Ehrgeizig sind die Pläne des Stadtrates allemal. Er will der Altstadt für die gemischte Wohnbevölkerung attraktiv machen und ihr damit wieder Leben einhauchen. Weil dies auch der Souverän möchte, hat er vor rund drei Jahren ein Altstadtkonzept bewilligt, dass die Kompetenzen des Stadtrates ausweitet. Insgesamt 20 Millionen Franken darf er in die Hand nehmen – 3,5 Millionen pro Projekt –, um Liegenschaften zu kaufen, zu sanieren und zu vermieten.

Nach dem Kauf einer ersten Liegenschaft im Sommer – gemeint ist diejenige an der Marktgasse 169 mit insgesamt fünf Wohnungen – informierte Vizeammann Meinrad Schraner am Freitag an der Gemeindeversammlung über zwei weitere Projekte.

So soll der «Adler» zum Preis von 1,38 Millionen Franken erworben und mit drei neuen Wohnungen für bis zu 1,8 Millionen Franken ausgestattet werden. Auch den Kauf des ehemaligen Hotel Schützen nimmt der Stadtrat ins Auge.

1,38 Millionen Franken beträgt der Kaufpreis für den «Adler».

1,38 Millionen Franken beträgt der Kaufpreis für den «Adler».

Hier gibt es mit der Umnutzung des «Schützen» zu einem Motel und dem Bau eines Parkhauses mit 200 Plätzen ebenfalls erste Ideen. Doch der Zuschlag für die Stadt ist alles andere als sicher: Ein Investor hat sein Interesse an der Liegenschaft bekundet.

«Nägel mit Köpfen machen»

Für Christian Winter, Präsident der CVP-Ortspartei, ist es wichtig, dass die Stadt den Zuschlag für die «Schützen»-Liegenschaft erhält. Andernfalls befürchtet er, dass der private Investor die Liegenschaft «notdürftig saniert», um aus dieser möglichst viel Mietzins herauszupressen. «Dass sich jemand mit dieser Liegenschaft durch die Einrichtung von Sozialwohnungen bereichert, wäre für die Stadt finanziell und imagemässig kontraproduktiv», sagt er. Die Idee eines Parkhauses auf dem Areal hält Winter angesichts des Parkplatzmangels für eine «lösungsorientierte Überlegung». Da die CVP-Ortspartei das Altstadtkonzept unterstützt, findet Winter es positiv, dass der Stadtrat mit dem Erwerb des Adlers «Nägel mit Köpfen» machen will.

FDP-Vorstandsmitglied René Leuenberger hält es für wichtig, dass die markante Liegenschaft am Marktplatz in die Hände der Stadt kommt, «damit diese so zurechtgemacht werden kann, wie es sein muss» und um «eine Zerstückelung» der Liegenschaft durch mehrere Besitzer zu verhindern. Hinsichtlich des «Schützen» geht Leuenberger in die gleiche Richtung wie Winter. «Die Stadt muss sich den ‹Schützen› sichern», sagt er. Dies, weil es nicht sein könne, dass in dieser bedeutenden Liegenschaft «Sozialzimmer für Minderbemittelte» eingerichtet werden, für deren Miete die Allgemeinheit aufkommen müsse. «Natürlich braucht es Sozialwohnungen – aber nicht in dieser Liegenschaft, die sich in der Nähe zur Schule befindet», sagt er. Vor diesem Hintergrund hält es Leuenberger auch für legitim, wenn der Stadtrat «ein paar Franken» mehr ausgeben würde, als er für den Kauf der Liegenschaft investiert hat.

Feuerwehreinsatz beim Schützen in Laufenburg

Brand im «Schützen»: Brandstifter wollte das ehemalige Hotel in die Luft sprengen

Im Laufenburger «Schützen» ist am 15. Januar ein Feuer ausgebrochen. Sieben Personen erlitten eine Rauchvergiftung; eine Person wurde mit dem Helikopter ins Spital Zürich geflogen. Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg hat Ende Oktober gegen einen 24-jährigen Schweizer im abgekürzten Verfahren Anklage erhoben wegen qualifizierter Brandstiftung und weiterer Delikte. Sie beantragt unter anderem eine Freiheitsstrafe von vier Jahren, aufgeschoben zugunsten einer stationären therapeutischen Massnahme.

Silvia Blaser führt bereits seit 43 Jahren das Hotel Bahnhof garni, das nur rund 100 Meter vom ehemaligen Hotel Schützen entfernt liegt. Die Hotelbetreiberin räumt einem Motel an der Kantonsstrasse keine schlechten Erfolgsaussichten ein. «Wir haben im oberen Fricktal zu wenige Hotelzimmer. Gerade Monteure und Handwerker, die die kurzfristig für Aufträge in die Region reisen, sind immer wieder auf der Suche», sagt Blaser. Vor diesem Hintergrund sei auch die Nähe zum Sisslerfeld mit den Konzernen DSM, Novartis und Syngenta ein Vorteil.

Stammkundschaft aufbauen

Blaser hat mit dem «Schützen» als Hotel bereits selbst Erfahrungen gemacht, als sie die Liegenschaft für zwei Jahre pachtete. Aufgrund der direkten Lage an der Kantonsstrasse habe sich so manch ein Gast aufgrund der Lärmemissionen beschwert. «Heutzutage – mit der geeigneten Schalldämmung – ist dies aber kein Problem mehr», sagt sie. Entscheidend für Erfolg oder Misserfolg wird vielmehr sein, «ob der neue Gastgeber sich voll reinhängt und es schafft, eine Stammkundschaft aufbauen». Diese sei es nämlich auch, die in Blasers Hotel Bahnhof garni bereits über vier Jahrzehnte für Umsatz sorge.