Schupfart
Motorgeratter und Benzingeruch: Ein Dorf zelebriert nach vier Jahrzehnten sein Motocross-Revival

Der Velo-Moto-Club lässt die Geschichte des Motocross am 17. Oktober auferleben. In Demoläufen zeigen Showfahrer Maschinen aus verschiedenen Epochen. Als Höhepunkt kämpfen ehemalige Rennfahrer am Schupfart-Revival-Lauf im hügeligen Gelände um die Ideallinie.

Dennis Kalt
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Zwischen 1967 und 1981 kämpften die Fahrer an den 15 Motocross-Events in Schupfart auf hügeligem Gelände um die Ideallinie.

Zwischen 1967 und 1981 kämpften die Fahrer an den 15 Motocross-Events in Schupfart auf hügeligem Gelände um die Ideallinie.

Bild: Zvg

Motorengeratter, bunte Reklametafeln und bis zu 18'000 Zuschauer – die 15 Motocross-Events zwischen 1967 und 1981 sorgten im beschaulichen Schupfart zwischen Kühen und Hügeln für ein Hauch von Grand Prix Stimmung. Organisator der Rennläufe war damals der Velo-Moto-Club (VMC) Schupfart. 40 Jahre nun liegt das letzte Motocross-Spektakel zurück. «Dies hat und dazu bewogen, mit einem Revival die Geschichte des Motocross von einst und jetzt in einer einmaligen Veranstaltung aufzuzeigen», sagte VMC-Präsidentin Doris Müller.

Ziel der Veranstaltung ist es, hauptsächlich Maschinen von früher an Demoläufen zu zeigen. Zudem fahren in einem Schupfart-Revival-Lauf ehemalige Rennfahrer teil, die vor über 40 Jahren auf dem Schupfarter Kurs ums Treppchen gefahren sind. Müller sagte zu Veranstaltung, die auf den 17. Oktober angesetzt ist:

«Es ist keine Rennveranstaltung, sondern eine Präsentation und ein Showfahren von verschiedenen Epochen.»

Bei dem aktuell ältesten gemeldeten Motorrad handelt es sich um ein Seitenwagengespann aus dem Jahr 1955.

Wie damals vor über 40 Jahren werden auch am 17. Oktober wieder Seitenwagengespanne auf der Strecke zu sehen sein.

Wie damals vor über 40 Jahren werden auch am 17. Oktober wieder Seitenwagengespanne auf der Strecke zu sehen sein.

Bild: Zvg

Ein Seitenwagengespann von 1955

Bisher, so Müller, haben sich 64 Fahrer angemeldet, davon sind 13 bereits vor über 40 Jahren in Schupfart gestartet. «Es freut uns, dass wir bei vielen älteren Fahrern mit unserer Veranstaltung auf Resonanz gestossen sind», sagte Müller. Auch habe man bereits viele begeisterte Rückmeldungen erhalten, was die Zuschauererwartung für das Revival beim VMC von 1000 bis 2000 auf 5000 nach oben schraubte.

Die rund ein Kilometer lange Strecke selbst befindet sich am Dorfausgang Richtung Wegenstetten an der Wegenstetterstrasse auf dem Areal von insgesamt vier Landwirten. Stefan Müller, VMC-Vizepräsident, freute sich über deren Zusage:

«Rund zwei Drittel der Strecke entsprechen jener, auf der früher die WM-Läufe stattfanden.»

Um das Spektakel für die Zuschauer aufzuwerten, wird auf der Strecke eine Rampe gebaut, sodass Sprünge von rund 30 Metern zu erwarten sind.

Einer, der bereits früher dabei war und 1975 die legendäre Schlammschlacht gewann, ist der ehemalige Schweizer Meister Fritz Graf. «Nach einigen Runden waren die Startnummern an den Helmen unerkennbar, sodass wir bei Start-Ziel kurz langsam machen mussten, damit die Juroren mit dem Schwamm uns den Schlamm vom Helm putzen konnten, um uns zu erkennen», erinnerte er sich.

Europameister Walter Senn, 67, gibt mit seiner Maschine aus dem Jahr 1964 in Schupfart ordentlich Gas.

Dennis Kalt

Damals dabei war auch Walter Senn, der 2013 den Europameistertitel in der Classic-Serie ergatterte. Zu der Strecke in Schupfart sagte der 67- Jährige:

«Hier bin ich immer gern gefahren. Die Strecke liegt mitten in der Natur.»

Mehrere Kilometer Seil zum Schutz

Wichtig, so Stefan Müller, sei es an der Strecke, zum Schutz der Fahrer und Zuschauer die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. So müsse man den Kurs auf beiden Seiten mit über 1000 Pfählen und mehreren Kilometern Seil einsäumen. «Zusätzlich wird die Spur der Wegenstetterstrasse, die neben der Motorcrosstrecke verläuft, während der Veranstaltung gesperrt.»

Sorgen, dass das Revival coronabedingt ins Wasser fällt, macht sich Doris Müller kaum. Mit einem Budget von rund 20'000 Franken sei das finanzielle Risiko gering. Schade wäre es da eher um das Stück Motorsportgeschichte, das noch einmal lebendig werden soll.