An der Möhliner Gemeindeversammlung im Juni stimmten die Anwesenden mit 136 Ja zu 120 Nein für den 3,6-Millionen-Franken-Kredit zur Entwicklung Kernzone Zentrum Mitte. Neben dem Gemeindehaus wollen private Investoren eine mehrgeschossige Überbauung mit Wohn- und Gewerbeflächen errichten, unter dem östlichen Teil der Allmend soll eine Tiefgarage mit 124 Plätzen entstehen. Die Gemeinde wollte nach deren Fertigstellung für 2,9 Millionen 54 der Parkplätze kaufen.

Mit den restlichen 700'000 Franken sollte die Allmend aufgewertet werden.
Daraus wird nun nichts. Die Stimmberechtigten verwarfen den Kredit in der Referendumsabstimmung an der Urne wuchtig. Bei einer Stimmbeteiligung von rund 42 Prozent sagten 1874 Stimmberechtigte Nein zum Kredit. Nur 881 stimmten für die Zentrumsplanung. Die Urnenabstimmung war nötig geworden, nachdem die Grünen das Referendum ergriffen hatten und 1037 gültige Unterschriften gesammelt hatten. SP, FDP und EVP unterstützten das Referendum.

«Positiv überrascht»

Der Präsident der Möhliner Grünen, Andreas Fischer, zeigte sich hoch erfreut über das Resultat. «Wir sind positiv überrascht», sagte er gegenüber der AZ. Man habe immer auf ein Nein gehofft, aber nicht mit einem so deutlichen Resultat gerechnet. Zur hohen Stimmbeteiligung hätten sicher auch die nationalen Abstimmungen beigetragen, so Fischer. Aber das Referendum habe die Leute im Dorf auch stark bewegt. «Wir werten das Nein als Zeichen für einen sinnvollen Umgang mit Steuergeldern», so Fischer. «Die Bevölkerung hat erkannt, dass dieses Projekt nicht das Gelbe vom Ei war.»

Dagegen sei das Nein aus Sicht der Grünen nicht als Absage der Möhliner nach einem Begegnungsort im Zentrum zu werten. «Vielmehr gehen wir davon aus, dass viele wie wir der Meinung sind, dass ein besseres Projekt möglich ist.» Dazu gehöre eine verkehrsberuhigte Begegnungszone im Mitteldorf und ein attraktiver Mix von Geschäften in Gehdistanz. Zudem betonte Fischer erneut, dass sich das Referendum nicht gegen die privaten Investoren gerichtet habe.

«Verpasste Chance»

Anders ist die Gemütslage bei Gemeindeammann Fredy Böni (SVP). «Das Resultat ist eine verpasste Chance, Leben ins Zentrum zu bringen», sagte er. Das gehe nur, wenn man die Autos unter den Boden bringe. Das Resultat mit rund zwei Dritteln Nein-Stimmen sei klar und eindeutig und «ein Signal, dass die Bevölkerung keine Zentrumsplanung wünscht». Im Vorfeld sei es schwierig gewesen abzuschätzen, welchem Lager eine hohe Stimmbeteiligung helfen würde. «Anscheinend konnten die Gegner mit dem Argument, das Projekt bringe hohe Kosten und wenig Nutzen mit sich, überzeugen.»

Die Gemeinde werde vorläufig kein weiteres Projekt in Sachen Zentrumsplanung anstossen, so Böni auf die Frage, wie es nun weitergehe. Auch die Überbauungspläne der Investoren dürften laut Böni vorerst ruhen.