filialen mit Verkaufsflächen zwischen 100 und 200 Quadratmetern.

Nachfolgersuche oft schwierig

Nicht alle Firmen können ihre Nachfolgeregelung so erfolgreich lösen wie das Schuhhaus Frank. «Wir beschäftigen uns regelmässig mit Nachfolgelösungen für Unternehmen und stellen fest, dass es für KMU-Betriebe grundsätzlich schwieriger geworden ist, gute Nachfolgelösungen zu finden», sagt Peter Haller, Treuhandunternehmer aus Magden. Er rechnet damit, dass sich in den nächsten fünf bis sechs Jahren von den insgesamt 300 000 KMU-Betrieben der Schweiz rund 50 000 bis 60 000 Firmen mit Nachfolgelösungen beschäftigen werden. Für einige von ihnen dürfte dies das Aus bedeuten, weil sie aufgrund ihrer Ausgangslage keinen Nachfolger finden werden.

Warum Nachfolgeregelungen von KMU-Betrieben oftmals nicht erfolgreich enden, hat laut Peter Haller mit mehreren Faktoren zu tun. «Oftmals gehen die Firmeninhaber die Nachfolgeregelung unstrukturiert an und sind sich ihrer eigenen Ziele zu wenig bewusst.» Eine ungünstige Ausgangslage für das Unternehmen kann ein weiterer Grund für das Scheitern sein. Dazu gehören zum Beispiel finanzielle Rahmenbedingungen: «Nicht selten kommt man zum Schluss, dass das bisherige Unternehmen mit seinen Verflechtungen mit Immobilien und anderen Werten so gar nicht verkauft werden kann. Dann muss man zuerst das Unternehmen bereinigen, um die ‹Braut› für den Verkauf attraktiver zu machen», sagt Peter Haller.

Noch schwieriger als die Lösung von finanziellen Problemen ist die emotionale Trennung vom eigenen Unternehmen, das man in den letzten 30 oder 40 Jahren mit viel Herzblut aufgebaut hat. Der Wunsch, das Unternehmen familienintern an die Kinder weiterzugeben, erfüllt sich in der heutigen Zeit immer weniger, wie Peter Haller feststellt. Deshalb lohnt es sich, mit den eigenen Mitarbeitenden oder externen Interessenten das Gespräch zu suchen.

Bis zu zehn Jahre vorher beginnen

Für eine erfolgreiche Nachfolgeregelung braucht es eine saubere Unternehmensbewertung und -analyse. Daraus leitet sich die gewünschte Nachfolgelösung ab. Jetzt beginnt die gezielte Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin. Für diese Vorarbeiten und Analysen rechnet Peter Haller mit einem Aufwand von sieben bis zehn Jahren – eine Zeitspanne, die in vielen Fällen offenbar zu knapp angegangen wird. In Zukunft rechnet Peter Haller damit, dass mehr KMU-Betriebe wegen mangelnder Nachfolger geschlossen werden als aufgrund des starken Frankens.

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