Das nasskalte Wetter hielt die Besucher nicht vom Kommen ab. So drängten sich am Samstagmorgen rund 50 Personen auf dem vom Regen aufgeweichten Areal. Luisa Galioto, Bereichsleiterin Ausgrabungen der aargauischen Kantonsarchäologie, hiess sie willkommen. Sie führte aus, dass das Fricker Ausgrabungsgelände einst an einer Kreuzung zweier römischer Strassen lag.

Bei der vorgefundenen Siedlung handele es sich eher um eine bäuerlich-handwerkliche. Und gerade deshalb liessen ihre Überreste wichtige Rückschlüsse auf die Sozial- und Wirtschaftsstruktur der damaligen Zeit zu.

Aufgrund der grossen Zahl wurden die Besucher in mehreren Gruppen über das Areal geführt. Raphael Annaheim, der eine Gruppe übernommen hatte, berichtete davon, dass seit Ausgrabungsbeginn im September sich 15 Mitarbeiter der Kantonsarchäologie auf dem Gelände befinden. Sie werden ihre Arbeit noch bis Weihnachten fortsetzen, danach ist bis März Pause.

Von Frühjahr bis August haben sie dann wieder Zeit, Fundamente freizulegen sowie Funde zu machen und diese zu dokumentieren. Danach wird das 1500 Quadratmeter grosse Gelände mit Wohnhäusern bebaut. Finanziert wird das 1,5 Millionen Franken-Projekt durch einen Kredit des Kantons. «Grosser Rat und Regierungsrat haben die Ausgrabungen genehmigt», sagte Annaheim.

Nach zweimonatiger Tätigkeit kennen die Experten schon einige Details aus der römischen Geschichte Fricks. Sie wissen aufgrund der freigelegten Fundamente, dass die Menschen damals schon in mehrgeschossigen Häusern lebten, die unseren heutigen Reihenhäusern ähnelten: bis zu 23 Meter lang und mit dem Giebel zur Strasse ausgerichtet. Wohnen und Arbeiten waren darin unter einem Dach vereint. Gesichert ist laut Luisa Galioto schon jetzt, dass die Siedlung vom 1.bis zum 3. Jahrhundert nach Christus bestanden hat. Aber noch sind ihre tatsächlichen räumlichen Dimensionen unbekannt.

Knochen, Tafelgeschirr und Nägel

Am Samstag konnten die Besucher auch einen Blick auf die in Frick gemachten römischen Funde werfen. Zahlreiche Tierknochen von Hunden, Schafen, Schweinen, Wildtieren und Rindern waren darunter. Aber auch Tonscherben und Bruchstücke von terra sigillata, eines höherwertigen Tafelgeschirrs, sowie Nägel aus Eisen gehören dazu. Ein Grossteil der Funde stammt aus einem mehrere Meter tiefen Schacht, den die Archäologen freilegten. Darin wurden in der Antike vermutlich Lebensmittel und andere Vorräte gelagert, um diese frisch zu halten.

Werden auf dem Areal Funde gemacht, säubern diese Mitarbeiter zunächst, dokumentieren und datieren sie grob. Doch die eigentliche wissenschaftliche Arbeit wird erst danach beginnen. Erst dann werden die Fachleute die Geschichte der römischen Besiedlung Fricks schreiben können.