Engpass

Wegen Corona ist die Nachfrage riesig: In Fricktal warten die Praxen auf den Grippe-Impfstoff

Wer sich gegen die Grippe impfen möchte, muss noch warten. Es gibt Lieferprobleme. (Symbolbild)

Wer sich gegen die Grippe impfen möchte, muss noch warten. Es gibt Lieferprobleme. (Symbolbild)

Die Fricktaler Ärzte und Apotheken rechnen mit mehr Grippe-Impfwilligen. Leider gibt es aber Lieferschwierigkeiten.

Viele Fricktaler Ärzte und Apotheker haben ihre Impfdosen gegen die Grippe schon im Frühjahr bestellt. Jetzt zeigt sich: Wer damals, am Anfang von Corona, weitsichtig war, wird jetzt belohnt. Doch auch so könnte es in der Impfsaison 2020/21 eng werden.

«Ich habe im Frühjahr 350 Dosen bestellt, mehr als normal», berichtet Andreas Berzins, Hausarzt in Rheinfelden. Doch der Impfstoff sei noch nicht geliefert. Bis Mitte Oktober werde es noch dauern, sagt der Mediziner. «Wir haben auch schon sehr viele Reservationen dafür.» Überwiegend Männer und Frauen ab 65 verlangten danach. Denen empfiehlt der Arzt auch den Pikser in den Oberarm ebenso wie weiteren Corona-Risikogruppen wie Lungenkranken oder Asthmatikern.

Bestellung im Frühjahr ­aufgestockt

Voraussichtlich erst ab 10. November trifft der Impfstoff bei Beat Rickenbacher, Allgemeinmediziner in Rheinfelden, ein. Auch er berichtet von Lieferproblemen. «Ich habe meine diesjährige Bestellung etwas aufgestockt, soweit das der Markt hergegeben hat», sagt er. Seiner Erfahrung nach interessieren sich jetzt neben der üblichen, älteren Impf-Klientel auch Patienten, «für die das bisher nie in Frage gekommen ist» für eine Grippeimpfung.

Hintergrund seien Corona und die Befürchtung, dass sich zu einer Covid-19-Infektion auch noch eine gewöhnliche Grippe hinzugeselle. Diese Gefahr könnte durch eine Grippeimpfung verhindert werden. «Mit der Grippeimpfung kann das Risiko einer Doppelinfektion mit ungewissem Verlauf zumindest gesenkt werden, was sicherlich begrüssenswert ist», bewertet das Gesundheitszentrum Fricktal die aktuelle Lage, verweist aber auch auf die geringen Erfahrungswerte bisher mit Patienten, die gleichzeitig beide Krankheiten aufweisen.

«Das GZF geht davon aus, dass «die Pandemie allenfalls mehr Menschen für eine Grippeimpfung sensibilisiert.» Es könnten diese Saison also mehr werden. Doch mit einem Run auf die Impfung rechnet Rickenbacher nicht. So mancher denke, dass ihn das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auch vor der Infektion durch Grippe-Viren schützen kann. So werde eine zusätzliche Impfung als unnötig empfunden.

Impfen ist auch in der Apotheke möglich

Rickenbacher impft nicht nur in der eigenen Praxis, sondern auch in der Kapuziner Apotheke in Rheinfelden. Deren Inhaberin Katrin Ellgehausen arbeitet mit dem Mediziner zusammen, der im selben Haus praktiziert. Sie sagt: «Der Impfstoff wird dieses Jahr ganz sicher knapp werden.» Die Apothekerin: «Unsere Lieferfirma hat uns vertröstet und auf eine Warteliste gesetzt, was noch nie der Fall war.»

Auch Ellgehausen rechnet mit einer Zunahme der Impfwilligen. Und damit, dass sich die Impfsaison 2020 wohl länger hinziehen wird als in den «normalen» Jahren davor. Noch ganz überrascht ist sie von der Aussicht, dass ab Oktober Apotheker im Aargau auch ohne einen Arzt impfen dürfen.

Meistgesehen

Artboard 1