Vor gut 13 Jahren hat Michael Ebner den Schritt in die Schweiz unternommen. Vorher führte er bereits einige Jahre eine Gartenbaufirma in Obersäckingen auf deutscher Rheinseite. Doch: «Die Hochrheinschiene alleine ist zu schmal und der Schwarzwald eher dünn besiedelt», sagt Ebner. «Für mich war deshalb immer klar, dass ich auch in der Schweiz tätig sein werde.» Der geografische Halbkreis auf badischer Seite gebe nicht genügend Kunden her. «Ich brauche den ganzen Umkreis», so Ebner.

Während maximal 90 Tagen pro Jahr kann ein Handwerksbetrieb aus der Europäischen Union in der Schweiz bewilligungsfrei Aufträge ausführen. Wer mehr Aufträge ausführen will, kann eine Bewilligung beantragen. Auf eine Bewilligungserteilung für Aufträge, welche die 90 Tage überschreiten, bestehe allerdings kein Anspruch, sagt Samuel Helbling, Leiter Kommunikationsdienst des kantonalen Departements für Volkswirtschaft und Inneres. Es gälten verschiedene Voraussetzungen wie etwa die Verfügbarkeit eines Kontingents oder das gesamtwirtschaftliche Interesse der Schweiz.

Umsatz in der Schweiz schwankt

«Diese 90 Tage reichten bald nicht mehr aus», sagt Michael Ebner. Also gründete er 2005 eine Niederlassung in Frick. Der Schritt habe Einiges an bürokratischem Aufwand mit sich gebracht, sagt Ebner weiter. So brauche er etwa sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz jeweils einen Steuerberater und müsse die Administration koordinieren.

Dafür erwirtschaftete er mit seiner 12-köpfigen Belegschaft in den Spitzenjahren auch bis zu 50 Prozent des Umsatzes in der Schweiz. «Dieser Prozentsatz schwankt jedoch», so Ebner. «Im laufenden Jahr machen wir zwischen 70 und 80 Prozent des Umsatzes in Deutschland.»

Ebner sagt, der Schritt in die Schweiz habe sich für sein Unternehmen gelohnt. Dennoch gibt es derzeit nicht viele Deutsche Handwerker aus dem grenznahen Raum, die es ihm gleichtun. «Vielen ist die Bürokratie zu gross», sagt Ebner. Und wie reagieren die Schweizer Handwerker auf die deutsche Konkurrenz? Er habe in all den Jahren kaum Kontakt mit anderen regionalen Gartenbauunternehmern gehabt, so Ebner. Die Frage könne er deshalb nur schwer beantworten. «Erfreut sind sie aber wohl nicht.»

Franziska Bircher, Präsidentin des Gewerbes Region Frick-Laufenburg und Vertreterin des Bezirks Laufenburg im Aargauischen Gewerbeverband, ist bekannt, dass es deutsche Handwerker gibt, die im Fricktal Firmen gegründet haben. «Aktuell stellen wir aber keine markante Zunahme fest», sagt sie. Alfons P. Kaufmann, Vertreter des Bezirks Rheinfelden im Aargauischen Gewerbeverband, sagt, im unteren Fricktal sei das Phänomen der Firmengründung von deutschen Handwerkern eher wenig bekannt. «Allerdings nimmt bei uns die Schattenwirtschaft zu», hat Kaufmann festgestellt. Handwerker aus dem Ausland kämen oft in unbeschrifteten Fahrzeugen und erledigten Aufträge.

Die Gründung einer Niederlassung sei da «die ehrliche Art», so Kaufmann weiter. «Dann gelten die gleichen Lohnbedingungen und allgemein verbindliche Gesamtarbeitsverträge müssen eingehalten werden.» Einzig beim Materialeinkauf könnten die Schweizer Niederlassungen von deutschen Firmen allenfalls noch ein wenig sparen.

Kontrollen wichtig

Michael Ebner bestätigt, dass sich seine Angebote preislich kaum von denen der Schweizer Mitbewerber unterscheiden. «Wir machen keine Dumping-Angebote», sagt er. Durch die Vorschriften bezüglich Mindestlohn und Spesen sei sein Unternehmen praktisch nicht günstiger als Schweizer Angebote. «Wir haben schon oft erlebt, dass wir einen Auftrag wegen des Preises nicht erhalten haben.»

Franziska Bircher betont die Wichtigkeit der gleich langen Spiesse. «Für das regionale Gewerbe ist es wichtig, dass alle die gleichen Auflagen einhalten müssen», sagt sie. Deshalb begrüssten die Handwerker in der Region auch, dass die Kontrollen bezüglich Lohngleichheit verschärft worden seien und dass die Kontrollen gerade bei grossen Bauprojekten auch durchgeführt würden.