Tradition
Corona bremst den Fricktaler Brauchtums-Spass schon zum zweiten Mal aus

Ein Virus macht Fricktaler Traditionsanlässen einen Strich durch die Rechnung. Ewiger Winter wird durch die schon grossteils erfolgten Absagen der Oster- und Frühlingsevents zwar keiner herrschen. Doch die Enttäuschung dürfte allenthalben gross sein. Teils hoffen die Veranstalter noch – auf Lockerungen der Politik, die grössere Menschenansammlungen wieder möglich machen könnten.

Hans Christof Wagner
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Auch der Brunnen am Laufenburger Laufenplatz wird zu Ostern bunt dekoriert.

Auch der Brunnen am Laufenburger Laufenplatz wird zu Ostern bunt dekoriert.

Dieter Deiss (Laufenburg, 24. März 2018)

Eine Stadtführung entlang der mit Blumen, Pflanzen, Bändern und Eiern dekorierten Osterbrunnen will die Laufenburger Tourist Info am Ostersonntag, 4. April, anbieten. «Sofern wir dürfen», sagt Leiterin Andrea Baumann in der Hoffnung darauf, dass der Bundesrat am morgigen Freitag, 19. März, weitere Lockerungen im Hinblick auf Kulturanlässe verkündet. So oder so: Der von einem Kreis Laufenburger seit 2015 wieder praktizierte Brauch, die städtischen Brunnen aus Dankbarkeit für die Versorgung mit Wasser bunt zu dekorieren, lebt fort. Wie kreativ die Gruppe 2021 war, kann jeder unabhängig von Corona und der anberaumten Stadtführung individuell und auf eigene Faust entdecken.

Wegenstetter Eierlesen hätte am 11. April Auftakt gemacht

Das gilt für die Eierlesen in Wegenstetten, Oeschgen und Schupfart als Publikumsanlässe nicht. Schon im vergangenen Jahr der Pandemie zum Opfer gefallen, finden sie auch 2021 sämtlich nicht statt. Das Wegenstetter Eierlesen hätte am 11. April in der Mehrzweckhalle den Auftakt gebildet. «Abgesagt», wie Pia Schreiber, Präsidentin der Jugendförderung Turnen, bestätigt. Sie sagt:

«Selbst wenn bis dahin wieder Anlässe mit 150 Leuten erlaubt sein sollten, würde das nicht ausreichen. Mit allen Akteuren, Zuschauern und Gästen wären wir mehr.»
Am Eierlesen in Oeschgen duellieren sich Winter und Frühling.

Am Eierlesen in Oeschgen duellieren sich Winter und Frühling.

Bild: hcw (Oeschgen,
19. April 2015)

Beim Eierlesen in Oeschgen haben die sich bekämpfenden Winter- und Frühlingsfiguren wunderliche Namen: Straumutti, Jasskärteler, Bierdeckeler, Tannechriisler, Stächpälmler und Gmischter. Seit 1980, als Anlass durch den TV Oeschgen wiederbelebt, treiben sie nach Ostern ihren Schabernack in der Dorfmitte. «Und waren immer schon Publikumsmagnet», sagt TV-Präsidentin Jasmin Mahrer. Sie bedauert die Absage des für den 18. April geplanten Events sehr – nach 2020 das zweite Mal. Und kündet eine Alternative an:

«Womöglich machen wir im Herbst einen Anlass, um den Winter einzuläuten.»
Am Eierlesen in Wölflinswil tauchen die Sagengestalten des Dorfs auf.

Am Eierlesen in Wölflinswil tauchen die Sagengestalten des Dorfs auf.

Bild: Ingrid Arndt (Wölflinswil, 7. Mai 2017)

Zu- oder Absage? Noch nicht beantworten müssen diese Frage die Veranstalter der Eierlesen in Wölflinswil und Oberhof. Weil es in Wölflinswil für den 2. Mai geplant ist und in Oberhof für Auffahrt, 13. Mai, gibt es noch Hoffnung. «Ob es stattfindet oder nicht, werden wir Mitte April entscheiden», so der Wölflinswiler TV-Präsident Sven Egolf. Urs Lenzin, Präsident des Männerturnvereins Oberhof, nennt Anfang April als Zeitraum für den Entschluss.

In Wölflinswil ist der Brauch seit dem Jahr 1943 belegt

Auch im Benkental ist das Eierlesen ein Traditionsanlass. In Wölflinswil ist es seit 1943 belegt, war zwischenzeitlich eingeschlafen und wurde in den 1980er-Jahren wiederbelebt. Heute zeichnet der TV verantwortlich, unterstützt vom Damenturnverein, der mit Morgenbrunch und Eiertätsch-Beiz den Event bereichert. In Oberhof ist die Tradition laut Lenzin seit fast 40 Jahren wieder lebendig. Männer- und Frauenriege spannen dafür zusammen.