Die sechs riesigen Vibrationsfahrzeuge, die vor drei Jahren die Erde im Gebiet Jura Ost (auf und um den Bözberg) zum Erzittern brachten, dürften einigen Bewohnern in Erinnerung geblieben sein. Mit diesen weissen Fahrzeugen wollte die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) untersuchen, ob der Bözberg für ein atomares Tiefenlager geeignet ist. Während dreier Monate wurde mit erheblichem Aufwand in 27 Gemeinden auf rund 80 Quadratkilometer Fläche der Boden mit 3-D-Seismik abgetastet.

Um ein möglichst umfangreiches Bild vom Untergrund zu bekommen, mussten viele Sonden verlegt sowie Grundstücke betreten oder befahren werden. Landeigentümer, die mit der Nagra kooperierten, mussten ihre Einwilligung schriftlich bestätigen. Als Dank für diese Unterstützung bei den Messungen hat die Nagra Anfang Februar dieses Jahres im Gebiet Jura Ost 1800 Briefe verschickt. Darin heisst es: «Als kleines Dankeschön laden wir Sie mit Begleitung zu einem Besuchstag im Felslabor Grimsel (Kanton Bern) oder im Felslabor Mont Terri (Kanton Jura) ein.» Zusammen gehe man tief in den Untergrund, wo Fragen im Zusammenhang mit der Sicherheit geologischer Tiefenlager in der Schweiz beantwortet werden und man bei den wichtigsten und aktuellsten Experimenten im Felslabor zusehen kann. «Zum Schluss des Rundgangs erwartet Sie ein gemütlicher Imbiss», schreibt die Nagra im Einladungsbrief weiter. Und: «Ein Busservice wird Sie und Ihre Begleitung bequem vom Einstiegsort zum Felslabor und zurückbringen.»

Ein Tag kostet bis 5000 Franken

Wer sich bis zum 20. März anmeldet, wird in den kommenden Monaten von der Nagra mit einem konkreten Terminvorschlag kontaktiert. Besuchstermine in den beiden Felslabors Grimsel und Mont Terri lassen sich sonst für Gruppen ab 10 Personen organisieren. Warum lädt die Nagra die Grundeigentümer drei Jahre nach den Messungen persönlich ins Felslabor ein? Was kostet die Nagra ein solcher Ausflug? Wie viele haben sich angemeldet? Nagra-Sprecher Patrick Studer sagt dazu: «Bisher sind über 200 Anmeldungen eingegangen.» Vorgesehen ist, alle Ausflüge noch in diesem Jahr durchzuführen. Im Gebiet Jura Ost wird es für die Grundeigentümer laut Studer an mehreren Orten Einstiegsmöglichkeiten geben, die allerdings noch nicht festgelegt sind. Pro Tag könnten 100 Besucher im Felslabor Grimsel und 80 im Mont Terri empfangen werden. Ein Tag inklusive Busfahrt und Imbiss koste die Nagra zwischen 4000 und 5000 Franken.

Grundsätzlich nimmt die genaue Auswertung der 3-D-Seismik viel Zeit in Anspruch. Im Gebiet Jura Ost erhielt die Nagra von 98 Prozent der angefragten Grundeigentümer eine Einwilligung für die Messungen. Ende 2018 konnten erste provisorische Ergebnisse der Messungen kommuniziert werden. «Die Besuchstage, zu denen wir persönlich eingeladen haben, sind auf die Landbesitzer aus der Region der 3-D-Messungen zugeschnitten», fährt der Nagra-Sprecher fort. «Ihnen wollen wir die Ultraschall-Ergebnisse aus ihrem Untergrund vorstellen.» Informationen, die man noch nicht auf der Website findet. Wer der Einladung aus gesundheitlichen Gründen nicht Folge leisten kann, darf sich laut Studer trotzdem bei der Nagra melden. Man werde eine alternative Lösung suchen und auf Wunsch einen Hausbesuch organisieren.