Wintereinbruch
Wenn Fricktaler unter die Flügel greifen: Die Nachfrage nach Vogelfutter steigt

Naturschützer empfehlen derzeit die Vogelfütterung. Die Läden im Fricktal verzeichnen eine erhöhte Nachfrage.

Nadine Böni
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Die Futterstelle sollte stets sauber gehalten werden, um die Verbreitung von Keimen zu verhindern.

Die Futterstelle sollte stets sauber gehalten werden, um die Verbreitung von Keimen zu verhindern.

Walter Schwager (6. Januar 2010

Die kalten Temperaturen und die geschlossene Schneedecke dieser Tage können manch einen Vogel an seine Grenzen bringen. Der eine oder andere Fricktaler scheint sich angesichts dieser Situation bereits entschlossen zu haben, den Vögeln unter die Flügel zu greifen: Die Nachfrage nach Vogelfutter und Futterstellen ist nämlich deutlich gestiegen. Das sagt etwa Ramona Cattaneo, Sprecherin von Landi Schweiz mit Filialen in Rheinfelden, Eiken und Gipf-Oberfrick. «Der Wintereinbruch war in den Läden spürbar. Die Nachfrage beispielsweise nach Freilandvogelfutter und Meisenknödel lag in den letzten Tagen gut einen Drittel über dem Vorjahr.»

Vereinzelt sei es gar zu Engpässen gekommen. «Kleinpackungen und Meisenknödel waren jedoch immer verfügbar und diese Woche werden die Gestelle wieder aufgefüllt», so Cattaneo. In diesen Zeiten ebenfalls wichtig zu erwähnen: Trotz des Lockdowns darf weiterhin ­Vogelfutter verkauft werden.

Fütterung kann Vögeln helfen zu überleben

Naturschützer halten die Fütterung angesichts der Witterungsbedingungen derzeit durchaus für sinnvoll. «Gerade Kleinvögel wie Meisen haben kaum Reserven», sagt Markus Kasper, Co-Präsident des Vereins Natur- und Vogelschutz Möhlin. «Das kann den einzelnen Vögeln tatsächlich helfen zu überleben», sagt auch Meinrad Bärtschi, Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Laufenburg. Allerdings, so mahnen die beiden Experten, gelte es bei der Fütterung einige Regeln einzuhalten, um die Vögel nicht unabsichtlich zu gefährden.

Oberstes Gebot ist die Hygiene. «Es gibt viele Krankheitserreger, die mit dem Kot übertragen werden», sagt Kasper. Empfohlen werden deshalb Futterhäuser mit schmalen Krippen oder säulenförmige Futterautomaten. Die Futterstelle, so Kasper, müsse ausserdem stets sauber gehalten werden. Und: «Wichtig ist auch, sie an einer geschützten und übersichtlichen Stelle anzubringen, damit die Vögel allfällige Gefahren erkennen können.»

Ein Naturerlebnis für Kinder

Auch für die Futterauswahl haben Markus Kasper und Meinrad Bärtschi einige Tipps. Klassische Körnermischungen mit Hanfsamen und Sonnenblumenkernen etwa seien geeignet, aber auch Haferflocken, getrocknete Weinbeeren oder gehackte Äpfel. Die Fütterung kann dabei nicht nur den Vögeln helfen. «Sie eignet sich auch hervorragend, um Kindern ein Naturerlebnis zu bieten und mit ihnen etwa die verschiedenen Vogelarten kennen zu lernen», sagt Bärtschi. Und auch Kasper spricht von einem «didaktischen Aspekt». Er weiss, wovon er spricht: «Als Kind habe ich die Futterstelle vor unserem Fenster beobachtet und darüber Buch geführt, welche Vögel vorbeikamen.» Die Vogelfütterung könne also gut genutzt werden, um Kinder für Natur- und Vogelschutz zu sensibilisieren.

Beide Experten sind sich allerdings einig: Die Winterfütterung kann den Vögeln zwar helfen, kalte Tage zu überstehen – das langfristige Überleben einer Art aber ist damit nicht gesichert. «Dafür braucht es vielmehr naturnah gestaltete Gärten, die den Vögeln ein ausreichendes Futterangebot bieten. Gerade auch im Sommer, wenn sie die Jungvögel aufziehen», sagt Bärtschi.