Kaiseraugst

Roche hat bislang 59 Arbeitsplätze abgebaut – dreimal so viele fehlen noch

Blick ins neue IT-Innovationszentrum in Kaiseraugst.Bild: Keystone (22.11.2017)

Blick ins neue IT-Innovationszentrum in Kaiseraugst.Bild: Keystone (22.11.2017)

In der Verpackungseinheit in Kaiseraugst verschwinden in den nächsten Jahren 235 Arbeitsplätze. Dafür sind 700 in der IT hinzugekommen.

Es war für den Standort Kaiseraugst ein Wechselbad der Gefühle: Anfang November 2017 kündigt Roche den Abbau von 235 Stellen in der Verpackungseinheit am Standort Kaiseraugst an. Zwei Wochen später eröffnet der Pharmakonzern, nicht weit von der Verpackungseinheit entfernt, das fast eine Milliarde Franken teure IT-Zentrum; über 700 Mitarbeitende zügeln von Basel nach Kaiseraugst.

Zwei Jahre später. Aktuell arbeiten rund 2800 Personen für Roche in Kaiseraugst. Von den 235 Stellen, die in der Verpackung wegfallen, sind bislang 59 abgebaut, wie Roche-Sprecher Karsten Kleine auf Anfrage der AZ sagt. Damit ist ein Viertel des angekündigten Abbaus umgesetzt.

«Rund die Hälfte konnten aufgrund von natürlichen Fluktuationen, Nichtbesetzen von Stellen oder vorzeitiger Pensionierungen abgefangen werden», sagt Kleine. Die «Kaiseraugst Packaging Transformation», wie das Projekt offiziell heisst, sei auf mehrere Jahre angelegt und schreite planmässig voran, bilanziert Kleine.

Die Stellenreduktionen erfolgen «in Abhängigkeit von den jährlich abnehmenden Packaging-Volumen und aktuellen Volumen-Prognosen», so Kleine. Während der gesamten Transformation würden Mitarbeitende in regelmässigen Abständen über die Termine und Pläne informiert.

Roche hat sich mit den Arbeitnehmervertretungen für den Stellenabbau auf einen Sozialplan geeinigt, «der betroffene Mitarbeitende durch individuelle Massnahmen wie beispielsweise Optionen zu einem internen Arbeitsplatzwechsel, Weiterbildungen und Hilfe bei der beruflichen Neuorientierung unterstützt», sagt Kleine. Roche nehme zudem für betroffene Mitarbeitende über 55 Jahre «aufgrund der potenziell erschwerten Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt eine besondere Verantwortung wahr».

Szenenwechsel. Nicht weit von der Verpackungseinheit entfernt steht das neue IT-Zentrum. Hier arbeiten aktuell rund 800 Mitarbeitende. Das neue Zentrum hat sich bewährt. Es sei ein «Stützpunkt für die IT-Kollegen der globalen IT-Funktionen», sagt Kleine. «Es ist ein Ort, an dem wir Innovationen fördern und das Wissen und die Erfahrung aller IT-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter und von unseren Geschäftspartnern verbinden.» Im IT-Innovationslabor würden zudem neue Ideen erforscht. Man lerne stets weiter dazu und verbessere das Konzept kontinuierlich, sagt Kleine. «Seit unserem Umzug nach Kaiseraugst haben wir das Konzept optimiert und unsere Mitarbeiter dabei unterstützt, das Potenzial der Räumlichkeiten auszuschöpfen.» Dazu gehöre auch, dass das räumliche und organisatorische Set-up auf der Grundlage von Beobachtungen und Feedbacks der Mitarbeitenden angepasst werde.

Investitionen von über einer Milliarde Franken

Insgesamt hat Roche seit 2015 mehr als eine Milliarde Franken in den Standort Kaiseraugst investiert. Neben dem IT-Innovationszentrum wurden Gebäude für die HR-Abteilung, die Ausbildungsabteilung inklusive Schullabor, Service-Gebäude, Parkhäuser und eine grosszügig begrünte Parkanlage erstellt. «Ausserdem haben wir eine neue Launch Facility für Small Molecules in Kaiseraugst fertiggestellt», sagt Kleine. Mit dieser «zusätzlichen substanziellen Investition in ein Produktionsgebäude» sei ein Meilenstein in der Arealentwicklung von Kaiseraugst abgeschlossen. Zurzeit sind keine weiteren Investitionen in neue Gebäude am Standort Kaiseraugst geplant.

Die Investitionen sprechen für sich: Der Standort Kaiseraugst ist für Roche zentral. Kleine spricht von einem «zentralen Eckpfeiler des weltweiten Produktions- und Logistiknetzwerks von Roche» und «einem bedeutende IT-Stützpunkt». «Dies ist ein klares Bekenntnis zur Region», so Kleine. Kaiseraugst sei ein wichtiger Teil des Hauptsitzes von Roche. «Der integrierte Standort Basel/Kaiseraugst bildet die gesamte Wertschöpfungskette ab.»

Kaiseraugst kann den Steuerfuss um 11 Prozentpunkte senken

Roche ist umgekehrt auch zentral für Kaiseraugst. Der Pharmamulti ist nicht nur der grösste Arbeitgeber in der Gemeinde, er spült auch viel Geld in die Gemeindekasse. Wegen «höherer Steuererträge bei juristischen Personen und Quellensteuern natürlicher Personen» will die Gemeinde auf nächstes Jahr hin den Steuerfuss senken – und zwar gleich um satte elf Prozent. Welche Unternehmen für die höheren Steuererträge besorgt sind, sagt die Gemeinde nicht. Es liegt aber auf der Hand, dass Roche zumindest für einen Teil der höheren Steuereinnahmen verantwortlich ist.

Stimmt der Souverän an der Gemeindeversammlung der Steuerfusssenkung zu – und davon ist auszugehen –, sinkt der Steuersatz auf 70 Prozent. Die Gemeinde dürfte damit einige Plätze auf der Aargauer Steueroasen-Liste gutmachen. Heute liegt Kaiseraugst auf Platz 10 der steuergünstigsten Gemeinden. Belassen alle Gemeinden vor Kaiseraugst ihren Steuerfuss auf dem Niveau von 2019, kommt Kaiseraugst hinter Oberwil-Lieli (57 Prozent) und Meisterschwanden (65) auf Platz 3. Allerdings hat Geltwil bereits angekündigt, den Steuerfuss auf 50 Prozent zu senken.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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