Gipf-Oberfrick
Tanja Primault zieht nach ihrem Abschied aus dem Grossen Rat Bilanz – es gab schwierige Momente

Am Dienstag hatte sie ihre letzte ­Plenumssitzung in Aarau und erfreute sich am unerwartet herzlichen Abschied. Nun freut sich Tanja Primault auf mehr Zeit mit der Familie.

Hans Christof Wagner
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Sek-Lehrerin Tanja Primault ist die Schulbildung immer ein Anliegen. (Archivbild)

Sek-Lehrerin Tanja Primault ist die Schulbildung immer ein Anliegen. (Archivbild)

Hans Christof Wagner

«Die Vorstellungen davon, was richtig und was gut ist, können oft weit auseinanderliegen.» Das sagt Tanja Primault. Das nimmt die 41-Jährige aus Gipf-Oberfrick nach acht Jahren im Grossen Rat als Maxime mit. Am Dienstag hatte sie ihre letzte ­Plenumssitzung in Aarau. Und sagt: «Ich war erstaunt, dass der Abschied so herzlich war. Das hätte ich nicht erwartet.»

2013 war die konstituierende Sitzung des Grossen Rats nicht schon im Januar wie jetzt, sondern erst im Frühjahr. «Am Schluss konnte ich es kaum mehr abwarten», erinnert sie sich. «Und als dann die Vereidigung kam mit dem Weibel in seiner Uniform, da spürte ich, dass das Amt mit Verantwortung verbunden ist.»

Und Verantwortung wollte Primault übernehmen, als sie sich 2012 zur Kandidatur auf der SVP-Liste entschlossen hatte. «Die SVP war immer meine Partei», sagt sie. Und das, obwohl der Vater in Gipf-Oberfrick zeitweise die CVP-Ortspartei präsidierte. «Ich habe im Vorfeld immer vieles kritisiert. Aber immer nur kritisieren geht ja nicht. Selbst aktiv zu werden, mitzugestalten, das hat mich angetrieben.» Als Lehrperson sei die ­Bildungskommission ihre erste Wahl gewesen.

Bildungspolitisch gab es in ihren beiden Legislaturen einige Weichenstellungen – die Einführung des Lehrplans 21, die neuen Führungsstrukturen. Für beides räumt sie ein: «Ja, dass beides kam, muss ich schon als Niederlage sehen.»

Gegen den eigenen ­Regierungsrat

Beim Lehrplan 21 gegen Alex Hürzeler, gegen den eigenen ­Regierungsrat, kämpfen zu müssen, habe sie enttäuscht. Auch für den Erhalt der Schulpflegen hat sie im Grossen Rat gestimmt – und auch da kam es nach dem Volksentscheid ­anders. Das neue Ressourcierungsmodell für die Aargauer Schulen ist für sie hingegen ein Erfolg. Auf die Frage nach dem grössten Erfolg ihrer acht Jahre in Aarau nennt sie aber kein bildungspolitisches Thema, sondern die Verschärfung der Einbürgerungspraxis. «Ich bin mit meiner Partei nicht zu 100 Prozent auf einer Linie», sagt die Frau, die Mitglied im Verein «Kein Atommüll im Bözberg» ist und zeitweise auch dessen Vorstand angehört hatte. Aber beim Ausländerrecht steht sie im SVP-Mainstream. Wobei: Als «extreme SVPlerin» habe sie sich nie gesehen und sei sie im Grossen Rat auch nie gesehen worden. Wenn sie als «ruhig und speditiv» bezeichnet wird, sind das Attribute, die für sie stimmen.

Fürs Fricktal über­ Parteigrenzen hinaus

«Persönliche Angriffe auf den politischen Gegner sind nicht meine Art», sagt sie. Und so habe sie solche in den acht Jahren auch nicht selbst erleben müssen. «Da hat mir meine eher sachliche Natur schon geholfen.» Mitunter hart in der Sache, aber menschlich stets fair und, wenn es ums Fricktal geht, einig über Parteigrenzen hinweg – so hat Tanja Primault die acht Jahre im Grossen Rat erlebt.

Nun ist sie nicht mehr angetreten, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Für die will die Ehefrau und Mutter da sein, die es gerne sähe, wenn die Politik das herkömmliche Familienbild stärker hochhalten würde. Die kein Problem damit hat, als konservativ zu gelten. Aus der Familie stammt auch Bruder Emanuel Suter, der die Schwester im Grossen Rat «beerbt». Dass ihm als Quereinsteiger auf Anhieb die Wahl glückte, freut Primault. Jetzt kann sie, der «alte Hase», ihm, dem Neuling, verraten, wie das Polit-Geschäft läuft. Doch sie sagt auch: «Der hat seinen eigenen Kopf, der lässt sich nicht reinreden.»