Fricktal

Spieglein, welches ist die beste Gemeinde im Land? – Das ist laut «Weltwoche» die Siegerin im Fricktal

Landete weit vorne: Kaiseraugst belegt im Gemeinderating Platz 123 und ist somit die «beste» Gemeinde im Fricktal.

Landete weit vorne: Kaiseraugst belegt im Gemeinderating Platz 123 und ist somit die «beste» Gemeinde im Fricktal.

Im Gemeinderating der «Weltwoche» sind unter den 933 auch 12 Fricktaler Gemeinden dabei. Am besten schneidet Kaiseraugst ab.

Die Gemeinden stehen in einem permanenten Wettbewerb um gute Steuerzahler, viele Arbeitsplätze und wertschöpfungsintensive Unternehmen.

Da stellt sich für den geneigten Beobachter die grimmsche Frage: Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die beste im Fricktaler Land? Kaiseraugst, ruft das Spieglein unverhohlen.

Das Spieglein, es ist die «Weltwoche». Seit mehreren Jahren publiziert die Wochenzeitung einmal pro Jahr das grosse Gemeinderating. Bewertet werden 50 Indikatoren in sieben Bereichen, die dann zu einer Gesamtplatzierung zusammengezogen werden.

In diesem Jahr haben es 933 Gemeinden in den Rating-Himmel geschafft. Darunter auch 12 der 32 Fricktaler Gemeinden. Das ist eine gute Performance, allerdings schwingt ein Wermutstropfen mit: Keine Fricktaler Gemeinde schaffte es unter die Top 100.

Kaiseraugst beim Wohnen auf Platz 64

Am besten schnitt Kaiseraugst ab; die Gemeinde landete auf Rang 123. «Wir haben dieses Resultat mit Freude zur Kenntnis genommen, haben wir uns doch seit 2016 kontinuierlich verbessert», sagt Gemeindepräsidentin Françoise Moser.

Allein seit dem letzten Jahr um 81 Plätze. Man habe dies nicht erwartet, sagt Moser, die sogleich hinzufügt: «Das Ranking ist schön, doch die Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen.» Denn es fehlen Detailkenntnisse zu den Indikatoren.

Besonders gut schneidet Kaiseraugst beim Wohnen ab; hier liegt die Gemeinde auf Rang 64. Das freut Moser, die auf das breite Angebot der Wohnformen, den guten Mix aus Mietwohnungen in der Gemeinde und den tiefen Leerwohnungsstand verweist. Wer am Morgen in den Spiegel zu blicken pflegt, kennt das Gefühl: Schreck lass nach – das bin ich? Ähnlich dürfte es den Kaiseraugstern gegangen sein, als sie die Rangierung beim Arbeitsmarkt sahen, Hier landete die Gemeinde mit ihren stolzen 5300 Arbeitsplätzen abgeschlagen auf Rang 929. Viertletzter. «Wir sind sehr erstaunt», sagt Moser. Sie vermutet, dass der Faktor «Beschäftigte im Dienstleistungssektor mitgespielt haben dürfte. «Dienstleistungsunternehmen sind bei uns marginal vertreten», so Moser. Für sie ist klar: «Kaiseraugst als Arbeitsort ist sehr attraktiv.»

Den grössten Sprung nach vorne macht Rheinfelden: Von Rang 276 auf Rang 141. Man sei «sehr zufrieden», sagt denn auch Stadtschreiber Roger Erdin. Er betont: «Im Vergleich mit unseren Referenzgemeinden, den neun grössten Aargauer Gemeinden, liegt einzig die Gemeinde Wettingen mit Rang 83 vor Rheinfelden.»

Erdin führt die Verbesserung im Wesentlichen auf die Kategorie Wohnen zurück, in der die Immobilienpreise, die Veränderung der Preise über drei Jahre, die Wohnbautätigkeit und die Leerwohnungsziffer beinhaltet sind. Hier schafft es Rheinfelden auf Rang 125.

Bei der Steuerbelastung landet Rheinfelden auf dem 245. Rang. Mit einer Steuersenkung liesse sich hier Boden auf die Steuer-Nummer-1 in der Schweiz, Zug, gut machen. Erdin winkt für den Moment ab. «Aufgrund der mit der Coronavirus-Pandemie einhergehenden Unsicherheiten ist eine unmittelbare Steuersenkung kein Thema», sagt der Stadtschreiber. «Soweit die Folgen der Pandemie aber überschaubar bleiben, wird eine erneute Reduktion des Steuerfusses zu prüfen sein.»

Nicht zur Diskussion steht eine Steuersenkung auch in Magden, das beim Gemeinderating auf Rang 303 landet und damit das drittbeste Fricktaler Ergebnis einfährt. «Aufgrund der stagnierenden Einwohnerzahl, die unter anderem auf die geringe Menge an Bauland zurückzuführen ist und den steigenden Mehrausgaben an Kanton und Bund, ist der Handlungsspielraum der Gemeinde in Bezug auf Steuersenkungen klein», sagt Gemeindeammann André Schreyer.

Mettauertal neu dabei, Frick verliert 141 Plätze

Den Ammann freut die Platzierung im vorderen Drittel des Rankings. Dass die Gemeinde gegenüber 2019 54 Plätze verloren hat, führt er zum einen auf die Sta­gnation beim Bevölkerungswachstum, zum anderen auf die gleichbleibenden Steuerbelastung zurück. «Wir beteiligen uns nicht an einem Steuerwettbewerb.» Im hinteren Drittel schneidet die Gemeinde beim Arbeitsmarkt ab. Magden habe keine Industrie, ein relativ kleines Gewerbe, so Schreyer. «Magden ist eher ein Wohnort. Aus diesem Grund sind wir weniger erstaunt über diese Platzierung.»

Erstmals im Ranking taucht Mettauertal auf; bei der Premiere landet die Gemeinde auf dem 705. Rang. Grösste Verliererin ist die Gemeinde Frick. Gegenüber dem Vorjahr büsst die Zentrumsgemeinde 141 Plätze ein und landet auf Platz 655.

Die Frage nach den Gründen beantwortet Gemeindeschreiber Michael Widmer mit der Aufzählung der Vorzüge der Gemeinde – regionales Zentrum, Vereins- und Dorfleben, Traditionen, ­Einkaufs- und Dienstleistungsangebot, Verkehrsanbindung, Naturerholungsraum – und fragt zurück: «Wofür brauchen wir angesichts dieser herausragenden Merkmale noch einen besonderen Platz in einem Rating?» Und, wer weiss, vielleicht war ja der Spiegel auch beschlagen, als er Frick in den Blick nahm.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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