Zwischen Planungen und Alltagspraxis besteht oft ein gewaltiger Unterschied, doch die Erbauer des neuen Kraftwerks landeten mit ihren ökologischen «Ausgleichsprojekten» einen Volltreffer.

Das naturnah realisierte Aufstiegsgewässer am badischen Rheinufer funktioniert besser als erwartet, der sogenannte Schlitzpass auf Schweizer Seite lockt ebenfalls erfolgreich Fische an.

Speziell installierte Becken ermöglichten freiwilligen Helfern von Fischervereinen beidseits des Rheins, nicht nur sensible Zählaktionen, sondern auch Artenbestimmungen vorzunehmen.

Fisch- und flusskundige Leute

Die Energiedienst AG hatte bewusst fluss- und fischkundige Leute in die Fischzählung eingespannt. Zweifellos eine Herausforderung, weil auch akribisch Buch geführt werden musste.

Der sachte Umgang mit den Tieren, das Vermessen und die Artenbestimmung, erforderten Konzentration. Rolf Bürgi, Präsident Fischerverein Bezirk Rheinfelden, durfte sich auf zwanzig Mithelfende stützen und freut sich über die Resultate:

«Wir haben in den eigens für die Zählung eingebauten Becken während der Hauptaufstiegszeit in den Sommermonaten fast täglich kontrolliert und die Fische nach Art, Anzahl, Grösse und Besonderheiten bestimmt.»

Die gleichen Aufgaben musste sein badischer Kollege erfüllen: Michael Strittmatter, zweiter Vorsitzender vom Fischerverein Karsau, widmete sich mit seinem Team der Zählanlage im Bereich des neues Aufstiegsgewässers.

Und dort kamen auch wider Erwarten die meisten Fische an. «Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet», zeigt sich Jochen Ulrich, Leiter Ökologie und Werkdienst bei der Energiedienst AG, völlig überrascht. Demnach werde der «Fischeinstieg» etwa 900 Meter unterhalb des Kraftwerks angenommen, was die Zahlen bewiesen.

Dann nannte er konkrete Daten: Am Umgehungsgewässer wurden insgesamt 34 991 Fische und 35 verschiedene Arten, am Fischpass auf Schweizer Seite 5273 Fische und 24 unterschiedliche Arten gezählt.

«Sehr gute Erfolge zeigten sich unter anderem bei gefährdeten Arten im Rhein, wie zum Beispiel der Nase und der Äsche. Am Umgehungsgewässer wurden 448 Nasen und 20 Äschen registriert.»

Zum Vergleich: Bei der vom Schweizer Bundesamt für Umwelt koordinierten Fischzählung am Hochrhein 2005/06 wurden an allen 15 Fischaufstiegshilfen am Hochrhein insgesamt nur 157 Nasen und 7 Äschen gezählt.

«Nun aus Sicht von Energiedienst ein besonderer Erfolg, da speziell für diese beiden Arten jetzt Laichplätze im Umgehungsgewässer geschaffen wurden.» Beide Arten wurden übrigens laut Fischereiexperten auch im Fischpass auf Schweizer Seite gezählt.

Neben Äschen und Nasen sind auch Hechte, Bitterlinge, Stichlinge, Schneider und Felchen als Besonderheiten anzusehen. Die Artenvielfalt beeindruckt jedenfalls alle an dem Öko-Projekt Beteiligten.