Seit längerer Zeit möchte Jürgen Schroff, Kapitän des «Löwen von Laufenburg», sein Fahrgastschiff verkaufen. Bislang noch ohne Erfolg, weshalb er eine weitere Saison in Angriff nimmt (siehe Box). Holger Grosse, derzeit Schiffskapitän am Mittelrhein, bekundet Interesse, das Schiff zu übernehmen, doch noch fehlt das Geld. Gemeinsam mit seiner Partnerin Susanne Schuhmann, die viel Erfahrung aus der Gastronomie mitbringt, und einem Unternehmensberater hat Grosse nun ein Konzept erarbeitet. Er möchte das Schiff umbauen. Es soll ein Freideck mit zahlreichen Aussensitzplätzen entstehen, damit die Passagiere die vorbeiziehende Landschaft im Freien geniessen können.

Die heutige Aufteilung mit einem grossen, permanent überdachten Aufenthaltsbereich sei nicht mehr zeitgemäss, ist Grosse überzeugt. Bei Sonnenschein soll ein Segel Schatten spenden und bei Regen soll eine Überdachung geschlossen werden können. «Weiter möchten wir den Innenbereich modernisieren und eine Küche einbauen», so Grosse. Optisch soll das Schiff dereinst an ein Holzfloss erinnern und so zumindest gefühlt die Tradition der Flösserei aufleben lassen.

Bis zu vier zweistündige Fahrten täglich würden Grosse und Schuhmann nach erfolgreicher Übernahme des Schiffes anbieten. Am Sonntag ist eine morgendliche Fahrt mit Frühstücksbuffet und Schleusung angedacht. «Der ‹Löwe von Laufenburg› ist das einzige Schiff in der Gegend, das eine Schleusenfahrt anbieten kann», schwärmt Grosse. «Für die Gäste ist das immer etwas Besonderes.» Weiter sind spezielle Apéro-, Pasta- oder Metzgete-Fahrten im Konzept vorgesehen. Nach Betriebsschluss soll das Schiff zum «schwimmenden Biergarten» am Rheinufer von badisch Laufenburg werden.

Auf sozialen Medien aktiv

Was für die Übernahme des Schiffes bislang allerdings fehlt, ist das nötige Geld. Für den Kauf des Schiffes, erste Umbaumassnahmen und Marketing rechnen Grosse und Schuhmann mit Kosten von 200 000 bis 250 000 Franken. Diese sollen nun mit einem Crowdfunding auf der Online-Plattform startnext.com gesammelt werden. «Das Crowdfunding-Projekt geht Mitte oder Ende April online», so Grosse. Im Rahmen der Kampagne können Unterstützer Gutscheine erwerben, die sie nach der Übernahme des Schiffs für lange Zeit einlösen können und werden so zu einem Teil «einer aussergewöhnlichen Schiffsübernahme am Hochrhein», wie Grosse sagt. Die Vorbereitungen für die Kampagne seien in vollem Gang.

Tatsächlich haben Grosse und Schuhmann auf Facebook bereits die Seite Fahrgastschifffahrt Laufenburg eingerichtet. Dort ist das Konzept ebenso gepostet wie Drohnenvideos von Laufenburg und vom Rheinabschnitt, der mit dem «Löwen von Laufenburg» befahren werden kann. Auch auf anderen sozialen Medien wie Twitter oder Instagram sind die beiden mit ihrer Idee bereits präsent.

Gast beim Förderverein Tourismus

Gestern Abend rührte Grosse zudem an der Generalversammlung des Fördervereins Tourismus Laufenburg auf Schweizer Seite die Werbetrommel. «Ich hoffe, dass der Verein und seine Mitglieder dann ihre Netzwerke aktivieren und auf das Crowdfunding aufmerksam machen», so Grosse. Er wünscht sich, dass sich sein Traum vom eigenen Schiff realisieren lässt, und ist bereit, sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen. «Sobald wir sehen, dass es klappt, kommen wir nach Laufenburg und suchen eine Wohnung», sagt er.