Ueken
Weltpresse feiert Schatz von Ueken – kommen jetzt die Hobby-Schatzjäger?

Ob Neuseeland, Grossbritannien, Japan, Indien oder Kanada: Der Münzfund von Ueken interessiert die ganze Welt und regt die Fantasie an. Das grosse, globale Medieninteresse hat aber auch seine Schattenseiten und sorgt für Ärger.

Jörg Meier
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Schatz von Ueken macht internationale Schlagzeilen
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So berichtete Radio New Zealand
...und so der indische «Afternoon»
... und so die Toronto Sun

Schatz von Ueken macht internationale Schlagzeilen

KEYSTONE

Der spektakuläre Fund des Münzschatzes im Fricktal hat einen ungeahnten Nebeneffekt: Er hat Ueken, den Aargau und das Vindonissa-Museum in der ganzen Welt bekannt gemacht. Bisher hat die Kantonsarchäologie Berichte von 149 verschiedenen Medien registriert, die alle den Fund des einzigartigen Schatzes thematisiert haben.

So konnten die Menschen in Jamaika genauso wie die Menschen in Japan oder in Indien sich darüber informieren, wie das war, als im Tausende von Kilometern entfernten Fricktal Alfred Loosli unter seinen Kirschbäumen die ersten Münzen gefunden hatte. Sie erfuhren, dass es den Aargau gibt und dass er ein Teil der Schweiz ist; und wer gar eine längere Textversion erwischte und die Schatzgeschichte zu Ende las, nahm auch zur Kenntnis, dass es in ebendiesem Aargau das Vindonissa-Museum gibt, wo der Schatz künftig zu sehen sein wird.

Finder erhält Belohnung

Kantonsarchäologe Georg Matter freut sich natürlich über die grosse Publizität, die der Schatz rund um den Globus ausgelöst hat; dass für einmal die Archäologie im Mittelpunkt des Interesses steht.

«Der Fund beweist: Archäologie bewegt die Menschen. Sie lassen sich begeistern, sind fasziniert von den Spuren, die unsere Vorfahren hinterlassen haben», sagt Matter.

Doch die weltumspannende Medienpräsenz hat auch ihre Schattenseiten. «Es ist unglaublich, wie viel dummes Zeug über den Schatz im Internet verbreitet wird», wundert sich Matter.

Irritiert haben ihn etwa die zahlreichen Kommentare, die heftig kritisieren, dass der ehrliche Finder des Schatzes, der 82-jährige Alfred Loosli, leer ausgehe.

«Das stimmt überhaupt nicht. Alfred Loosli erhält eine angemessene Entschädigung für seinen Fund. Das ist im Zivilgesetzbuch klar geregelt», hält Matter fest. Noch nicht definiert ist allerdings, was denn «angemessen» im Falle des Schatzes von Ueken bedeutet. Das Gesetz legt lediglich fest, dass die Belohnung den Wert des Schatzes nicht übersteigen darf.

Ein Landwirt entdeckte in Ueken AG im Boden zufällig ein paar Münzen. Der Fund führte die Archäologen zu über 4000 römischen Münzen. Erst rund 250 der insgesamt 4166 Münzen sind restauriert. Sie sind in einem bemerkenswert guten Erhaltungszustand.
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Restaurierung einer Münze unter dem Binokular.
Teile des Münzschatzes von Ueken bei der Entdeckung. Mindestens ein Teil der Münzen wurde offenbar in Säcken aus Stoff oder Leder in der Erde vergraben.
Ein kleiner Teil des Münzschatzes von Ueken in unrestauriertem Zustand.
Münzschatz im Ueken AG entdeckt

Ein Landwirt entdeckte in Ueken AG im Boden zufällig ein paar Münzen. Der Fund führte die Archäologen zu über 4000 römischen Münzen. Erst rund 250 der insgesamt 4166 Münzen sind restauriert. Sie sind in einem bemerkenswert guten Erhaltungszustand.

Handout Kantonsarchäologie Aargau

Doch wie hoch ist der Wert? «Kommt drauf an», sagt Matter, «ob man den aktuellen Marktwert nimmt, den blossen Materialwert oder den wissenschaftlichen Wert. Das wird noch zu ermitteln sein.» Fest stehe, dass Loosli nicht leer ausgehen werde.

Die Publizität könnte auch Hobby-Schatzsucher anlocken, die, ausgerüstet mit Metalldetektoren, auf eigene Faust das Fricktal unsicher machen. «Das ist äusserst unangenehm, aber fast nicht zu verhindern», sagt Matter.

Schatz bleibt im Aargau

Als reine journalistische Spekulation bezeichnete Matter das Gerücht, der Kanton Basel-Landschaft könnte allenfalls Anspruch auf den Schatz erheben. Solche Ideen seien «hanebüchen» und entbehrten jeglicher Grundlage. Entscheidend sei einzig, was das Gesetz dazu sage. Und da ist seit 1912 im Zivilgesetzbuch festgeschrieben: Was im Boden gefunden wird, gehört dem Kanton, auf dessen Grund und Boden der Fund gemacht wurde. Ob der Fundort im Einzugsgebiet der ehemaligen Römerstadt Augusta Raurica liege oder nicht, sei völlig irrelevant.

Der Schatz von Ueken bleibt also definitiv im Aargau. Die 4166 Münzen werden gereinigt, inventarisiert und restauriert; dann erst können sie wissenschaftlich präzis bestimmt und auch katalogisiert werden.

Man erwartet dadurch neue Erkenntnisse über Prägestätten, aber auch über das Münzwesen allgemein im untergehenden Römischen Reich. Ob allerdings je geklärt werden kann, wie die 4166 Münzen nach Ueken gekommen sind und warum sie vergraben wurden, muss bezweifelt werden.

Der Schatz kommt ins Vindonissa-Museum nach Brugg; Kantonsarchäologe Georg Matter kann sich aber gut vorstellen, dass die Münzen von Ueken zum Thema einer Wanderausstellung werden und dereinst auch in anderen Museen zu bestaunen sein werden.

So berichtete die Weltpresse:

The Guardian

BBC

Radio New Zealand News

Afternoon Courier (Indien)

Toronto Sun

The Time