Viele Mehler Herzen hängen an der «Rösslischüüre». Das alte Gebäude an der Möhliner Hauptstrasse diente unter anderem dem traditionellen Lehrertheater während fast 30 Jahren als Spielort und wurde so – quasi im Schatten des Theaters – auch weit über die Grenzen des Dorfes hinaus bekannt.

Es ist ein Hochstudhaus mit hohem Giebel, wie sie im 16. und 17. Jahrhundert gebaut wurden. Eines der letzten seiner Art in Möhlin. Es überrascht daher kaum, dass Pläne für Umbauten oder Umnutzungen der «Schüüre» in der Vergangenheit immer viel Beachtung fanden. Und solche Pläne gab es schon einige. Ein Restaurant mit grossem Saal war einst angedacht, dann ein Hotel, zuletzt ein Bistro und Gewerberäume.

Umgesetzt wurde bisher allerdings keines der Vorhaben. Das dürfte sich im kommenden Jahr nun ändern – es gibt ein neues Bauprojekt. Dahinter steht der Möhliner Reto Weidmann. Er hat das gesamte Projekt vor knapp zwei Jahren gemeinsam mit einem Geschäftspartner von Architektin Marina Zimmermann gekauft.

Ein reines Gewerbehaus

«Für die ‹Rösslischüüre› lag bei unserer Projektübernahme eine Baubewilligung vor», sagt Weidmann. Geplant war damals das besagte Gewerbehaus mit Bistro. «Wir haben uns nach der Übernahme Gedanken zu dieser Nutzung gemacht und entschieden, ein reines Gewerbehaus zu erstellen.» Dies vor allem auch vor dem Hintergrund, dass es in unmittelbarer Nähe mehrere ähnliche Angebote gäbe. Da sind einerseits das neue Café Maier gleich nebenan sowie das Café der Bäckerei Aukofer in der Migros, andererseits auch das Restaurant Sonne oder das Café Wolke 7. «Wir möchten den Bogen nicht überspannen», so Weidmann.

Geplant ist nun, die Bausubstanz der «Rösslischüüre» grundsätzlich zu erhalten und zu sanieren. «Von der Hauptstrasse gesehen wird sich am Bild der ‹Rösslischüüre› kaum etwas ändern», sagt Reto Weidmann. Kleine Modifikationen seien lediglich im hinteren Teil des Gebäudes geplant. So soll etwa das Dach teilweise geöffnet werden, um für Tageslicht im Gebäudeinnern zu sorgen.

«Es ist für mich als Möhliner und Möhliner Unternehmer speziell, dass ich die ‹Rösslischüüre› – ein Gebäude, das in Möhlin viele Emotionen weckt – in eine Zukunft führen kann», sagt Weidmann. Es sei ihm deshalb ein Anliegen, dass er «hier ein schönes Projekt und ein Schmuckstück für das Dorf» realisieren könne.

Neues Baugesuch eingereicht

Das neue Baugesuch für die Sanierung der «Rösslischüüre» haben die beiden Investoren bereits eingereicht. «Wir rechnen damit, dass die Baubewilligung noch in diesem Jahr eintrifft und planen einen Baustart auf Anfang 2019», sagt Weidmann. Gemäss aktuellem Stand geht er von einer Bauzeit von gut einem Jahr aus. Ziel ist demnach ein Bezug im Jahr 2020. Die genaue Nutzung ist noch offen, vorgesehen ist derzeit «stilles Gewerbe» auf allen Etagen, so Weidmann.

Ebenfalls zum Kaufvolumen gehörten die beiden Bauprojekte neben der Rösslischüüre, die bereits umgesetzt sind. Auf der einst leeren Fläche an der Ecke Hauptstrasse/Brunngasse ist in den letzten beiden Jahren ein Wohngebäude mit acht Eigentumswohnungen entstanden. Die Wohnungen sind allesamt verkauft und grösstenteils auch schon bezogen. Zudem gibt es zwei Gewerberäume, wobei auch davon einer bereits verkauft ist. Für den zweiten Raum mit einer Fläche von rund 110 Quadratmetern haben die Investoren ein Umnutzungsgesuch gestellt. Es liegt seit gestern öffentlich auf. «Möglich ist, dass daraus weiterer Wohnraum entsteht», sagt Weidmann. «Das ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.»

Anstelle des ehemaligen Restaurants steht nun ebenfalls ein Wohngebäude mit zehn Mietwohnungen. Auch hier sei man mit dem Interesse «absolut zufrieden», sagt Weidmann. Von den zehn Wohnungen sind acht vermietet und teilweise auch bereits bezogen.

Schriftzug erinnert an Restaurant

Im Haus gibt es unter anderem sieben 2,5-Zimmer-Wohnungen. «Es zeigt sich einerseits, dass Kleinwohnungen gefragt sind. Andererseits ist die grosse Nachfrage auch ein Zeichen für den guten Standort zwischen dem neuen Café der Bäckerei Maier und der Migros», sagt Weidmann. «Wir sind überzeugt, dass die Bauten eine Aufwertung für den Dorfteil darstellen.»

Gleichzeitig erinnert sich Weidmann auch an die Geschichte des Bauplatzes. Am Wohngebäude haben die Investoren den alten Schriftzug des Restaurants wieder anbringen lassen, in Erinnerung an das ehemalige «Rössli». Das soll nicht die einzige Erinnerung bleiben an das, was einmal war. Auch die «Rösslischüüre» wahrt ihr Gesicht.