Kaisten

Nach dem Tierdrama auf dem Pferdehof Heuberg: «Das Vertrauen soll zurückkehren»

Kann wieder lachen: Lea Sigmarsson, Betreiberin des Islandpferdehofs in Kaisten, auf Náttfari.

Kann wieder lachen: Lea Sigmarsson, Betreiberin des Islandpferdehofs in Kaisten, auf Náttfari.

Nach dem Tierdrama auf Kaister Heuberg hat Lea Sigmarsson bereits wieder Anfragen – sie wünscht sich Gewissheit, ein ungutes Gefühl bleibt.

An diesem Nachmittag hat der Winter den Pferdehof Heuberg in Nebelweiss getunkt. Lea Sigmarsson, die mit ihrem Mann Helgi den Pferdehof betreibt, schwingt sich auf den Rücken des schwarzen Isländers. Die Freude ist ihr anzusehen, als sie mit ihren Armen den Hals von Náttfari umschlingt. Die 45-Jährige hat ihr Lachen wiedergefunden – vier Wochen nach dem Drama, bei dem sieben Pferde auf mysteriöse Weise verstarben. Kraft, um weiter­zumachen, geben ihr besonders die rund 70 Islandpferde, die sie betreut. «Die Tiere fordern mich und geben mir gleichzeitig Energie. Da kann man nicht wie ein ­halber Geist ­herumlaufen, sonst übernehmen die Pferde das Kommando», sagt Lea Sigmarsson.

Aber auch die Solidaritätswelle, die sie erreicht hat, habe sie durch diese schwere Phase getragen. Mit der Spende von über 84'000 Franken über eine Crowdfunding-Plattform werde sie unter anderem die Kosten für die Medikamente und die Tierarztrechnungen der Kunden bezahlen, die ihre Pferde auf dem Hof untergebracht haben. Denn es ist ihr Wunsch, dass diese nicht zur Kasse gebeten werden, weil der Schmerz über den Verlust ihres Vier­beiners schon gross genug sei.

Lea Sigmarsson verhehlt nicht, dass nach dem Drama ihre Angst gross war. Plagend sei die Frage gewesen, ob ihr überhaupt noch jemand sein Ross anvertrauen würde. Deswegen ist ihr grösster Wunsch jener, dass das Vertrauen der Menschen in den Islandpferdehof zurückkehrt. «Mittlerweile rufen uns die Leute wieder an und fragen, ob sie schon wieder Reitstunden nehmen dürfen, oder ihr Pferd zum Verkauf vorbeibringen können. Das beruhigt und es ist schön, zu sehen, dass es wieder vorwärtsgeht», sagt Lea Sigmarsson und ein Lächeln huscht ihr über das Gesicht. Um glücklich zu sein, braucht Lea Sigmarsson nicht viel, genau genommen nur eins: «Wenn ich wie im Flug auf einem Pferd durch die Landschaft reite, kann ich alles um mich herum vergessen», sagt sie.

Ein ungutes Gefühl und der Wunsch nach Gewissheit

Das Lachen verfliegt, als sie erzählt, wie sich der Vorfall auf ihr Innerstes niederschlägt. Früher habe sie sich gefreut, wenn sie abends vom beleuchteten Dorf durch die Finsternis den unbeleuchteten Weg den Berg hinauf in Richtung Hof gefahren sei. Doch letztens habe sie das ungute Gefühl tief im Bauch gespürt. «Wir hatten jemand von einer Sicherheitsfirma bei uns. Es wird Kameras geben. Überall. Es ist das Einzige, was wir machen können, und das uns ein wenig das Gefühl von Sicherheit gibt», sagt Lea Sigmarsson, deren dritter Wunsch jener nach Gewissheit ist. «Die Erkenntnis darüber, was den Tod verursacht hat, würde uns helfen, mit dem Vorfall schneller abzuschliessen», sagt Lea Sigmarsson. Zwar fänden in Zürich noch einige Untersuchungen statt, sie rechne jedoch nicht mehr mit einer Aufklärung.

So oder so können sie nur nach vorne schauen. Die Pferde, die sie verloren habe, trage sie jedoch immer im Herzen bei sich, sagt Lea Sigmarsson und zeigt auf ein Geschenk einer ihr un­bekannten Person, einen kleinen Tannenbaum, an dem Plaketten mit den Namen der sieben verstorbenen Pferde hängen. «Das hat mich unglaublich berührt», so Lea Sigmarsson.

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