Kiss Fricktal

Wer anderen hilft, bekommt hier Zeit gutgeschrieben

Für Kiss Fricktal ist Zeit eine wichtige Währung. (Symbolbild)

Für Kiss Fricktal ist Zeit eine wichtige Währung. (Symbolbild)

Letztes Jahr wurde die Genossenschaft Kiss Fricktal gegründet – mittlerweile hat sie fast 70 Mitglieder und Erste-Hilfe-Tandems.

Hilfe bei der Wäsche, Fahrten zum Einkaufen oder zum Arzt, Hunde ausführen, Pflanzen giessen oder gemeinsam Jassen und Spielen: Dies sind nur ­einige Beispiele von Dienstleistungen, die von der Genossenschaft Kiss Fricktal vermittelt werden. Schweizweit sind Kiss-Genossenschaften im ­Aufbau. Auf der nationalen Website sind aktuell 17 aktive Genossenschaften gelistet, drei weitere befinden sich in der Aufbauphase.

Gemeinsam ist ihnen das Ziel, dass Menschen aller Generationen, die Betreuung benötigen, durch Hilfe aus der Genossenschaft möglichst lange in ihrem ­gewohnten Umfeld bleiben können. Wichtig ist dabei, dass Kiss keine Pflegeaufgaben übernimmt. «Und auch sonst wollen wir nicht bestehende ­Angebote ersetzen, sondern ­Lücken füllen», sagt Marion Pfister, Präsidentin von Kiss Fricktal.

Der Fokus liegt derzeit auf den Senioren

Das System funktioniert geldfrei: Die Freiwilligen können ihre eingesetzten Stunden gutschreiben und einlösen, wenn sie selber Hilfe benötigen. «Gebende und Nehmende bewegen sich auf ­Augenhöhe», so Pfister. «Es fällt den Menschen leichter, Hilfe anzunehmen, wenn sie wissen, dass das Gegenüber auch Hilfe erhält.» Pro Woche dürfen maximal sechs Stunden auf dem Kiss-Konto notiert werden.

Die ersten Planungen für Kiss Fricktal gehen auf das Jahr 2018 zurück. Letzten Frühling starteten dann die ersten öffentlichen Kiss-Kafis in Stein – und im September fand schliesslich die Gründungsfeier der Genossenschaft Kiss Fricktal statt. Die Entwicklung seither sei positiv, sagt Marion Pfister. Die monatlichen Kiss-Kafis – das nächste findet am 27. Februar in Stein statt – ­seien gut besucht. Hier treffen sich zumeist Senioren, wie Pfister sagt. «Wir haben den Fokus in der Aufbauphase bewusst auf ältere Menschen gelegt», so Pfister weiter. Die Kafis finden denn auch nachmittags statt.

Grundsätzlich stehe Kiss jedoch allen Altersgruppen offen. Dies zeigt sich auch bei den Mitgliedern. Mittlerweile umfasst Kiss Fricktal 68 Mitglieder unterschiedlichen Alters. «Etwa zwei Drittel der Mitglieder kommen dabei aus Stein, einige aus Mumpf, Rheinfelden oder Wallbach», so Pfister. Die Ausbreitung über die ganze Region sei gewünscht und nehme langsam Fahrt auf.

Derzeit ist die Kiss Fricktal daran, eine Person anzustellen, welche die Koordination der Freiwilligen übernimmt und bei der Bildung von Tandems zwischen Gebenden und Nehmenden hilft. Ziel sei es, jemanden aus der Genossenschaft zu finden, der diese Funktion übernimmt, so Pfister. Das gewährleiste, dass die Person Kiss Fricktal vorwärtsbringen wolle. Es handelt sich bei der Koordinatorin oder beim Koordinator um eine bezahlte Funktion. «Das bringt eine ­höhere Beständigkeit mit sich», sagt die Präsidentin. ­Derzeit laufen Bewer­bungs­gespräche.

Crowdfunding für den weiteren Aufbau geplant

Finanziell unterstützt wird Kiss Fricktal derzeit vom kantonalen Swisslos-Fonds, von der Raiffeisenbank und von den beiden Steiner Kirchgemeinden. Im Frühling planen die Fricktaler Kiss-Verantwortlichen zudem ein Crowdfunding auf der Plattform Lokalhelden. Die Einnahmen sollen für den weiteren Aufbau der Genossenschaft eingesetzt werden, wie Pfister sagt. Ebenfalls in Planung ist ein grosser Informationsanlass für Gemeinden, Kirchgemeinden und andere Organisationen.

Auch ohne die Koordinationsstelle ist es Kiss Fricktal bereits gelungen, zwei Tandems zu bilden. Ein Drittes ist auf bestem Weg. Unterstützung sei dabei unter anderem bei Problemen mit dem Handy oder beim Einkaufen geleistet worden, sagt Marion Pfister.

Wichtig bei den Tandems sei, dass nicht nur das Angebot und die Nachfrage an Hilfe übereinstimmen, sondern sich die beiden Personen auch sympathisch seien. «Es ist dann auch gut möglich, dass die Tandems mit der Zeit Felder ent­decken, in denen sie Hilfe brauchen oder Unterstützung geben können, von denen am Anfang nicht die Rede war.»

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Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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