Fricktal

So haben die Parteien im Vergleich mit den Grossratswahlen 2005 abgeschnitten

Ein Wähler wirft seinen Stimmzettel in eine Wahlurne. (Symbolbild)

Ein Wähler wirft seinen Stimmzettel in eine Wahlurne. (Symbolbild)

CVP sackt im oberen Fricktal ab, GLP startet im unteren durch. Ein Vergleich mit den Grossratswahlen seit 2005 in sechs Schritten.

Bei den Grossratswahlen schwappte die grüne Welle über den Aargau. Sowohl Grüne wie GLP legten gegenüber 2016 markant zu. Auch im Fricktal ging es für beide Parteien bergauf. Dies ist die Kurzfrist-Optik; wie sieht die Entwicklung aber über die letzten 15 Jahre, also seit der Reduktion des Grossen Rates von 200 auf 140 Sitze, in den beiden Fricktaler Bezirken aus? Differenzierter. Eine Beobachtung in sechs Schritten.

1. Die CVP auf der Verliererstrasse. Im Bezirk Laufenburg, der einstigen Hochburg der CVP, musste die Partei in den letzten 15 Jahren markante Verluste hinnehmen. Lag der Wähleranteil 2005 noch bei 30,4 Prozent, so sank er Schritt für Schritt auf aktuell noch 19,1 Prozent. Das ist ein Minus von mehr als einem Drittel. Der Bezirk ist für die Mittepartei dennoch nach wie vor zentral. Das Ergebnis liegt 6,3 Prozentpunkte über dem kantonalen Schnitt. Nur in den Bezirken Muri und Zurzach wählten mehr Leute die CVP.

Mut machen kann der Partei zudem, dass sie kantonal, anders als FDP und SVP, zulegen konnte. Auch im Bezirk Rheinfelden: Hier holte die Partei 13,5Prozent und damit 1,9 Prozent punkte mehr als 2016. Es ist das erste Mal seit 2005, dass es für die CVP nicht bergab ging.

2. Die SVP hat ihren Zenit (vorläufig) überschritten. Im oberen Fricktal ist die SVP traditionell stärker als im unteren Fricktal. Dies liegt vor allem daran, dass Rheinfelden – wie viele urbane Gemeinden – traditionell linker wählt als die ländlichen Gemeinden und dass die Stadt über eine grosse Stimmkraft verfügt.

Seit 2005, als die Partei im Bezirk Laufenburg mit 36,1 Prozent ein nahezu historisches Ergebnis erzielt hat, geht es für die SVP schrittweise zurück. Aktuell liegt die Partei bei 32,6 Prozent, was im kantonalen Vergleich komfortabel ist, aber doch ein Minus von 3,5 Prozentpunkten gegenüber 2005 bedeutet.

Im unteren Fricktal liegt die Partei dagegen um 0,9 Prozent punkte über dem Ergebnis von 2005. Hier erreichte die Partei 2009 ihr bestes Resultat und muss seither wieder leicht Federn lassen. Mit aktuell 28,0 Prozent liegt die SVP im Bezirk Rheinfelden um 2,3 Prozentpunkte unter dem kantonalen Schnitt.

3. Die SP läuft im oberen Fricktal zur Hochform auf. Der Einbruch für die SP im oberen Fricktal kam 2009. Nachdem die Partei 2005 noch 17,6 Prozent der Stimmen geholt hatte (2001: 17,0 Prozent), rasselte der Wähleranteil 2009 auf 12,9 Prozent hinunter. Ein heilsamer Schock, wie es scheint, denn seither geht es für die Partei im Bezirk Laufenburg stetig aufwärts. Mit 19,9Prozent erzielte die SP in diesem Jahr ihr Spitzenresultat – und lag damit satte 3,3 Prozentpunkte über dem kantonalen Schnitt.

Mit diesem Ergebnis landete die Partei zudem eine Premiere: Die SP holt im oberen Fricktal mehr Stimmen als im unteren; hier liegt der Wähleranteil bei 19,4 Prozent. Und noch etwas ist speziell: Die SP schwimmt im oberen Fricktal gegen den Strom; sowohl im Bezirk Rheinfelden wie auch kantonal gehört die SP zu den Verlierern der Grossratswahlen.

4. Wie war das mit der grünen Welle? Ganz klar, die Grünen sind zusammen mit der GLP die grossen Wahlgewinner. Auch im Fricktal. Wobei: Im Bezirk Lauenburg kann man die Grünen mit ihrem Plus von 0,5 Prozentpunkten höchstens als kleine Wahlsieger titulieren. Anders im unteren Fricktal, wo die Partei um 3,6 auf 10,4 Prozent zulegte und damit anderen Parteien gehörig Terrain abgraste.

Ein etwas anderes Bild liefert der mittelfristige Vergleich. In beiden Bezirken schnitten die Grünen auch schon besser ab als in diesem Jahr. Im Bezirk Rheinfelden machten sie ihr Spitzenergebnis 2009 mit 12,9 Prozent, im Bezirk Laufenburg 2012 mit 8,6 Prozent. Einer der Gründe, dass es zwischenzeitlich in Sachen Wähleranteil bergab ging mit den Grünen, ist das Aufkommen der GLP; sie kostete den Grünen Stimmen – wie auch der FDP und der CVP.

5. Mit der GLP ist weiter zu rechnen. Die Partei räumte bei den Grossratswahlen gehörig ab. Kantonal lag das Plus bei knapp vier Prozent. Im Bezirk Rheinfelden waren es 2,4 und ihm Bezirk Laufenburg 2,5 Prozent. Damit konnte die GLP im unteren Fricktal ihren Sitz im Grossen Rat absichern. Im oberen ist ihr, hält der Trend an, bei den nächsten Wahlen ein Sitz zuzutrauen.

6. Die FDP im Wellental. Die Entwicklungen verlaufen bei der FDP im oberen und unteren Fricktal unterschiedlich. Gemeinsam haben die beiden Bezirksparteien, dass sie 2009 einen spürbaren Einbruch hinnehmen mussten. Seither dümpelt die FDP im oberen Fricktal bei elf Prozent herum; mal liegt sie etwas darüber, mal etwas darunter wie aktuell mit 10,1Prozent.

Im unteren Fricktal konnte sie sich bei den Wahlen 2012 und 2016 von den Verlusten erholen und kämpfte sich mit 16,9 Prozent (2016) fast an das Niveau von 2005 zurück, wo sie 17,3 Prozent erzielte. Diesmal allerdings ging es abwärts. Mit einem Minus von 2,0 Prozentpunkten lag das Minus sogar höher als im kantonalen Schnitt (-1,3). Kleiner Trost: Mit 14,9 Prozent liegt die Partei noch 0,2 Prozentpunkte über dem kantonalen Niveau.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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