Kaisten

Schmuddel-Website dank Gemeinde gelöscht – diese will sich die Domain jetzt sichern

Seit dieser Woche ist die Schmuddel-Website unter www.ittenthal.ch vom Netz – die Gemeinde will sich die Domain sichern.

Es war ein Schritt mit Folgen: Nach der Fusion von Kaisten und Ittenthal meldete die Gemeinde 2010 die Domain www.ittenthal.ch ab und gab die Adresse damit frei. Man brauchte sie nicht mehr, die fusionierte Gemeinde hiess ja Kaisten. Das rächte sich: In den letzten Wochen nutzten Unbekannte nun die Domain, um darauf schlüpfrig-laszive Textbruchstücke sowie im Internet zusammengeklaute Fotos zu publizieren. «Die Story von den Plüsch-Handschellen» stand da auf der Site etwa oder, in schlechtem Deutsch, «Paar sucht Ihn Cham».

Seit dieser Woche ist die Website nun wieder vom Netz verschwunden. «Die gewünschte Seite ist nicht verfügbar», kommt als Rückmeldung, wenn man den Domainnamen www.ittenthal.ch eingibt. «Die Deaktivierung erfolgte auf Intervention der Gemeinde», sagt Gemeindeschreiber Manuel Corpataux. Die Gemeinde nahm, nachdem die AZ den dubiosen Inhalt der Website im April publik gemacht hatte, mit der Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität Kontakt auf und machte eine Meldung an das Bundesamt für Polizei. Aufgrund der Überprüfung der Domain habe die Registerbetreiberin Switch dann die Seite gesperrt, erklärt Corpataux das Vorgehen.

«Die Zusammenarbeit mit sämtlichen involvierten Stellen war jederzeit sehr gut und unsere Anliegen wurden sehr rasch bearbeitet», bilanziert der Gemeindeschreiber. Geprüft hat die Gemeinde auch eine Anzeige. «Aufgrund der Abwägung der Erfolgschancen wurde auf eine Anzeige verzichtet», so Corpataux.

Die Einschätzung, dass es eine Strafanzeige schwer haben dürfte, teilte auch Martin Steiger, Spezialist für Recht im digitalen Bereich, als der dubiose Inhalt publik wurde. «Die Ausgangslage der Gemeinde wird dadurch erschwert, dass sie den Domainnamen absichtlich und selbst löschen liess, inzwischen neun Jahre vergangen sind und der Domainname nicht dem Namen der heutigen Gemeinde entspricht», sagte Steiger im April im Interview. Man könne nicht ohne weiteres von einem Missbrauch oder von einer Rechtsverletzung ausgehen. Auf den ersten Blick sehe er nicht genügend Anhaltspunkte für eine erfolgreiche Strafanzeige.

Kein Schaden für Gemeinde

Die Gemeinde sei froh, dass die Seite nun nicht mehr aktiv sei, sagt Corpataux. Er ist überzeugt, dass weder die Gemeinde noch die beiden Ortsteile Kaisten und Ittenthal einen (Reputations-)Schaden erlitten hätten. «Es hat sich aber gezeigt, dass in Sachen Internet- und Cyberkriminalität und auch Datenschutz im Allgemeinen höchste Beachtung geschenkt werden muss», so Corpataux.

Die Einschätzung, dass der Vorfall wohl keinen Reputationsschaden für die Gemeinde mit sich bringe, teilte auch Steiger. «Einerseits existiert Ittenthal als Gemeinde seit gut neun Jahren nicht mehr, andererseits gibt kaum noch jemand einen Domainnamen direkt im Browser ein.» Fast alle Nutzer würden heute über Links und Suchmaschinen auf Websites gelangen. Wer nach «Ittenthal» google, erhalte zahlreiche andere Websites als Suchergebnisse angezeigt, zum Beispiel die offizielle Website der Gemeinde Kaisten und den Wikipedia-Eintrag.

Nochmals soll ein solcher Vorfall respektive Missbrauch des Brands «Ittenthal» aber nicht möglich sein. «Die Gemeinde wird nun versuchen, sich die Domain ‹Ittenthal.ch› zu sichern», erklärt Corpataux das weitere Vorgehen. Die Gemeinde müsse hierfür «eine Jahresgebühr in einem bescheidenen Umfang entrichten».

Wer den Domainnamen bei der Schweizer Registrierungsstelle sucht, bekommt die Meldung «gelöscht am 3. Juni» und den Hinweis, dass nun eine Übergangsfrist laufe. «Nach seiner Löschung befindet sich dieser DomainName für 40 Tage in der sogenannten Übergangsfrist», heisst es zur Erklärung. Während dieser Zeit könne der Name nicht neu registriert werden. Danach allerdings ist er wieder frei und kann geangelt werden – für Kaisten, Pardon: für Ittenthal, Ortsteil von Kaisten. Der Tipp von PR-Guru Klaus J. Stöhlker, was die Gemeinde mit der Internetadresse machen könnte: eine Quartier-Domain.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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