Herznach
Nach Brand mit Todesopfer: Bänderfabrik produziert wieder – Psychologen unterstützen Mitarbeiter

Die Spyk Bänder AG in Herznach hat nach dem Grossbrand die Produktion wieder aufgenommen. Psychologen führen mit Mitarbeitern Gespräche im Wohnwagen.

Dennis Kalt
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Auch nach eineinhalb Wochen liegt im Obergeschoss der Spyk Bänder AG noch ein beissender Geruch. Beim Grossbrand vom vorletzten Montag, bei dem eine Angestellte das Feuer legte und sich das Leben nahm, weil ihr Mann, der im gleichen Betrieb arbeitet, von Mitarbeitern des Unternehmens gemobbt worden sei, entstand ein Schaden von rund zwei Millionen Franken am Gebäude. Laut Fiona Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, sind die Ermittlungen zum Brand in Herznach noch in Gang.

Bereits diesen Montag hat die Spyk Bänder AG die Produktion wieder hochgefahren. Zuvor hatte eine externe Firma die Produktionsmaschinen über das Wochenende gereinigt. «Dass wir bereits wieder produzieren, haben wir unseren Mitarbeitern zu verdanken. Nach dem grossen Schock sind sie schnell wieder zur Fassung gekommen», sagt Andreas Schmid, Teilhaber und Co-Geschäftsleiter des Unternehmens.

Nach dem Brand geht die Produktion weiter: Andreas Schmid (l.) und Rainer van Spyk, beide Co-Geschäftsleiter der Spyk Bänder AG.

Nach dem Brand geht die Produktion weiter: Andreas Schmid (l.) und Rainer van Spyk, beide Co-Geschäftsleiter der Spyk Bänder AG.

Dennis Kalt

Dies liegt unter anderem auch daran, dass das Unternehmen ein Team der Krisenintervention Schweiz engagiert hat, denen sich die Mitarbeiter des Unternehmens anvertrauen können. Weil das Gros der geschlossenen Räume abgebrannt ist, wurden ein Campingmobil und einen Wohnwagen organisiert, um für die Gespräche Privatsphäre zu schaffen. «Es geht in den Gesprächen darum, seine Ängste, Sorgen und Gedanken zum Ausdruck zu bringen. Es ist eine Möglichkeit, den emotionalen Ballast ein Stück weit abzulegen», erklärt Rainer van Spyk, Teilhaber und Co-Geschäftsleiter des Unternehmens. Ein zweiter Grund für die Gespräche sei auch, dass man den Mitarbeitern die Gelegenheit geben wollte, allfällige Mobbing-Vorfälle dem Psychologen mitzuteilen, der diese dann – mit Einverständnis des Mitarbeiters – an die Unternehmensleitung weitergeben könne. «Die Vorwürfe des Mobbings sind für die Mitarbeiter und das Unternehmen sehr belastend. Mobbing-Vorfälle sind in den Gesprächen mit den Psychologen nicht vorgekommen. Trotzdem nehmen wir die Vorschläge der Mitarbeiter ernst, die darauf abzielen, das Arbeitsklima weiter zu verbessern», sagt van Spyk.

Mit dem Mann der Verstorbenen, der seit 18 Jahren für das Unternehmen tätig ist, stehe man im Kontakt und versuche, ihn zu unterstützen, «soweit das nach diesem tragischen Vorfall möglich ist», sagt Schmid. Ob der Mann der Verstorbenen in Zukunft weiter für das Unternehmen tätig sein möchte, ist derzeit noch unklar. «Klar ist, dass wir uns in diesem Fall, ein Bild davon machen müssten, wie sehr dies ein Unbehagen bei der Belegschaft auslösen würde. Davon wäre eine Weiterbeschäftigung abhängig», sagt Schmid.

Bilder des Grossbrands:

Das Fabrikgebäude brennt in der pechschwarzen Nacht lichterloh.
35 Bilder
Grossbrand in Herznach
Das brennende Gebäude am frühen Morgen vom Balkon eines Lesers aus gesehen
Das brennende Gebäude am frühen Morgen vom Balkon eines Lesers aus gesehen.
Die Feuerwehr wurde kurz vor 2 Uhr alarmiert. Bei der Durchsuchung des Gebäudes fanden die Einsatzkräfte eine tote Frau.
Der Grossbrand brach kurz vor 2 Uhr nachts aus.
Löscharbeiten an dem halb ausgebrannten Fabrikgebäude am Montagmorgen. Ein Grossbrand im Industriegebäude der Firma «Spyk Bänder» an der Hauptstrasse 2 in Herznach hat in der Nacht auf Montag ein Todesopfer gefordert. 
Die Feuerwehr ist auch gegen 9 Uhr noch im Einsatz.
Erste Hinweise deuten laut Kantonspolizei daraufhin, dass die Frau den Brand gelegt und Suizid begangen hat.
So sah das Industriegebäude in Herznach vor dem Brand aus.
Eine zweite Ansicht des Gebäudes vor dem Brand.
Löscharbeiten nach dem Brand in Herznach.
Löscharbeiten nach dem Brand in Herznach
Löscharbeiten nach dem Brand in Herznach
Löscharbeiten nach dem Brand in Herznach
Löscharbeiten nach dem Brand in Herznach
Löscharbeiten nach dem Brand in Herznach
Löscharbeiten nach dem Brand in Herznach
Löscharbeiten nach dem Brand in Herznach
Löscharbeiten nach dem Brand in Herznach
Löscharbeiten nach dem Brand in Herznach
Löscharbeiten nach dem Brand in Herznach
Löscharbeiten nach dem Brand in Herznach
Löscharbeiten nach dem Brand in Herznach
Löscharbeiten nach dem Brand in Herznach
Löscharbeiten nach dem Brand in Herznach
Löscharbeiten nach dem Brand in Herznach
Löscharbeiten nach dem Brand in Herznach
Löscharbeiten nach dem Brand in Herznach
Löscharbeiten nach dem Brand in Herznach
Der Brandplatz in Herznach am späten Montagnachmittag, kurz vor 18 Uhr.
Der Dachstock ist abgerissen worden

Das Fabrikgebäude brennt in der pechschwarzen Nacht lichterloh.

Leserbild

Arbeiten im Container

Weil durch den Brand der Bürokomplex mit insgesamt 18 Arbeitsplätzen vernichtet wurde, werden in den nächsten drei Wochen 20 Container auf dem Parkplatz des Unternehmens aufgebaut und mit Strom- und Wasseranschluss versehen. Momentan befindet sich die Verwaltung der Firma im Speditionsgebäude, in dem provisorische Schreibtischinseln errichtet wurden. «Nach dem Vorfall hat uns die Jakob Müller AG gleich mit Mobiliar ausgeholfen. Die Solidarität, die wir erfahren, ist gross – von der Gemeinde bis hin zu unseren Mitkonkurrenten», sagt Schmid.

Der finanzielle Schaden an den Produkten, die sich im Fertigungslager befanden, sei geringer ausgefallen als gedacht. «Die meisten Materialien waren gut verpackt, sodass sie nicht den beissenden Brandgeruch aufgenommen haben», sagt Schmid. Mit dem Mobiliar und den Musterentwürfen zusammen schätzt er den Sachschaden auf rund 500'000 Franken. Schmid redet hinsichtlich des Schadens am Gebäude von Glück im Unglück und windet den Einsatzkräften ein Kränzchen. «Hätten sie nicht so beherzt eingegriffen, wäre wohl nur noch Asche übrig geblieben.»

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