Frick
Surrealistische Gedichte von René Sommer jenseits der Alltagswirklichkeit

Vor kurzem hat der Schriftsteller und Dichter René Sommer seinen neusten Gedichtband «Chinesische Mauer trifft Wall Street» veröffentlicht. Mit seinen surrealistischen Wortspielen regt er die Leser zum Denken und Nachdenken an.

Claudia Senn
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René Sommer ist Leiter der Heilpädagogische Sonderschule in Frick - und leidenschaftlicher Dichter und Schriftsteller.

René Sommer ist Leiter der Heilpädagogische Sonderschule in Frick - und leidenschaftlicher Dichter und Schriftsteller.

Er ist ein wahrer Sprachvirtuose: Schriftsteller und Dichter René Sommer. Sein jüngst erschienener Gedichtband «Chinesische Mauer trifft Wall Street» ist bereits die zwanzigste Publikation in den noch nicht ganz zwanzig Jahren seines lyrischen Schaffens. Immer wieder schickt er einen neuen Helden auf Reisen, lässt ihn durch die Welt streifen und mit weit offenen Augen und ausufernden Wortspielereien erzählen, was ihm widerfährt. Der Protagonist in René Sommers neustem Werk heisst Johann Sebastian Huch. «Die Figur agiert parallel dazu in einem Roman, der aber nicht erscheint», erklärt der Dichter, «so kann sie sich entwickeln und erhält eine gewisse Eigendynamik.» Der sprachbesessene Held Huch nimmt den Leser mit auf seine Abenteuer im Kulturzentrum, im Urwald oder am Strand des Nebelmeers.

Im Laufe der Jahre sind René Sommers Figuren unabhängiger geworden, wie er sagt. «Sie erhalten mehr Raum, einen grösseren Horizont, als wir ihn von der Alltagswirklichkeit kennen», so der Dichter. Das Surreale fasziniert ihn, seine Wortspielereien regen Denkprozesse fernab unserer Gedankenautobahnen an - und sie sind durchaus gesellschaftskritisch. So beginnt das erste Gedicht wie folgt: «Johann Sebastian Huch steht vor dem Kulturzentrum. Am Eingang nennt ein Schild, was alles verboten ist. Rauchen, essen, Trainingshosen, Sonnenbrillen, offene Haare, kurze Kleidung, telefonieren. Er fragt sich: - Ist unser Hirn in Gefahr?»

Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller und Dichter leitet René Sommer die heilpädagogische Sonderschule in Frick. Es ist eine Aufgabe, die er sehr ernst nimmt und der er mit viel Engagement begegnet. «Jeder übernimmt seinen Auftrag im Kollektiv, und das ist auch sehr wichtig», sagt er mit Nachdruck, «bis zur Pensionierung sehe ich hier noch einige grosse Herausforderungen auf mich zukommen.» Dennoch freut er sich auf die Zeit, in der er sich in sein kleines Holzhaus am Waldrand im Jura zurückziehen und vollkommen auf seine Kunst konzentrieren kann.

Die Gedichte in René Sommers Gedichtbänden sind allesamt kleine Kunstwerke. Man kann sie immer und immer wieder lesen, es entstehen stets neue Bilder im Kopf. «Ein Buch existiert nicht wirklich, es entsteht mit der Phantasie der Leser. Das schönste Kompliment, das ich für meine Kunst erhalten kann, ist, dass meine Gedichte gelesen werden», meint der Dichter bescheiden. Besonders berührt hat ihn, als ein Lernender mit starker Leseschwäche seinen Gedichtband in einem halben Jahr zu Ende gelesen hatte. «Längere Worte mit vielen Buchstaben waren eine grosse Herausforderung für ihn - trotzdem hat er durchgehalten bis zum Schluss», erzählt René Sommer und lächelt, «die Gedichte haben ihm gefallen.» Ein tolles Kompliment für einen aussergewöhnlichen Wortkünstler.