Frick

Spiel, Satz, Sieg

Es ist geschafft: Erich Bürgi, Josef Bamert und Peter Müller (v.l.) im Juli 1967 auf dem eben fertiggestellten Tennisplatz im Stieracker in Frick.

Es ist geschafft: Erich Bürgi, Josef Bamert und Peter Müller (v.l.) im Juli 1967 auf dem eben fertiggestellten Tennisplatz im Stieracker in Frick.

Der Tennisclub Frick wird in diesem Jahr 50 – das Jubiläum steht für den Siegeszug des weissen Sports in der Region.

Es ist die Zeit, als die Australier Roy Emerson, Fred Stolle und Rod Laver die Götter in Weiss sind, nicht jene (All-)Mächtigen, die im Operationssaal gebrochene Glieder richten, sondern jene Göttergestalten, die auf dem Tennisplatz die weissen Bälle gekonnt über das Netz fliegen lassen.

Tennis ist hipp, damals, Mitte der 60er-Jahre, vor allem unter den Besserbetuchten. Die Sportart hat etwas Elitäres an sich, ja, man pflegt den Nimbus des Exklusiven ganz bewusst. Man ist wer, wenn man Tennis spielt – und lässt sich dies einiges kosten. «Einmalige Eintrittsgebühren» von mehreren Hundert Franken sind Usanz. Wartelisten unterstreichen die Bedeutung derer, die aufgenommen werden. «Die Wartelisten dienten als künstliche Hürde, um die Exklusivität aufrecht zu erhalten», weiss Massimo Fini, der den Tennisclub Frick (TCF) seit 18 Jahren präsidiert.

Es ist auch die Zeit, in der die Tenniswelt im Fricktal Einzug hält, die Zeit, in der die meisten Clubs und Tennisplätze im Fricktal entstehen. «Eine abenteuerliche Zeit», weiss Fini aus den Annalen.

1966. Sechs «Fricker Tennisbegeisterte», wie es in der Chronik des TCF heisst, schliessen sich zusammen, um einen Tennisclub zu gründen. «Mit Zuversicht und Optimismus nahm man Abschied von Jahre 1966», hält der erste Club-Chronist, der heutige Nationalrat Maximilian Reimann, fest. «Die weissen Bälle flogen schon saftig in den Köpfen der Initianten umher. Die Frage konnte nur noch lauten: Wann werden sie auch auf dem Centre-Court im Stieracker zu fliegen beginnen?»

Am 26. Juli 1967. Der TCF konnte die beiden Plätze im Stieracker in Betrieb nehmen – ohne Clubhaus, ohne WC (was besonders den Damen im Club missfiel), aber immerhin mit Freiluftdusche und später einem Wohnwagen als Clublokal. Und mit viel Enthusiasmus. «Erstmals in der Geschichte der Menschheit betreten frischgebackene Fricker Tennisspieler aus Frick auf Fricker Erde einen Tennisplatz», hält Reimann den «historischen Moment» in den Annalen fest.

Ärger mit dem Gemeinderat

Vergessen waren da die bangen Momente, «das schwärzeste Kapitel in der bisherigen Geschichte». Denn lange «wollte und wollte» der Baurechtsvertrag für das Grundstück im Stieracker nicht zustande kommen. Reimann wählt deutliche Worte: «Die Mühlen im Gemeinderat von Frick mahlten überhaupt nicht, unser Clubmitglied (Gemeinderatsmitglied) Martin Hafner wagte kaum mehr an die Öffentlichkeit und der Vorstand wurde durch die massiven Interventionen der ungeduldigen Mitglieder beinahe weggefegt.»

Dann endlich, «nach vielen langen Wochen des Abwartens bequemte sich der Fricker Gemeinderat zur Einberufung der Gemeindeversammlung». Der Souverän stimmte zu und schon anderntags, am 16. Juni, fasste der Club den Baubeschluss.

Freuen sich auf und über das Jubiläum: Andrea Sahmer und Massimo Fini. Thomas Wehrli

Freuen sich auf und über das Jubiläum: Andrea Sahmer und Massimo Fini. Thomas Wehrli

Der Club entwickelt sich «schnell und gut», sagt Fini. Aus den anfänglich 60 Mitgliedern werden schnell einmal mehr als 100. In den 1970er-Jahren kommen am Juraweg vier weitere Tennisplätze hinzu; die beiden Courts im Stieracker werden parallel dazu bis 2003 betrieben. «Wir entschieden uns dann, unsere Aktivitäten an einem Ort zu konzentrieren.» Zumal der Club am Juraweg noch über Land für zwei weitere Plätze verfügt – oder eine Halle. «Ein Dauerbrenner», sagt Fini. Schon mehrere Projekte bestanden. «Derzeit ist das Thema allerdings nicht sehr virulent.»

Tennis wird Breitensport

Den elitären Touch behält der Club (wie auch die anderen Tennisclubs) nach der Gründung noch einige Jahre bei, doch der Zeitgeist erfordert schon bald ein Umdenken. Tennis wird zum Sport für jeden. «Was in einem für viele Aussenstehende etwas elitär anmutenden Kreis entstand, ist längst zum Breitensport geworden», hielt der Gemeinderat 1992 in der Festschrift zum 25-Jahr-Jubiläum des TCF fest. Und weiter: «Gerade in einer von Individualismus und schwindendem Gemeinschaftssinn geprägten Zeit erfüllen Vereine noch andere wichtige Aufgaben. Sie vermitteln zwischenmenschliche Beziehungen und schaffen Gelegenheit zur Pflege entspannender Geselligkeit.»

Es sind Worte, die man heute oft hört – und die man nicht in den frühen 1990er-Jahren verorten würde. Der Fricker Gemeinderat unter Ammann Anton Mösch formulierte bereits 1992 gesellschaftskritische Gedanken, die bis heute ihre Gültigkeit haben.

Ebenso Gültigkeit hat für Fini die Tatsache, dass die «schon oft totgesagten Vereine leben». Dafür sei der TCF das beste Beispiel. «Es gab und gibt zum Glück immer Leute, die sich für eine Sache engagieren.»

Der TCF zählt heute rund 300 Mitglieder – just gleich viele wie vor 25 Jahren. «Ein guter Wert», freut sich Fini. Er weiss aber auch: Ein Selbstläufer ist das in der heutigen, egomanisierten Gesellschaft, in der das Ich zumeist vor dem Wir kommt, nicht. Ein Meilenstein auf dem Weg in die Zukunft war für ihn das Jahr 2005. Zum einen, weil da das neue, zweite Clubhaus erbaut wurde, dieser äussere Ausdruck des Aufbruchs, dieses örtliche Zusammengehen mit dem Squash Club Fricktal («Die Partnerschaft funktioniert bestens»).

Zum anderen, weil der Club 2005 sein neues Juniorenkonzept umgesetzt hat. «Wir starteten damit unseren Effort gegen die Überalterung», sagt Fini und verhehlt nicht: «Dieser war nötig. Sonst hätte der Club langfristig keine Zukunft gehabt.» Heute zählt der TCF rund 100 Junioren – fünfmal so viele wie vor zehn Jahren. «Die Junioren sind die Mitglieder der Zukunft», sagt Andrea Sahmer, Aktuarin des Clubs. Natürlich bleiben nicht alle im Club, «doch viele kommen als Erwachsene zurück».

Tennis-Rüpel und Federer-Welle

50 Jahre Tennis im Fricktal, das ist eine Geschichte mit vielen Geschichten, eine Geschichte von Erfolgen, Misserfolgen, von Freuden- und anderen Tränen. 50 Jahre Tennis im Fricktal, das ist die Geschichte, wie aus dem weissen Sport ein bunter wurde. Fini lacht. «Es ist wie beim Fernsehen: Was schwarz-weiss begann, wird farbig, gewinnt Farbe.» Aus dem elitären Sport wird einer der Massen. Dazu haben in den 1980er-Jahren charismatische Spieler wie Björn Borg, Jimmy Conors, Boris Becker oder Tennis-Rüpel John McEnroe beigetragen.

Es war ein stets Auf und Ab, auch in den Clubs, das nicht zuletzt mit den nationalen Aushängeschildern steht und fällt. Seit King Roger die Tennisszene aufmischt, schwappt die Federer-Welle unaufhaltsam über die Schweiz. «Es ist immer wieder beeindruckend, wie viele Menschen den Fernseher einschalten, wenn er spielt.»

Spiel, Satz, Sieg. Freude, Wut, Tränen. Jubel, (Selbst-)Anfeuerung, Enttäuschung. Die Fricker Tenniswelt hat schon alles erlebt. Der erste grosse Sieger, der erste Club-Meister war 1967 Maximilian Reimann. Er schlug im Final Willy Däppen klar mit 6:1 und 6:2.

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Autor

Thomas Wehrli

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