Zwischen dem Dröhnen des Schlagbohrers und dem Quietschen der Hydraulik des Wagenhebers kündigt ein lauter Knall den strammen Sitz des Reifens auf der Felge an. Roman Oechslin, Filialleiter des Pneuhaus Frank in Hornussen, kennt diese Geräuschkomposition nur zu gut. «Das ist wie an einer Bahnlinie zu wohnen: Irgendwann blendet man den Krach aus.»

Momentan müssen Oechslin und sein Team noch keine Überstunden schieben – derzeit bereifen sie etwa 25 Autos täglich – doch der Pneu-Experte weiss: Der Run kommt. «Kurz nach Ostern geht die Post ab. Dann werden die Pneus im Akkord gewechselt.» An Spitzentagen bereifen je drei Mechaniker an zwei Hebebühnen bis zu 60 Autos. «Zwar können wir nicht mit einem Formel-1-Boxenstopp mithalten, läuft es jedoch gut, wechseln wir einen Pneusatz in zehn Minuten», sagt Oechslin.

Zwar gibt es für die Kunden keine Terminvergaben, dennoch herrscht an den Spitzentagen ein gewaltiger Druck, die zweispurige Warteschlange vor der Werkstatt nicht zu lang werden zu lassen. «Stehen viele Autos vor der Werkstatt, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass ein potenzieller Kunde sich es anders überlegt», so Oechslin. Erst vor zwei Jahren habe man vor der Einfahrt in die Werkstatt eine zweite Wartespur eingerichtet. «Vorher gab es Tage, an denen die Warteschlange bis an die Zeiherstrasse gereicht hat», so Oechslin. Dies sei zuweilen ungünstig für den Durchfahrtsverkehr zwischen Hornussen und Zeihen gewesen.

Sicherheit vor Geschwindigkeit

Wichtiger als die Geschwindigkeit sei die Sicherheit, so Oechslin. Jede Radmutter müsse festsitzen, um auszuschliessen, dass der Kunde bei der Fahrt aus der Werkstatt von seinem Rad überholt werde. So hängt an der Wand eine Liste aus, die für jedes Automodell angibt, mit welchem Drehmoment die Radschrauben angezogen werden müssen. «Bei unseren Lehrlingen kontrollieren wird den Sitz der Schrauben immer nach», sagt Oechslin.

Was man in der Werkstatt häufiger zu sehen bekäme, seien verkratzte Felgen, erzählt Oechslin. «Wenn der Mann bei uns ist, war es seine Frau, und wenn die Frau mit dem Auto vorbeikommt, war es ihr Mann», erzählt er amüsiert. «Nie will es jemand gewesen sein.»

Keine zehn Kilometer weiter zieht auch das Geschäft von Thomas Schweizer, Inhaber der Auto Pneu Schweizer AG in Oeschgen, an. «So richtig los, geht es bei uns kurz vor Ostern. Dann werden über mehrere Wochen bis zu 50 Autos pro Tag bereift. Im Gegensatz zum Pneuhaus Frank vergibt Schweizer für den Pneuwechsel Termine. «An den Spitzentagen herrscht viel Druck. Verzögerungen müssen vermieden werden, um die Terminvorgaben einzuhalten», so Schweizer.

In der Werkstatt lagert Schweizer rund 4000 Pneus der Kunden ein. «Hat ein Reifen weniger als drei Millimeter Profiltiefe, empfehlen wird dem Kunden grundsätzlich, einen neuen Reifen zu montieren», sagt Schweizer. Viele seiner Kunden kämen dieser Empfehlung nach – einige jedoch nicht, weil sie sparen wollten. Manchmal, so Schweizer, müssten diese Kunden dann ein zweites Mal zum Pneuwechsel kommen, weil nach wenigen TausendKilometern die gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern unterschritten wird. «Im Endeffekt sparen sie also kein Geld – im Gegenteil», sagt er.