Kreisschule Thierstein
Vorgelegte Pläne seien ungenügend: Schule erhält keine Ausnahmebewilligung

Der Kanton taxiert die vorgelegten Pläne für die angedachte Kreisschule Thierstein als ungenügend – lässt aber ein Hintertürchen offen.

Nadine Böni
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Der Kanton erteilt der Oberstufe Wegenstetten vorerst keine weitere Ausnahmebewilligung.

Der Kanton erteilt der Oberstufe Wegenstetten vorerst keine weitere Ausnahmebewilligung.

Claudio Thoma (21. November 2018

Wäre es ein Pferderennen, es würde jetzt wohl kaum mehr jemand auf das Pferd mit dem Namen «Kreisschule Thierstein» wetten. Es handelt sich dabei um den angedachten Zusammenschluss der beiden Oberstufenschulen Wegenstetten und Gipf-Oberfrick (die AZ berichtete).

Am Freitag gab der Kanton diesbezüglich einen wichtigen Entscheid bekannt – nämlich, dass er die Ausnahmebewilligung für den Sekundarschulstandort in Wegenstetten nicht verlängert. Diese hatten die Talgemeinden beantragt, um weiter an der Lösung mit Gipf-Oberfrick arbeiten zu können und dazu einen politischen Prozess zu ermöglichen.

Der Kanton allerdings sieht für die Kreisschule Thierstein unter den bisher bekannten Rahmenbedingungen keine ­Zukunft. Im Gegenteil: Er bemängelt die angedachten Vertragsbedingungen und die aufgezeigte Ressourcenplanung als «ungenügend».

«Der vorgesehene Aussenstandort Wegenstetten hätte aufgrund der für sich alleine zu geringen Schülerzahlen nicht die Grösse, um das vom Gesetzgeber geforderte Bildungs- und Förderangebot zuverlässig bereitzustellen und das Recht auf gleiche Bildungsmöglichkeiten zu gewährleisten», heisst es in der Mitteilung des Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS).

Ein Schüleraustausch ist «zwingend notwendig»

Um an einer Kreisschule Thierstein den Bildungsauftrag vollumfänglich zu erfüllen, wäre gemäss BKS eine «angemessene Verteilung des gesamten Ressourcenkontingents beziehungsweise ein Schüleraustausch zwischen den geplan- ten Standorten Gipf-Oberfrick und Wegenstetten zwingend notwendig». Das aber ist genau das, was die Gemeinderäte und Schulverantwortlichen sowohl im Wegenstetter- als auch im Benkental nicht wollten.

Für Wegenstetten, Hellikon, Zeiningen und Zuzgen ist der Entscheid des Kantons denn auch ein Rückschlag. Entsprechend enttäuscht zeigt sich der Wegenstetter Gemeindeammann Felix Wendelspiess. Er betont aber auch: «Es ist klar, dass sich der Regierungsrat nicht über die geltenden gesetzlichen Bestimmungen hinweg setzen kann.» Die Hoffnung für den Schulstandort aber hat Wendelspiess noch nicht aufgegeben.

Die letzte Frist läuft bis zum 15. Dezember

Denn der Kanton lässt ein Hintertürchen offen. Sollten nämlich alle involvierten Gemeinderäte dem BKS die Bereitschaft bestätigen, eine Kreisschule Thierstein anzustreben, welche «mit einem Schüleraustausch und/oder einer angemessenen Verteilung der Lektionen die Erfüllung des verfassungsmäs- sigen Auftrags gewährleistet», würde eine Weiterführung der Sekundarschule in Wegenstetten für das Schuljahr 2021/22 gewährt, heisst es weiter.

Bis zum 15. Dezember gibt der Kanton dafür Zeit. Beinhalten muss die Erklärung auch die Zusage, dass spätestens an der Gemeindeversammlungen im Sommer 2021 über die Kreisschule Thierstein abgestimmt wird. Sollte die Erklärung nicht bis Mitte Dezember vorliegen, werden die Schüler aus dem Wegenstettertal ab Sommer die Oberstufe in Möhlin besuchen.

Die Gemeinderäte von Gipf-Oberfrick, Wittnau, Oberhof und Wölflinswil – diese Gemeinden sind an der Oberstufe Gipf-Oberfrick beteiligt – sowie Wegenstetten, Hellikon, Zeiningen und Zuzgen werden nun in den kommenden Tagen das weitere Vorgehen besprechen. Zunächst im Kreis der Räte, dann wohl auch untereinander. Das ist aus mehreren Gemeinden so zu vernehmen.

Felix Wendelspiess geht davon aus, dass die Gemeinderäte im Wegenstettertal weiterhin geschlossen hinter dem Projekt stehen. Fragezeichen gibt es hingegen gerade in Gipf-Oberfrick und Wittnau, wo das Vorhaben in den vergangenen Wochen nicht unbestritten war. «Es gilt, die verschiedenen Aspek- te zu berücksichtigen und dann einen gemeinsamen Entscheid zu fällen», sagt Regine Leutwyler, Gemeindeammann von Gipf-Oberfrick.