Wahlen 2020

Roland Agustoni: Ein Kämpfer für den öffentlichen Verkehr tritt ab

GLP-Grossrat Roland Agustoni – hier im Streitgespräch mit Daniel Vulliamy (SVP) zur Einführung des Einwohnerrates in Rheinfelden im März 2014 – geht in die politische Pension.

GLP-Grossrat Roland Agustoni – hier im Streitgespräch mit Daniel Vulliamy (SVP) zur Einführung des Einwohnerrates in Rheinfelden im März 2014 – geht in die politische Pension.

Der Rheinfelder Roland Agustoni (GLP) tritt im Herbst nicht mehr zu den Grossratswahlen an. Damit geht nach 23 Jahren eine Politära zu Ende.

Nach der Wahl ist wie vor der Wahl. Dies trifft in diesem Jahr zumindest auf die Fricktaler Grossratsfraktion zu. Denn von den 17 amtierenden Grossräten in den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden treten 13 bei der Gesamterneuerungswahl im Oktober wieder an. Drei haben sich noch nicht entschieden. Einzig Roland Agustoni (GLP) hat auf die AZ-Umfrage geantwortet: «Ich trete nicht mehr an».

Er gehe samt seinen politischen Aktivitäten in Pension, erklärte der Rheinfelder, der in diesem Jahr 65 wird. Dies sei für ihn immer klar gewesen. Sein Verzicht auf eine erneute Kandidatur ist auch Ausdruck seines demokratisch-partizipativen Denkens. Er erachte das Pensionsalter als den Zeitpunkt, seinen aktiven Platz für jüngere frei zu machen – «egal, wo auch immer».

Die Ansage hat er bereits vor längerer Zeit gemacht. Und er hält sich daran. Das zeigt auch einiges über den Menschen Agustoni: Er hält sich, anders als andere Politiker, nicht für unersetzlich.

Er glaube nicht, dass ihm nach dem Ende der Politkarriere etwas fehlen werde, sagt er zur AZ. «Ich hatte ja genügend Zeit, mich darauf vorzubereiten.»

Halbstundentakt auf dem S1-Ast nach Laufenburg

Mit Agustoni tritt in diesem Jahr ein Politiker von der kantonalen Bühne ab, der viel für das Fricktal geleistet hat, der, Zug um Zug, dafür gekämpft hat, dass der öffentliche Verkehr im Fricktal auf der Schiene bleibt respektive auf die Schiene kommt. Seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass der Halbstundentakt auf dem S1-Ast zwischen Laufenburg und Stein umgesetzt wird.

Seine Motion wurde – nicht zuletzt dank dem parteiübergreifenden Zusammenstehen der Fricktaler Grossräte und dem Lobbying der Fricktaler in ihren Fraktionen – entgegen dem Willen der Regierung überwiesen.

Der Regierungsrat hat damit nun den verbindlichen Auftrag, dem Grossen Rat einen Umsetzungsvorschlag samt Kreditbeschluss zu unterbreiten. Politfuchs Agustoni weiss aber genau: Noch ist die Umsetzung nicht unter Dach. Die Fricktaler Grossräte müssten, sagte er nach der Überweisung seiner Motion zur AZ, aufmerksam bleiben.

Erfolg misst sich in der Politik nicht zuletzt daran, ob man für (s)eine Vorlage oder (s)einen Vorstoss eine Mehrheit findet respektive ob man einen Kompromiss zimmern kann, mit dem alle leben können. Er glaube, dass ihm da parteiübergreifend doch einiges gelungen sei, sagt Agustoni, der sich auf Verkehrs- und Raumplanungsthemen spezialisiert und sich auch grenzüberschreitend im Oberrheinrat für das Fricktal engagiert hat. Die Überweisung der Motion zum Halbstundentakt sei dabei sicher der Höhepunkt gewesen.

Zur Politik gehören, das weiss Agustoni, auch Niederlagen. Sie sind quasi systemimmanent. «Was sind denn Misserfolge?», fragt er rhetorisch zurück und gibt dann seine Definition: «Für mich ist jede verlorene Abstimmung im Rat ein Misserfolg, weil ich mir deren Auswirkungen stets vor Augen führe.» Als Misserfolge werte er auch verlorene Kommissionsdebatten, «die trotz enormer Vorbereitung und guter Dossier-Kenntnisse an festgefahrenen Meinungen gescheitert sind».

Das Fricktal ist gut aufgestellt

Während die meisten Grossräte in der AZ-Umfrage die Zusammenarbeit der Fricktaler Grossräte als sehr gut bis hervorragend bewerteten, zieht Agustoni – auch das ist typisch für ihn – eine etwas nüchternere Bilanz. «Es ist nicht immer ganz so einfach, alle unter dem Lindenbaumbanner zu vereinen», sagt er.

Gelinge dies jedoch, stiegen die Erfolgsaussichten deutlich. Als Beispiel nennt er den Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW); hier gelang es den Fricktaler Grossräten, den Kantonsbeitrag an den TNW entgegen dem Willen der Regierung im Budget zu behalten.

Ohnehin: Das Fricktal sei heute in fast jeder Beziehung gut aufgestellt, bilanziert Agustoni. Beim Berufsbildungszentrum Fricktal brauche es allerdings «noch etwas Schub», mahnt der GLP-Politiker, und das Fricktal dürfe seine Innovationskraft nicht verlieren.

Es brauche weiterhin starke politische Stimmen im Kanton, «wollen wir nicht zu einer Randregion verkommen und so zwischen den Polen Basel und Zürich aufgerieben werden».

Die Gesamtbilanz über die laufende Legislatur fällt für Agustoni dagegen aufgrund der Sparpakete und Kürzungen vorab im Umweltbereich, aber auch in der Jugend- und Familienpolitik sowie bei der Bildung «eher ernüchternd» aus. Für Roland Agustoni ist es die letzte Legislaturbilanz als Grossrat. Er tritt nach 23 Jahren aus dem Kantonsparlament ab. Für ihn gibt es in der Legislative dieses Jahr kein: Nach der Wahl ist vor dem Amt.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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