Serie «Abschieds-Rundgang»
Spaziergang mit Willy Schürch durch Münchwilen: «Ich gebe nicht auf, bis die Zuzüger zurückgrüssen»

Ende Jahr treten mehrere langjährige Gemeindeammänner zurück. Die AZ lud sie zum Spaziergang durch ihr Dorf ein. Heute: Willy Schürch über Solidarität, Höflichkeit, Satteldächer – und weshalb Tiefdruckgebiete bei ihm nie lange halten.

Thomas Wehrli
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Willy Schürch kam 1998 in den Gemeinderat, seit 2008 ist er Gemeindeammann. Über die Grenze (im Hintergrund ist Bad Säckingen) sagt er «Ich erlebe sie als fliessend. Wir reinigen unser Abwasser seit Jahrzehnten in Bad Säckingen.»

Willy Schürch kam 1998 in den Gemeinderat, seit 2008 ist er Gemeindeammann. Über die Grenze (im Hintergrund ist Bad Säckingen) sagt er «Ich erlebe sie als fliessend. Wir reinigen unser Abwasser seit Jahrzehnten in Bad Säckingen.»

Thomas Wehrli

Autofahrt nach Münchwilen. Ein Traktor tuckert vor mir her durch Eiken und ich vertreibe mir die Zeit mit einem Gedankenspiel. Frage: «Welche zwei Eigenschaften gehören zu Willy Schürch wie das Amen zur Kirche?» Antwort: Auf die Bremse!

Nein, das ist natürlich nicht die Antwort, denn ein Bremsklotz ist Willy Schürch nun wirklich nicht, ganz im Gegenteil, er ist als Ammann stets voller Ideen und Tatendrang unterwegs. Das Brems-Intermezzo war die Reaktion darauf, dass ein Fussgänger wie von einer Hornisse gestochen hinter einem Haus hervorpreschte und, ohne nach links oder rechts zu schauen, schon auf dem Fussgängerstreifen stand. Die Vortrittsregel in allen Ehren, denke ich bei mir, aber Blickkontakt herstellen und sich vergewissern, dass das Auto auch bremst, müsste man als Fussgänger gleichwohl. Zumindest wenn einem das Leben nicht verleidet ist.

Ich setze meinen Aber-aber-Blick auf, schaue ihm böse nach. Vergeblich, denn der olle Typ – um die 20, lange Haare, zerrissene Jeans (ist das immer noch Mode?), Stöpsel im Ohr – wendet seinen Blick keine Sekunde vom Smartphone ab.

Willy Schürch

Willy Schürch zog mit seinen Eltern 1965 aus dem Bernbiet ins Fricktal. Zuerst wohnte die Familie in Stein, dann in Münchwilen. Damals war er zehn Jahre alt – und kümmerte sich nicht weiter um die Politik. 1998 wurde Schürch in den Gemeinderat gewählt, 2002 zum Vizeammann und 2008 zum Gemeindeammann. Im Job – Schürch ist Schlosser und arbeitet in Rheinfelden – hat er für das Ammannamt auf 80 Prozent reduziert. Dies will er auch künftig so beibehalten.

Ungetadelter Dinge fahre ich weiter. «Sein Lachen und die Zigarette im Mund», beantworte ich meine Frage nach den beiden Eigenschaften, biege von der Zürcherstrasse ins Dorf ein, vorbei am Gebiet «Dell», wo mehrere Mehrfamilienhäuser ausgesteckt sind.

Ich muss schmunzeln, wie ich an die Episode vor ein paar Jahren zurückdenke. Damals sollte dieses Gebiet bereits einmal überbaut werden. Die Gemeinde wehrte sich, weil sie die Flachdächer verhindern wollte. Die Mannschaft um Willy Schürch ersann kurzerhand eine Satteldach-Pflicht, was dem Ammann eine Karikatur in der AZ einbrachte.

Ich biege auf die Alte Rebenstrasse ein, sehe Willy Schürch schon von weitem. «Ja!», denke ich, denn er steht beim Gemeindehaus – mit einem Lachen im Gesicht und einer Zigarette in der Hand.

Mussten Sie oft aus Ärger über Ihre Münchwiler eine Zigarette anzünden?

Willy Schürch: Nie. (Lacht.) Das hat rein mit der Sucht zu tun.

Wir bewegen uns vom Gemeindehaus weg. Diesen Weg gingen Sie in den letzten Jahren sehr oft und bald kaum mehr. Wie ist das Gefühl?

Wahrscheinlich muss ich noch das Auto umprogrammieren, dass es nicht automatisch zum Gemeindehaus fährt. Das Ammann-Amt ist ein grosser Teil meines Lebens. Ein schöner Teil auch.

War es nie eine Last?

Kaum je. Es gab natürlich kurze Tiefdruckgebiete. Zum Beispiel, wenn ich eine Abstimmung verloren habe. Aber das hielt nicht lange – höchstens so lange wie ein Regenschauer. Wir laufen am ehemaligen Dorfladen vorbei. Heute ist es ein Wohnhaus. Ein junger Bauamtsarbeiter kommt uns entgegen, grüsst freundlich. Es ist der Lehrling. Münchwilen habe immer gute Lehrlinge gehabt, sagt Schürch, lacht. «Das muss am Klima bei uns liegen.» Wie aufs Stichwort spüre ich, wie mir ein Regentropfen auf die Nase klatscht und dann über die Wange kullert. «Merde», denke ich, «den Schirm hast du natürlich im Auto gelassen. Gut gemacht, Wehrli.»

Wie schwer wog für Sie der Verlust des Dorfladens?

Wir haben lange um sein Überleben gekämpft. Doch die Umsatzzahlen reichten einfach nicht.

Waren die Münchwiler zu wenig solidarisch?

Es mag mitgespielt haben, dass viele ihren Wocheneinkauf nicht im Dorf tätigen. Das Hauptproblem aber war, dass der Laden mit den Münchwilern alleine nicht überleben konnte.

Der Laden ist weg, die Post ist weg, die Bank ist weg. Münchwilen hat nichts mehr.

Das stimmt so nicht: Wir haben viel Wohnqualität. Natürlich schmerzt es, keinen Laden und keine Post mehr zu haben. Die letzten Jahre haben aber gezeigt: Es lässt sich auch so gut leben. Wir sind nahe bei Stein, Bad Säckingen und Frick. Hier hat es genügend Einkaufsmöglichkeiten. Und immerhin: Täglich fährt das Beckmobil noch vor. Wir kommen am Restaurant Post vorbei. Eine Tanne steht vor dem Eingang, daneben preist ein Schild das SilvesterMenü an. Ein LKW biegt um die Ecke. «Jö», denke ich, «so klein und schon ein Lastwagen.» Als ob der Fahrer Gedanken lesen könnte, gibt er Gas – und nun dröhnt der Kleine wie ein Grosser und verschluckt meine nächste Frage. Ich warte, bis er weg ist, was Willy Schürch nutzt, um eine Zigarette anzuzünden.

Auch das Restaurant war in Gefahr. Sind Sie froh, dass Sie es erhalten konnten?

Sehr sogar. Die Ortsbürgerstiftung hat das Gebäude gekauft und das Lokal funktioniert heute gut.

Ist Willy Schürch ein Stammgast?

Schon, ja, es ist einer meiner Lieblingsorte. Hier treffe ich die Einwohner, hier spüre ich den Puls der Bevölkerung.

Wie ist der Puls der Münchwiler? Eher im Schlaf- oder im Rennmodus?

Im diskussionsfreudig-gesitteten Modus. Das ist auch gut so, denn das zeigt mir, dass den Einwohnern ihr Dorf viel wert ist. In anderen Gemeinden kümmern sich Einwohner kaum noch um das Dorfgeschehen. Das ist eine fatale Entwicklung.

Mussten Sie oft kämpfen, um die Vorlagen an der Gmeind durchzubringen?

Das kam schon das eine oder andere Mal vor. Aber das hat mich auch angespornt, mein Bestes zu geben.

Es gab auch Niederlagen?

Ja, und diese setzten mir im ersten Moment schon zu. (Lacht.) Aber ich bin ein Steh-auf-Männchen, und das Tief war jeweils nur von kurzer Dauer.

Wie erleben Sie die Münchwiler?

Als offen und ehrlich. Sie sagen, was sie denken. Was ich dabei sehr schätze: Es geht immer für oder gegen eine Sache – und nie gegen eine Person.

Die «Post» lädt bereits zum Silvesterdinner. Wie feiern Sie Silvester?

Bruno Tüscher, der neue Ammann, und ich feiern Silvester zusammen. Punkt Mitternacht bekommt er von mir den Schlüssel für das Gemeindehaus von mir.

Ab Neujahr bleibt dann plötzlich viel freie Zeit. Was machen Sie damit?

Das weiss ich noch nicht genau. Man wird mich im nächsten Jahr sicher häufiger im Garten antreffen. Zudem werde ich weiterhin ‹nur› 80 Prozent arbeiten, ich werde mein Pensum also nicht aufstocken.

Da bleibt auch Zeit für Hobbys.

Aber sicher! Ein ganz grosses Hobby ist meine Modelleisenbahn.

Im Ernst?

Ja. Zu Hause nimmt sie ein ganzes Zimmer ein. Sie wird mein Winter-nach-Ammann-Loch füllen. (Lacht.) Darüber sind auch meine Enkel dankbar. Sie lieben es, mit mir Eisenbahn zu spielen.

Das ist wie Weihnachten hoch zwei. Wie feiern Sie Weihnachten?

Mit der Familie. Neben dem gemütlichen Zusammensein und einem guten Essen ist mir aber auch das religiöse Moment wichtig.

Religion spielt heute für viele keine Rolle mehr und auch Traditionen leiden. Wie erleben Sie das?

Das ist eine ganz schlechte Entwicklung. Mit den Zuzügern hat sie leider auch in Münchwilen Einzug gehalten. Ein kleines Beispiel: Wir sind es uns gewohnt, einander zu grüssen, wenn wir jemandem begegnen. Das ist Höflichkeit. Zuzüger aus den Städten dagegen laufen oft grusslos vorbei. Ich will Willy Schürch eben fragen, was er dagegen unternommen habe, da hält ein Bauamtsfahrzeug neben uns. Der Beifahrer kurbelt das Fenster hinunter. «Gut, dass ich dich treffe», sagt er und will etwas vom Ammann wissen. Die Wege sind kurz, denke ich und studiere die Linde, vor der wir stehen. Ein mächtiger Baum. «Unsere Friedenslinde», sagt Willy Schürch, der das Problem gelöst hat und neben mich tritt. «1918 gepflanzt.» Schürch klopft an den Baumstamm, als wollte er sich vergewissern, dass er noch lebt und nicht hohl ist – «so wie heute leider viele Machthaber». Schürch schüttelt den Kopf. Wenn er so in die Welt schaue, «habe ich manchmal schon das Gefühl: Die Welt verblödet». Was da zum Teil abgehe, «da bin ich froh, noch in Münchwilen zu sein». Man finde hier in Münchwilen schon noch ein Stück heile Welt. «Woran dies liegt?», wiederholt er die Frage, schaut auf das Dorf, zündet sich Zigarette Nummer drei an. «Sicher auch daran, dass wir etwas abseits liegen, nicht städtisch oder vorstädtisch geprägt sind.»

Womit wir zurück bei den Zuzügern sind, die nicht grüssen. Haben Sie ihnen gezeigt, wo der Schürch den Gruss-Most holt?

Natürlich. (Lacht.) Ich gebe nicht auf, bis sie zurückgrüssen.

Haben Sie es geschafft?

Nicht bei allen, aber doch bei einigen.

Münchwilen ist in Ihrer Amtszeit von 580 auf 920 Einwohner gewachsen, also um fast 50 Prozent. Verkraftet das Dorf dieses Wachstum?

Wenn Bauland vorhanden ist, kann man als Gemeinde nur bedingt darauf Einfluss nehmen, wie schnell das Dorf wächst. Wir mussten natürlich Investitionen tätigen, etwa ins Reservoir oder in die Schule. Ich denke aber, wir haben das Wachstum gut verkraftet.

Ganz ohne Einfluss ist die Gemeinde auch wieder nicht. Das zeigte die Auseinandersetzung um das Baugebiet «Dell». Die Gemeinde hat, formulieren wir es einmal vorsichtig: viel Bauernschläue an den Tag gelegt und eine Satteldachpflicht eingeführt. Ein Meisterstück?

Es war der Wunsch der Bevölkerung, dass das Dorf ohne Flachdächer bleibt.

Wie haben Sie die Auseinandersetzung mit den Eigentümern erlebt?

Als hart, aber fair. Es blieb immer sachlich und rutschte nie auf die persönliche Ebene ab; auch nicht, als wir vor Gericht waren. Willy Schürch stockt kurz, geht einige Schritte weiter, sodass wir besser auf das Dorf hinabblicken können. «Sehen Sie?», fragt er, und ich überlege kurz, was ich nun wohl sehen sollte. Ich schaue und schaue – und dann kommt der Aha-Effekt: Ich muss sehen, was ich nicht sehe: Flachdächer. «Ich bin froh, dass wir uns durchsetzen konnten, denn Flachdächer würden nicht ins Dorfbild passen», sagt Schürch.

Der Dachstil steht für das Traditionell-Gewachsene. Ist Tradition dem Münchwiler wichtig?

Ja, der Münchwiler ist auf Traditionen bedacht. Dazu gehören auch die Vereine; sie sind nach wie vor ein wichtiger Rückhalt der Dorfgemeinschaft.

Dann ist Münchwilen in der Tradition stehengeblieben?

Überhaupt nicht. Wir sind gleichzeitig sehr aufgeschlossen und experimentierfreudig. In diesem Jahr fand beispielsweise der erste Stiefel-Weitwurf-Wettbewerb statt.

Willy Schürch warf mit?

Natürlich! «Reichte es für den Sieg?, frage ich. Willy Schürch schaut mich fast etwas entgeistert an. «Wo denken Sie hin», sagt er dann. «Sportlich bin ich nicht gerade ein Hirsch.»

Wo sind Sie dann der Hirsch?

Im Schiessen. Ich bin seit Jahrzehnten bei den Sportschützen, habe viele Jahre auch den Verein geleitet. Nun habe ich wieder mehr Zeit für das Schiessen. Darauf freue ich mich.

Ein anderes Hobby ist der Wein. Man konnte ihren üppig bestückten Weinkeller kürzlich in einer Zeitung bewundern. Wer hat die Ehre, im Keller Einlass zu finden?

Haben wir Zeit für eine kurze Geschichte?

Aber sicher.

Zwei Münchwiler wetteten einmal, wie lange ich im Amt bleiben werde. Einer sagte: nur kurz. Der andere: lange. Der Zweite hat gewonnen. Der Clou war jedoch ein anderer: Der Wetteinsatz war eine Flasche Wein – aus meinem Weinkeller.

Das ist noch nett.

Das fand ich auch. Ich machte eine Doodle-Umfrage, und so trafen wir uns in meinem Weinkeller. Es blieb dann nicht bei der einen Flasche.

Sind Sie ein gemütlicher Mensch, «en Gmüetsmoore» , wie Ihre Berner Vorfahren sagen würden, der gerne bei einem Glas Wein mit anderen zusammensitzt?

Absolut, das ist der Willy. Das Gemütliche muss bei aller Arbeit Platz haben.

Das hatte auch im Amt Platz?

Ja. Natürlich gab es auch im Gremium Höhen und Tiefen. Im grossen Ganzen hatten wir aber ein sehr gutes Verhältnis im Gemeinderat. Es hat Spass gemacht.

Was geben Sie Ihrem Nachfolger als Tipp mit?

Gar nichts. Ich bin überzeugt, dass Bruno Tüscher den Job gut machen wird. Er hat keine Tipps von mir nötig.

Wie wichtig ist es Ihnen, zu wissen: Ich gebe den Stab in gute Hände?

Das ist mir sehr wichtig. (Lacht.) Ich bin ein Kopf-Bauch-Mensch. Der Kopf sagt: 20 Jahre Einsatz für die Gemeinde sind genug. Der Bauch sagt: Es dürfte noch etwas mehr sein. Die Partie ging 1:0 für den Kopf aus – nicht zuletzt dank dem Wissen, dass Bruno Tüscher übernimmt. Wir sind beim «Chäppeli» angekommen, für mich der schönste Ort im Dorf. Ich erinnere mich gerne an die Abende zurück, als ich im (inzwischen geschlossenen) Restaurant sass, direkt am Fenster, und den Blick über die Landschaft schweifen liess, nach Bad Säckingen, in den Schwarzwald.

Was bedeuten Ihnen Grenzen?

Sie bedeuten mir nicht viel, ich erlebe sie als fliessend. Wir reinigen beispielsweise unser Abwasser seit Jahrzehnten in Bad Säckingen.

Man kann auch sagen: Die EU bekommt den Dreck.

(Lacht.) Wenn Sie so wollen. Die Kooperation hat sich bestens bewährt.

Wenn Sie von hier auf Ihr Dorf blicken, was sehen Sie da?

Viele Einfamilienhäuser mit wenigen Mehrfamilienhäusern am Dorfrand und einigen freien Flächen. Es ist ein gefreuter Anblick.

Können Sie sich vorstellen, aus Münchwilen wegzuziehen?

Ich wuchs hier auf – und ging mit 20 einmal weg. Nicht freiwillig, allerdings.

Sie wurden entführt?

Nein, ich fand einfach keine Mietwohnung. Die waren damals noch selten. Also ging ich hinaus in die weite Welt, wohnte in Kaisten, Sisseln – und dann wieder in Münchwilen.

Eine weite Welt! Zieht es Sie noch weg?

Nein, ich möchte hier alt werden. Wir laufen weiter, zurück Richtung Gemeindehaus. Wir kommen an einer Baustelle vorbei. Ein Einfamilienhaus entsteht – im Holzelementbau. Eine Arbeiterin befördert mit dem Kran gerade einen Dachbalken aufs Haus. Aus der Ferne beobachtet ein altes Ehepaar das Treiben. Ich stelle mir deren Dialog vor. Er: «Siehst Du, Rösli, wie schnell das heute geht?» Sie: «Ja, Karl-Heinz, es ist nichts mehr, wie es einmal war.»

Wo sind die Dorf-Baustellen?

Wir erschliessen gerade zwei Gebiete. Zudem muss die Kantonsstrasse erneuert werden. Aber sonst ist Münchwilen gut im Schuss. Hinter uns fängt die Glocke der Kapelle an zu läuten, eine Frau, die ihren Hund Gassi führt (oder vielmehr scheint der Hund sie zu führen), hält an, blickt auf die Uhr. «11 Uhr», bin ich versucht ihr zuzurufen, unterlasse es dann aber doch, weil mich die Glocke auf eine Frage bringt und ich sie nicht wieder vor dem Stellen vergessen haben will. Ich werde auch nicht jünger.

Gab es Momente in der Amtszeit, in denen Sie die Glocken läuten gehört haben, Momente also, die Sie tief bewegt haben?

Da gab es mehrere. Einer war der Moment, als wir ans Busnetz angeschlossen wurden, das war 1999. Ein anderer war die 700-Jahr-Feier. Wir haben kein Dorffest gemacht, sondern ein Fest für das Dorf – und alle Einwohner zum Nachtessen eingeladen. Dafür hatten wir hier (Schürch zeigt auf eine Wiese) ein Zirkuszelt aufgestellt.

Gibt es auch Momente, die Sie gerne vergessen?

Nein. (Lacht.) Oder sonst habe ich sie bereits vergessen. Ich habe ein altes Ritual: Ende Jahr schreibe ich auf, was ich Positives und was ich Negatives erlebt habe. Die Liste mit den positiven Momenten ist jedes Mal deutlich länger. Der Kreis schliesst sich. Wir sind zurück beim Gemeindehaus. Gerade rechtzeitig, denn der Wind frischt merklich auf und die Wolken am Himmel lechzen nach Opfern.

Was ist Ihr Wunsch für die Gemeinde?

Dass Münchwilen seinen dörflichen Charakter beibehält, also weder siebengeschossige Gebäude bekommt noch Flachdächer.