Die Pfadi Thierstein in Stein hat viel Grund zur Freude. 58 Mitglieder zählt die Abteilung derzeit und hat damit ihre Mitgliederzahl seit 2015 fast verdoppeln können. Damals zählte die Abteilung noch 33 Mitglieder. «Die Mitgliederzahlen sind in der Pfadi zwar nach wie vor ein Thema. Sie entwickeln sich tendenziell aber positiv», sagt Samuel Steiner, Mediensprecher der Pfadi Aargau. So sind in den letzten drei Jahren nicht nur die Abteilungen im Fricktal gewachsen, sondern auch die Mitgliederzahlen im ganzen Kanton.

Das sind gute Neuigkeiten für die mit fast 44 000 Mitgliedern grösste Kinder- und Jugendorganisation der Schweiz. Waren doch die Mitgliederzahlen in den vergangenen Jahren teilweise so stark gesunken, dass einige Pfadi-Abteilungen gar von sich selber als einer «bedrohten Art» schrieben.

Sich einen Platz ergattern

Was aber hat zur Trendwende geführt? «Die Pfadi macht heute besser auf ihr Angebot aufmerksam als früher», sagt Steiner. Ein Mittel dabei ist der nationale Pfadi-Schnuppertag. Dieser soll die Organisation «in der Öffentlichkeit sichtbar machen», erklärt Steiner. Dieses Jahr findet der Schnuppertag am 25. März statt. Ziel ist es dann, neue Mitglieder zu gewinnen.

Dabei geht es auch darum, sich irgendwo zwischen Sport- und Musikvereinen, Computerspielen und Chillen wieder einen Platz im Interessensfeld der Jugendlichen zu ergattern. Eine Aufgabe, die auch Andreas Bürgi, Präsident des katholischen Jugendverbands Jungwacht Blauring (Jubla) Aargau, kennt. Es ist eine Aufgabe, die gelöst scheint: Auch die Jubla habe wieder einen konstanten Zuwachs an Mitgliedern zu verzeichnen, sagt Bürgi.

Die Jugendverbände haben dabei eine neue Zielgruppe entdeckt: Kinder mit Migrationshintergrund. «Wir suchen aktiv den Kontakt mit migrantischen Kulturvereinen und Asylinstitutionen und zeigen, dass die Pfadi für alle offen ist», sagt Samuel Steiner. Sowohl Jubla als auch Pfadi veröffentlichen mittlerweile Flyer in verschiedenen Fremdsprachen. «Es geht darum, uns und unser Angebot vorzustellen. Bei Fussball wissen alle, um was es geht – unter Jubla aber kann sich nicht jedermann etwas vorstellen», sagt Bürgi.

Freizeit ohne Leistungsdruck

Offenheit ist deshalb das Stichwort, wenn es um die Zukunft der Jugendverbände geht. Auch Yannik Müller von der kirchlichen Jugendseelsorge (Juseso) Fricktal nimmt es in den Mund. «In den letzten 30 Jahren sind mehr Möglichkeiten für die Freizeitgestaltung entstanden. Wir sind nur noch einer von vielen Playern», sagt er. Es gelte daher, sich zu öffnen – für die sich ständig wandelnden Bedürfnisse der Jugendlichen, aber auch gegenüber anderen Organisationen. «Jeder deckt seinen Bereich ab», sagt Müller, «Wichtig ist aber auch, diese Bereiche zu vernetzen.» Dann könne sich jede Organisation auf ihre Stärken besinnen und mehr sein, als nur eines von vielen Angeboten.

Wobei es Andreas Bürgi nicht verpasst, auf den Mehrwert von Jugendverbänden für die «heutige, doch leistungsorientierte Gesellschaft» hinzuweisen. Er spricht den Leistungsdruck an, der nicht nur im beruflichen Umfeld von Erwachsenen herrsche, sondern auch im Leben vieler Kinder – sei es in der Schule oder in der Freizeit.

«Wir bieten eine Lebensschule im spielerischen Lernfeld ohne diesen Druck», sagt Bürgi. «In der Jubla kann man nicht besser sein als jemand anders.» Übertrieben gesagt: Kinder in der Jubla müssen nicht wie Cristiano Ronaldo schiessen oder Wolfgang Amadeus Mozart komponieren können.