Möhlin
Trüffelpapst schlägt Alarm: Sammler hinterlassen bei der Pilzsuche ein Chaos im Wald

Der Aargauer «Trüffelpapst» Zoran Martinovic aus Möhlin sorgt sich um die leckeren Pilze: Immer mehr Sammler suchen die Wälder nach ihnen ab – und hinterlassen bei der Suche nach Trüffeln ein Chaos.

Nadine Böni
Drucken
Teilen
Trüffelpapst Zoran Martinovic mit Bucko, einem seiner drei Trüffelhunde.

Trüffelpapst Zoran Martinovic mit Bucko, einem seiner drei Trüffelhunde.

Nadine Böni

«Trüffelpapst»? Zoran Martinovic schmunzelt, als er den Begriff hört, den so manch ein Kollege für ihn benutzt. Der Möhliner zuckt mit den Schultern. «Na ja, ich weiss halt tatsächlich ziemlich viel über Trüffel.» Das ist untertrieben, Martinovic könnte mit seinem Wissen über die Pilzknollen wohl ein ganzes Buch füllen. Er sei in einer Familie mit vielen Jägern grossgeworden, erzählt der 62-Jährige. Die Faszination für den Wald und seine Lebewesen habe ihn schon als Kind gepackt – und nie mehr losgelassen. Das Handwerk des «Trüffelns» hat er noch im ehemaligen Jugoslawien von seinem Grossvater gelernt. «Ich bin ein Waldmensch. In der Natur fühle ich mich viel wohler als in der Stadt.»

1990 kam Martinovic in die Schweiz – sein Hobby ist ihm geblieben, denn er sagt: «Auch in der Schweiz gibt es wunderbare Trüffel.» Erzählt er von seinen Streifzügen durch die Wälder der Schweiz gemeinsam mit seinen Hunden Bucko, Peggy und Snoopy, gerät er ins Schwärmen. «Noch immer lerne ich jedes Mal etwas dazu», sagt er. Nur: Derzeit bereitet ihm das Suchen mehr Sorgen als Freude.

«Als ich damals in die Schweiz kam, gab es hier nur wenige Sammler», sagt er. Heute, so schätzt er, seien es «wohl einige tausend». Und nicht alle wüssten, wie sie mit den Trüffeln und vor allem ihren Fundstellen umgehen sollten. Martinovic sagt: «Viele Sammler zerstören aus Unachtsamkeit oder Gier gute Plätze.»

«Reich wird man mit Trüffeln nicht»

Erst vor einigen Wochen traf er an einer Fundstelle «eine regelrechte Kraterlandschaft» an, wie er erzählt. «Es macht mir weh, so etwas zu sehen.» Dabei, das betont er, gehe es ihm nicht darum, dass er selbst weniger Trüffel finde und schon gar nicht um allfällige Verkaufserlöse. «Der Verkauf von Trüffeln ist ohnehin weit weniger rentabel als viele meinen. Reich wird man damit nicht», sagt er. Vielmehr will er davor warnen, dass Natur und Trüffel langfristig Schaden nehmen könnten.

Er setzt sich deshalb für ein nachhaltiges Trüffeln ein. So sei es besonders wichtig, die Hunde nicht zu lange nach den Trüffeln graben zu lassen. «Es reicht, wenn mir der Hund anzeigt, wo er einen Trüffel gefunden hat. Dann kann ich die Knolle selbst mit der nötigen Vorsicht aus der Erde nehmen», erklärt er. Dabei muss beachtet werden, dass Sporen im Erdreich verbleiben.

Nur so kann der Trüffel wieder nachwachsen. Nach dem Ausgraben der Knolle sollte die Fundstelle ausserdem wieder mit Erde zugeschüttet werden, um die Sporen vor Witterungseinwirkungen zu schützen. Direkte Sonneneinstrahlung oder Frost etwa können ihnen schaden. «Pflegt man eine Fundstelle richtig, kann man dort jedes Jahr wieder neue Trüffel finden», sagt Martinovic. «Alleine das sollte doch genug Motivation sein, es richtig zu machen.»

Er will mit seinen Enkeln auch noch Trüffel finden

Der Trüffelpapst ist der Meinung, dass in der Schweiz nicht nur Kurse zur Ausbildung der Hunde angeboten werden sollten – sondern vermehrt auch solche zum nachhaltigen Trüffeln, womöglich samt Prüfung. «Wer in der Schweiz fischen möchte, muss schliesslich auch ein Patent machen», sagt er. Und: In Frankreich und Italien beispielsweise gebe es das schon.

So, glaubt er, könnte eine funktionierende Symbiose zwischen Sammlern und Pilzen entstehen, die auch ein langfristiges Überleben der Trüffel sichert. Vor einigen Wochen wurde Zoran Martinovic selbst zum ersten Mal Grossvater. Der Trüffelpapst wäre glücklich, könnte er dereinst auch mit der Enkeltochter durch die Schweizer Wälder streifen und ihr beibringen, wo sich die Trüffel verstecken. Und auch, wie daraus unter anderem leckere Trüffelglace oder -butter wird.