Seit dem 16. Jahrhundert wird der Brauch des Brunnensingens von der Sebastiani-Bruderschaft am Leben erhalten. Immer an Heiligabend und an Silvester ziehen die zwölf Brüder durch die Rheinfelder Altstadt und bitten mit ihrem Gesang um den Segen des namensgebenden heiligen Sebastian.

In der Dunkelheit ziehen die zwölf in schwarze Zylinder und Mäntel gewandeten Männer in Reih und Glied von Brunnen zu Brunnen, nachdem sie die Pest-Laterne in der Stadtkirche St. Martin abgeholt haben. Insgesamt sechs Brunnen suchen sie auf, bevor der einstündige Rundgang wieder an der Stadtkirche zur Mitternachtsmesse endet, an der die Sebastiani-Bruderschaft Rheinfelden traditionell teilnimmt. An Heiligabend singen sie das Weihnachtslied mit vier Strophen zur Geburt Christi und auch an Silvester singen die Brüder ein Lied mit der Frohen Botschaft von Jesu Geburt. An Silvester singen sie auf die gleiche Melodie das eine Strophe längere Neujahrslied.

Erinnerung an Pestzeiten

Zum Weihnachtsfest und am Jahresende machen die zwölf Brüder in der Altstadt, wo tagsüber noch buntes geschäftiges Treiben herrschte, die Erinnerung an die vergangenen Pestzeiten greifbar, zugleich erzählen sie aber auch die frohe Weihnachtsgeschichte. «Unsere Bruderschaft ist nach der Überlieferung 1541 gegründet worden. Wir haben keine Originaldokumente mehr, aber das wurde immer wieder abgeschrieben», erklärt Markus Klemm, der schon seit 1986 der Bruderschaft angehört, zwei Jahr lang als Ersatzmitglied, seit 1988 als Bruder. Seit 2007 ist der 70-Jährige auch das amtsälteste Mitglied der Bruderschaft, der Senior. Als Senior ist er für die Organisation der Prozessionen und die Vertretung nach aussen zuständig.

Die dunkle Kleidung der nach dem Schutzpatron der Pestkranken und Brunnen benannten Sebastiani-Bruderschaft ist Tradition, allerdings wurde sie im Laufe der Zeit modifiziert, erklärt Klemm. So sind die schwarzen Zylinder erst im 18. oder 19. Jahrhundert dazu gekommen. «Die Prozessionslaterne war, soweit überliefert, immer dabei. Das ist auch naheliegend bei kirchlichen Umzügen, da braucht es die Laterne für das Licht», führt Klemm aus. Die in der Stadtkirche gelagerte Laterne ist schon alt, Klemm schätzt mindestens 100 Jahre, aber die genaue Vorgeschichte ist nicht mehr bekannt.

Nachdem für Rheinfelden die Pest erstmals 1146 dokumentiert und die Zähringerstadt auch im 15. Jahrhundert wiederholt von der Pest heimgesucht worden war, entstand 1541 die Bruderschaft, die gelobte sich um die Opfer zu kümmern und die Toten zu begraben. «Der Ursprung des Brunnensingens geht zurück auf die mittelalterliche Vorstellung, dass die Pest durch Wasser aus den Brunnen übertragen werde», erklärt Klemm. Im Neujahrslied bitten die Sänger dann auch um den Schutz und Segen des Heiligen im neuen Jahr: «Wir wünschen Euch zum neuen Jahr; den heiligen Sebastian; dass er in Krieges-, Pest- und Todsgefahr; mit seiner Fürbitt uns wolle beistehn.»

An Heiligabend startet die Sebastiani-Bruderschaft ihren einstündigen Rundgang um 23 Uhr bei der Stadtkirche St. Martin. An Silvester beginnt der Rundgang um 21 Uhr an der Stadtkirche.