Das wachsende Problem des zunehmenden Verkehrs im Fricktal ist allgegenwärtig. Es droht ein Verkehrskollaps, vor allem dann, wenn sich im Sisslerfeld weitere Firmen ansiedeln und die Pendlerströme zunehmen. Die kantonale Verkehrspolitik soll, um dem gegenzusteuern, mit einem funktionierenden Gesamtverkehrssystem das künftige Mobilitätsbedürfnis von Bevölkerung und Wirtschaft abdecken.

Im Anschluss an die Generalversammlung der SVP Bezirk Rheinfelden, begrüsste SVP-Grossrätin Désirée Stutz am Freitagabend im Saalbau Stein FDP-Regierungsrat Stephan Attiger und SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht. Sie referierten zum Thema «Verkehrskollaps Fricktal».

Beat Käser, Gemeindeammann von Stein, gab eingangs der Veranstaltung einen realen Situationsbericht über die Verkehrssituation: «Jeden Tag, ausser am Wochenende, gibt es am späten Nachmittag Stau rund um Stein.» Stein sei damit aber nicht alleine, in Laufenburg und Rheinfelden sähe es nicht anders aus, berichtete Käser. Die Situation sei in Aarau bekannt, erläuterte der Gemeindeammann, aber der Kanton hätte wohl auch kein Patentrezept um dies zu ändern, sonst hätte er es längst mitgeteilt, so Käser. Auch die beiden Referenten hatten kein Patentrezept mitgebracht, wie dieses wichtige Thema, das viele bewegt, den Verkehr zum Stocken bringt und möglicherweise schon bald zum Verkehrskollaps führt, beseitigt werden kann. Im Gepäck hatten sie jedoch viele Erklärungen und Statistiken und sie zeigten Lösungsansätze auf. Klar wurde allerdings, dass das Problem nicht von heute auf morgen zu lösen ist und mit vielen Faktoren verknüpft ist.

Geld für Strassen beim öV einsetzen

Wohn- und Arbeitszonen seien Entwicklungsschwerpunkte, entsprechend müssten Verkehrswege koordiniert werden, erläuterte Stephan Attiger. «Es ist wichtig, zukünftig zu wissen, wo neue Arbeitsplätze entstehen, um entsprechend planen zu können», betonte der Regierungsrat. Fricktal Regio verfügt über eine sehr hohe Rate an baureifen Industrie- und Gewerbezonen. Ob die Verkehrspolitik dabei schnell mitziehen kann und damit ein Verkehrskollaps verhindert werden kann, wurde von Attiger nicht explizit thematisiert.

Hansjörg Knecht betonte: «Verantwortlich für ein immer höheres Verkehrsaufkommen sind das wirtschaftliche Wachstum und erhöhte Mobilitätswünsche im privaten Bereich.» Die zukünftige Entwicklung müsse rechtzeitig erkannt und danach gehandelt werden. Bisher sei man dem nicht nachgekommen, erklärte er. Mit dem Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds, kurz NAF, werde jedoch eine dafür nötige Finanzierung langfristig gesichert, um den Ausbau in ein leistungsfähiges Verkehrsnetz zu gewährleisten und um somit die wachsende Mobilität auf den Autobahnen und in den Städten zu bewältigen. Knecht führte an, dass Geldmittel für Strassen eventuell auch für den öV eingesetzt werden sollten. Hansjörg Knecht argumentierte aber auch: «Der öV ist keine Wunderwaffe, um den Verkehr auf der Strasse zu entlasten.» Stephan Attiger votierte seinerseits unter anderem auch für den Ausbau des öVs.

Die Mobilität wird anders werden

Er sagte: «Mit dem öV können Pendlerströme auf wenig Raum am besten abgewickelt werden.» Attiger erklärte weiter: «Mobilität wird nicht abnehmen, sondern anders werden.» Dabei sollte es keinen Unterschied zwischen öV und PKW-Verkehr geben, beides sollte miteinander verbunden werden. Entscheidend sei ein weiter ausgebautes und aufeinander abgestimmtes Verkehrsnetz. Als unerlässlich bezeichnete Attiger den Dialog über die Grenze ins Deutsche, denn mit ein Problem sei die grenzüberschreitende Mobilität. «Die Grenzen müssen aufgebrochen werden, das müssen wir zusammen mit Deutschland angehen.»

Auf die Frage aus dem Publikum nach weiteren Autobahn-Ein- und -Ausfahrten im Fricktal erteilte Attiger ein klares Nein. Er sagte dazu: «Wir müssen die Kantonalstrassen so gestalten, dass bestehende Autobahn-Ein- und Ausfahrten ausreichen.»