Zeihen
Warum die Esel Florian und Klara zur Familie gehören

Die beiden Esel Florian und Klara gehören seit vielen Jahren zur Familie Boss. Im Gegensatz zu einem Pferd sieht der Esel den Menschen nicht als Chef, sondern als gleichberechtigten Partner. Wenn man ihn unter Druck setzt, macht er gar nichts.

Karin Pfister
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Spass im Schneegestöber: Patricia Boss hält die beiden Esel, Malin reitet auf Klara. kpf

Spass im Schneegestöber: Patricia Boss hält die beiden Esel, Malin reitet auf Klara. kpf

Wer zwischen Zeihen und Oberzeihen einen Esel antrifft, darf davon ausgehen, dass es sich um Florian handelt. Florian wohnt bei der Familie Boss im Schlatthübel, und obwohl er sich dort wohl fühlt, büxt er regelmässig aus. «Wir wissen nicht genau, wie er es macht. Der Hag ist mit Strom gesichert», erzählt Tochter Patricia Boss. «Er findet immer irgendeine Lücke, immer wieder eine andere», ergänzt Vater Jürg Boss. In Zeihen weiss man, wem der Esel auf Wanderschaft gehört. Und es kommt vor, dass die Leute Florian selbstständig auf seine Weide zurückbringen und Familie Boss erst später erfährt, dass er mal wieder in Oberzeihen unterwegs war.

Jürg Boss fand Esel schon immer faszinierend. «Sie sind störrisch und trotzdem nicht störrisch. Im Gegensatz zu einem Pferd sieht der Esel den Menschen nicht als Chef, sondern als gleichberechtigten Partner. Wenn man ihn unter Druck setzt, macht er gar nichts», erklärt Jürg Boss.

Rund 15 junge Esel

Klara gehört seit Anfang an mit zur Familie. Jürg Boss und seine inzwischen verstorbene Frau Franziska kauften sie nach der Geburt ihrer ältesten Tochter Patricia vor 22 Jahren. Einige Jahre lang lebte Klara zusammen mit Schafen auf dem Grundstück. «Wir haben dann die Schafhaltung aufgegeben, da wir mit ihnen nicht so viel anfangen konnten. Schafe sind viel zu schüchtern.»

Seither wohnt Klara mit Florian zusammen im Stall: «Ein Bekannter aus Zeihen bekam Florian zu seinem 50. Geburtstag geschenkt. Da er wenig Zeit hatte, um sich um ihn zu kümmern, hat er ihn mir praktisch auf die Weide gestellt mit der Begründung: Du hast ja schon einen Esel, da kannst du diesen auch noch nehmen», erzählt Jürg Boss lachend.

Die Verbindung war fruchtbar. Rund 15 junge Esel sind auf dem Schlatthübel zur Welt gekommen. «Wir haben irgendwann aufgehört zu zählen», so Patricia Boss. Behalten konnte man die jungen Esel aber nicht. «Für mich war es wichtig, dass sie an einen guten Ort kommen, zum Beispiel auf einen Bauernhof, wo sie mit andern Tieren zusammen sein können», so Jürg Boss.

Mit dem Samichlaus unterwegs

Patricia Boss und ihre beiden jüngeren Brüder, Marco und Diego, sind quasi zusammen mit Florian und Klara aufgewachsen. «Wir haben viel mit ihnen unternommen. Im Winter haben wir jeweils einen Schlitten angehängt und im Sommer haben wir Ausritte oder Spaziergänge gemacht», erinnert sich Patricia. «Klara ist fast noch störrischer als Florian und Florian hat es faustdick hinter den Ohren, aber beide Esel sind sehr sehr kinderlieb», beschreibt Jürg Boss die beiden Tiere.

Seit aus den Kindern Erwachsene geworden sind, sind die Esel tagsüber alleine zu Hause. Vom Stall aus haben sie sommers wie winters direkten Zugang zu einer grossen Weide. «Sie sind sehr selbstständig. Im Winter füttern wir sie jeweils zusätzlich mit Heu.» Regelmässig – manchmal zwei- bis dreimal pro Tag – erhalten Florian und Klara Besuch von Nachbar Köbi Rügge. «Er ist pensioniert und bringt ihnen jeweils Äpfel oder schaut, ob alles in Ordnung ist», so Jürg Boss. Überhaupt seien die Esel gut akzeptiert in der Nachbarschaft. «Es hat sich noch nie jemand beschwert wegen eines zu lauten I-aah». Auch die Zeiher Kinder freuen sich über Florian und Klara, die immer Anfang Dezember mit dem Samichlaus beim Holzschopf in Oberzeihen unterwegs sind.

Esel bleiben noch ein paar Jahre

Esel werden rund 40 bis 45 Jahre alt. «Klara und Florian werden noch einige Zeit bei uns bleiben und sollen es schön haben», so Jürg Boss. Wer die Esel gerne besuchen möchte, spaziert am besten auf dem Schlatthübel vorbei und hofft, dass sie gerade draussen sind, oder wartet an der Strasse Richtung Oberzeihen. Eher früher als später wird Florian vorbeitrotten.