Bahnverkehr

Rheintallinie: Planungsverband Fricktal Regio macht sich für eine Wiedereröffnung stark

Heute verkehren die Züge nur bis Laufenburg. Künftig sollen sie auch wieder zwischen Laufenburg und Koblenz verkehren.

Heute verkehren die Züge nur bis Laufenburg. Künftig sollen sie auch wieder zwischen Laufenburg und Koblenz verkehren.

Die Idee die Bahnstrecke wieder in Betrieb zu nehmen, stösst beim Planungsverband auf ein gutes Echo. Präsident Christian Fricker fordert vom Kanton, besser gehört zu werden.

Die Idee, die stillgelegte Bahnlinie dem Rhein entlang zu reaktivieren, gewinnt weiter an Fahrt. Nachdem Politiker das Thema in den letzten Monaten schon im Gross- und im Nationalrat ins Rollen gebracht haben, setzen nun die beiden Planungsverbände Fricktal Regio und Zurzibiet Regio nach.

Sie sehen in der Wiedereröffnung der Bahnlinie zwischen Koblenz und Laufenburg «Potenzial für die Verbesserung der verkehrsmässigen Erschliessung und die Entwicklung der beiden Regionen», schreiben sie in der Einladung zu einer Informationsveranstaltung am 23. Januar. Hier wollen die Verbände fühlen, ob die Wiedereröffnung einem regionalen Bedürfnis entspricht.

Die Bahnlinie dem Rhein entlang von Winterthur nach Basel war bis in die 1990er-Jahre hinein für den Personenverkehr in Betrieb. Dann wurde der Streckenabschnitt Laufenburg-Koblenz stillgelegt; auf der einspurigen Strecke verkehren seither nur noch Güterzüge.

Das soll sich nach Ansicht der «Arbeitsgemeinschaft Pro WiBa» und mehrerer Kantons- und Bundesparlamentarier ändern. Neben einer Stärkung der Regionen erwarten die Promotoren von der Wiedereröffnung auch einen Zeitgewinn für Reisen von Winterthur nach Basel und eine Entlastung der heute stark ausgelasteten Linien durch den Böz- und den Heitersberg.

Was den Initianten zudem sauer aufstösst: Der Bund beteiligt sich mit rund 200 Millionen Franken am Ausbau der Hochrheinstrecke auf deutscher Seite. Es gehe nicht an, sagte Neo-Ständerat Hansjörg Knecht kürzlich an einer Veranstaltung, dass in Deutschland so viel Geld investiert werde und man gleichzeitig die Rheintallinie auf Schweizer Seite vernachlässige.

Viel Überzeugungsarbeit ist noch nötig

Das Interesse an einer Wiedereröffnung hält sich bei Kanton, Bund und SBB bislang allerdings in engsten Grenzen. Dies sieht Christian Fricker, Präsident des Planungsverbandes Fricktal Regio, auch als eine der Klippen auf dem Weg zur Wiedereröffnung der Bahnlinie. «Wir müssen die Entscheidungs- und Kostenträger von der Notwendigkeit dieses Bahnastes überzeugen.»

Er erhofft sich neben einer Entlastung auf der Achse Basel-Brugg-Zürich vor allem eine «bessere und breitere Erschliessung mit öffentlichem Verkehr des Gebietes ab Stein dem Rhein entlang». Gerade auch das Sisslerfeld, für das ab 2020 eine Testplanung läuft und wo in einigen Jahren mehrere Tausend neue Arbeitsplätze entstehen sollen, ist auf eine gute Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr angewiesen. «Sobald die weitere Überbauung des Sisslerfeldes angegangen wird, ist es von zentraler Bedeutung, dass in diesem Raum auch ein Bahnhof betrieben werden kann», sagt Fricker.

Die Wiedereröffnung der Bahnstrecke ist nicht kostenlos zu haben. Der Bundesrat sprach in seiner Antwort auf eine Anfrage von Thomas Hardegger (SP) im letzten Jahr von Investitionen in die Infrastruktur auf mehreren Abschnitten. Für Fricker ist das noch kein Argument gegen das Projekt.

«Wenn der Kanton hohe Summen für andere Regionen ausgeben will, sehen wir es als fair an, dass er das auch im Fricktal tut», findet er und nennt als Beispiel das Projekt Oase, bei dem gegen eine Milliarde Franken in eine bessere Verkehrserschliessung und Entlastung der Region Baden/Brugg investiert werden.

Unterschiedlich beurteilt wird unter Politikern, wo der Zug überall halten sollte. Im Fricktal ist von Haltestellen in Rheinfelden und Stein die Rede. Für ÖV-Spezialist Roland Agustoni (GLP) macht eine Ertüchtigung der Strecke aber nur dann Sinn, wenn auch die Seitentäler angehängt werden und der Zug ebenfalls in Etzgen, Laufenburg und Sisseln hält.

Fricker ist da vorsichtig. «Die Linie hat vor allem dann eine Chance auf eine Wiedereröffnung, wenn auf ihr Züge verkehren, die schneller sind als die über Zürich», sagt er. Das sei mit vielen Halten weniger gut möglich. Die Planung sei aber noch nicht soweit.

Halbstundentakt ist ein «Akt der Fairness»

Für Agustoni kommt die Idee, die Rheintalstrecke zu reaktivieren, im falschen Moment. Wichtiger sei vorerst, den Halbstundentakt auf dem S1-Ast zwischen Laufenburg und Stein umzusetzen. Der Grossrat hat eine entsprechende Motion – also einen verbindlichen Auftrag – von Agustoni gegen den Willen der Regierung überliefert.

Unter Dach ist die Frequenzerhöhung erst, wenn das konkrete Projekt bewilligt ist.
Auch für Fricker ist klar: Der Halbstundentakt zwischen Laufenburg und Stein ist für die Region wichtig. «Er ist für das Gebiet im nordöstlichen Teil des Fricktals zentral und ein Akt der Fairness, da in Richtung Basel und Zürich der Halbstundentakt eingeführt ist», sagt er und verweist darauf, dass in anderen Regionen des Kantons sogar der Viertelstundentakt gelte.

«Manchmal scheint uns, dass sich das Fricktal immer laut und wiederholt wehren muss, um jenseits des Juras gehört zu werden», bilanziert Fricker. Das Fricktal sei eine starke, wichtige Region und «verlangt, bei den Investitionen in die Verkehrsinfrastrukturen auch zum Zug zu kommen».

Verwandtes Thema:

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

Meistgesehen

Artboard 1