Aarau/Frick

Wenn täglich Samstag ist: Busse fahren im Wochenendmodus

Roger Fricker am Steuer des Benken-Postautos.

Roger Fricker am Steuer des Benken-Postautos.

Roger Fricker fährt seit 31 Jahren auf der Benkenlinie zwischen Frick und Aarau. So leer wie aktuell war das Postauto noch selten.

Ein Absperrband markiert: bis hierher und nicht weiter. Auf der einen Seite des Bandes sitzen einige Passagiere; auf der anderen Roger Fricker, 52. Seit 31 Jahren fährt er auf der Benkenlinie zwischen Frick und Aarau. So leer wie derzeit sei er kaum je herumgefahren, erzählt der Buschauffeur und Gemeindeammann von Oberhof (SVP).

Die Schweiz im Lockdown hat auch seinen Alltag verändert. Seit Montag gilt auf der Linie über den Benken ein gelichteter Fahrplan. «Samstag plus» nennt ihn Fricker. Das Postauto fährt so wie an den Samstagen – mit zusätzlichen Kursen am Morgen und am Abend. «Mehr braucht es auch nicht», so Fricker. Denn ohne die Schüler und mit nur wenigen Pendlern sei es manchmal «schon recht einsam im Bus».

Diese Stille fährt ihm, dem Redseligen, der sonst mit jedem beim Einsteigen ein Wort wechselt, «schon etwas ein». Zum einen darf niemand mehr vorne einsteigen und es kommt sogar nicht mehr zu einem Grüss-Gott-­wie-geht-es-Small-Talk oder einem Aarau-einfach-macht-­fünf-Franken-Kurzdialog; der Billettverkauf im Bus ist eingestellt.

Zum anderen getrauen sich die wenigen Passagiere, die im Bus mitfahren, oft gar nicht, mit anderen, geschweige denn mit dem Abgesperrten, zu reden. Er lacht. «Manchmal redet es dann halt einfach mit mir los.» Manchmal erzählen ihm die Passagiere dann auch, wie es ihnen geht, was sie bewegt, weshalb sie mit Maske Postauto fahren.

Weniger Dienste, dafür mehr Arbeitstage

Trotz Samstagsfahrplan: Weniger zu tun, hat Fricker nicht und auch Kurzarbeit ist bei seiner Buslinie – sie wird von der Brem Carreisen GmbH im Auftrag von Postauto geführt – kein Thema. Denn zwar gibt es nun weniger Dienste pro Tag – 6 statt 10 –, aber dafür arbeiten die Chauffeure an mehr Tagen. Das hängt auch damit zusammen, dass mehrere Festangestellte nicht arbeiten dürfen. «Sie gehören zu den Risikopatienten und sind deshalb nicht im Dienst», sagt Fricker.

Er selber hat keine Angst vor einer Ansteckung. «Aber ich habe Respekt.» Er wasche sich viel häufiger die Hände als vor dem Coronaausbruch. Und natürlich streckt er sie auch niemandem mehr zur Begrüssung hin. «Am Anfang hatte ich damit meine liebe Mühe.»

Abends etwas eng

Die Einhalten der Zwei-Meter-­­Distanz im Bus lässt sich beim aktuellen Passagieraufkommen gut einhalten; einzig am Abend sei es am Anfang zwischen Frick und Gipf-Oberfrick etwas eng geworden. «Doch viele fahren inzwischen mit dem Velo an den Bahnhof.»

Fricker ist wichtig, dass sich die Passagiere an die Distanzregeln halten; er würde im Zweifelsfall auch einschreiten. An den Endstationen desinfiziert er regelmässig die Haltestellenknöpfe und Haltestangen. Auch das Cockpit wird gereinigt, bevor er das Fahrzeug abgibt. «Wir müssen alles tun, damit sich niemand ansteckt.»

Sein Coronatipp: «Das Lachen nicht verlieren», sagt er, lacht. Er könne sich an kleinen Dingen erfreuen, an der Sonne etwa. Und am Töfffahren. «Das lasse ich mir trotz Coronakrise nicht ganz nehmen.»

Das Coronavirus betrifft uns alle irgendwie. Die AZ beleuchtet in einer täglichen Serie den Alltag unterschiedlicher Menschen aus dem Aargau. Alle Texte finden Sie hier.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

Meistgesehen

Artboard 1