Kaiseraugst

Ungewissheit nach Migros-Auszug: Gewerbetreibende äussern sich

Für Marco Brüderli, der als Mitglied der Geschäftsleitung der Brüderli Gastronomie das Liebrüti-Restaurant betreibt, ist die Kündigung der Migros-Filiale ein zweischneidiges Schwert.

Nach dem Migros-Auszug aus dem Zentrum Liebrüti befürchten ansässige Gewerbler weniger Einnahmen.

Gestern machte die AZ publik, dass die Migros Aare ihren Mietvertrag im Einkaufscenter Liebrüti in Kaiseraugst auf Ende Juni 2020 gekündigt hat. Unklar ist noch, wann die rund 1000 Quadratmeter grosse Migros-Filiale in der Grossüberbauung schliesst. Der Wegzug des Ankermieters ist auch Gesprächsthema bei den Gewerbetreibenden, die im selben Gebäude domiziliert sind.

«Durch den Auszug der Migros-Filiale wird das Einkaufscenter an Attraktivität verlieren», sagt Marco Brüderli, der als Mitglied der Geschäftsleitung der Brüderli Gastronomie das Liebrüti-Restaurant im Erdgeschoss betreibt. Natürlich gebe es den einen oder anderen, der nach dem Einkauf in der Migros-Filiale schnell einen Kaffee trinken oder etwas essen würde. «Diese Kunden werden nun wegfallen», sagt er. Insgesamt rechnet Brüderli aufgrund des Migros-Wegzugs jedoch mit keinem allzu grossen Kunden-Rückgang. «Wir haben viele Stammkunden, die in der Liebrüti-Überbauung wohnen.»

Potenzielle Konkurrenz ist weg

Verhehlen kann Brüderli nicht, dass der Wegzug der Migros-Filiale auch etwas Positives hat. So bestünde nun nicht mehr die Gefahr, dass Migros die in die Jahre gekommene Filiale modernisiere und mit einem Restaurant oder Take-away-Shop ausstatte. «Das wäre natürlich starke Konkurrenz vor der eigenen Haustüre», so Brüderli.

Nichts Positives am Auszug der Migros-Filiale findet hingegen Caroline Eigenmann, Apothekerin in der Lindenapotheke Liebrüti. «Es gibt einige Kunden, die den Einkauf in der Migros-Filiale mit einem Besuch in der Apotheke verbinden, gerade um Alltags-Arzneien zu kaufen», sagt sie. Eigenmann hofft deswegen, dass die Liegenschafts-Betreiberin Varioserv AG wieder einen ähnlich attraktiven Nachmieter findet.

Keinen Umsatzverlust befürchtet hingegen Pino Molle, Geschäftsinhaber des gleichnamigen Coiffure-Salons. «Zwar verbinden viele unserer Kunden den Coiffure-Besuch mit dem Einkauf, weil wir jedoch viele Stammkunden haben, die in der Überbauung Liebrüti oder der Umgebung wohnen, werden sie trotzdem weiterhin kommen», sagt Molle. Zudem bestünde für die Kunden ja noch die Möglichkeit, in der sich im Liebrüti-Zentrum befindlichen Denner-Filiale ihre Einkäufe zu erledigen.

Anea Rexhep, die gerade mit einer vollen Einkaufstasche die Migros-Filiale verlässt, sieht dies anders. Zwar sei der Weg für sie zur Denner-Filiale etwas kürzer als zum Coop-Supermarkt, trotzdem ziehe sie es in Zukunft vor, ihre Einkäufe dort zu erledigen, «denn im Coop-Supermarkt gibt es eine grössere Auswahl», sagt sie.

Absagen schmälern Umsatz

Während sich die Effekte des Auszugs der Migros-Filiale auf das Liebrüti-Restaurant frühestens in einigen Monaten zeigen werden, hat die Ungewissheit über den Baustart des «Domus»-Wohnturms – das Projekt wird derzeit überarbeitet – bereits jetzt negative Auswirkungen auf das Geschäft. «Die Liebrüti-Betreiberin hat uns Ende des letzten Jahres mitgeteilt, dass wir den grossen Saal, der Platz für bis zu 300 Personen bietet, ab Ende Juni nicht mehr bewirtschaften dürfen», sagt Brüderli. Auf Anfrage habe die Liegenschafts-Betreiberin kürzlich gesagt, dass man den Saal bis September nutzen könne. Trotzdem habe man schon einige Reservierungsanfragen für Veranstaltungen – viele auch für Weihnachtsfeiern – absagen müssen. «Das ist natürlich ärgerlich, wenn man eine Reservierung aufgrund eines eventuellen Baubeginns nicht annehmen kann, sich aber der Baubeginn dann doch wieder nach hinten verschiebt», so Brüderli.

Verwandte Themen:

Autor

Dennis Kalt

Meistgesehen

Artboard 1