Fricktal

Mittelschule im Fricktal: Weshalb vier Gemeinden die Kanti wollen

Will die Schule: Frick mit dem Areal beim Oberstufenzentrum.

Will die Schule: Frick mit dem Areal beim Oberstufenzentrum.

Das Fricktal bekommt bis 2028 eine eigene Kantonsschule. Ging die Region bislang vergessen? Die AZ liefert die Antworten auf 10 Fragen.

Als letzte Aargauer Region bekommt das Fricktal eine eigene Mittelschule. Diese soll bis zum Schuljahr 2028/29 gebaut sein. Wo, will der Kanton bis im Sommer 2020 entscheiden. Als Schulstandort haben sich Frick, Stein und Möhlin/Rheinfelden beworben. Doch weshalb braucht es eine neue Kantonsschule? Und wo gehen die Fricktaler heute ans Gymnasium? Die AZ liefert Antworten auf 10 wichtige Fragen.

Ging das Fricktal bei der Planung vergessen?

Nein. Als das Stimmvolk 1968 die Mittelschulkonzeption mit dezentralen Schulorten annahm, war neben Schulen im Raum Aarau, Baden, Zofingen und Freiamt auch eine im Fricktal vorgesehen. 1975 wurde Stein sogar im Richtplan als Schulstandort festgelegt. Während aber alle anderen Regionen zum Handkuss, Pardon: zur Mittelschule kamen, blieb das Projekt im Fricktal in der Standortfestlegungs-Phase stecken. Zuerst schien das Potenzial an Schülern zu klein, dann fand sich mit den beiden Basler Kantonen eine gute Lösung.

Wie jetzt? Fehlen uns die Gymnasiasten?

Nein, schon lange nicht mehr. Im letzten Schuljahr besuchten rund 700 Schüler aus dem Fricktal eine Mittelschule. 295 davon zog es ins Baselbiet, vor allem ans Gymi nach Muttenz. 218 drückten in Basel-Stadt die Schulbank und 184 wurden im Aargau beschult, davon rund 150 in Aarau und 30 in Baden und Wettingen. Im Aargau zur Schule gehen vor allem Jugendliche aus dem oberen Fricktal; die «unteren» zieht es rheinabwärts.

Weshalb lässt man nicht einfach alles beim Alten?

Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung zeichnet sich sowohl im Aargau als auch in den beiden Basler Kantonen ein zusätzlicher Schulraumbedarf ab. Der Kanton Basel-Stadt ist gemäss der geltenden Vereinbarung nur verpflichtet, Schüler bis zu seinen Kapazitätsgrenzen aufzunehmen. Werden diese überschritten, kann er die Schüler ablehnen. Der Kanton hat bereits klargemacht, dass er für die Schüler aus dem Aargau keine zusätzlichen Kapazitäten bereitstellen kann.

Gilt diese Klausel auch im Kanton Baselland?

Nein, das Baselbiet muss gemäss dem bilateralen Vertrag die Schüler aufnehmen. Allerdings kann dieser Vertrag jederzeit unter Einhaltung einer vierjährigen Kündigungsfrist auf das Ende eines Schuljahrs aufgelöst werden. Der Kanton will allerdings Hand bieten und kann sich vorstellen, bis zu einer Realisierung der Kantonsschule im Fricktal zusätzliche Kapazitäten bereitzustellen – natürlich unter der Voraussetzung, dass sich der Aargau an den Kosten für bauliche Massnahmen beteiligt.

Wollen die Schule: Möhlin/Rheinfelden mit einem Areal beim Bahnhof.

Wollen die Schule: Möhlin/Rheinfelden mit einem Areal beim Bahnhof.

Gehen künftig alle im Fricktal zur Schule?

Zumindest der allergrösste Teil. Je nach Standort der neuen Mittelschule dürften einige Schüler auch künftig nach Aarau zur Schule gehen. Allerdings kann sich der Kanton umgekehrt auch vorstellen, dass einige Schüler aus dem Mittelland im Fricktal die Schule besuchen. Dies könnte ein kleiner Pluspunkt für die Bewerbung von Frick als Schulstandort sein; die anderen Gemeinden liegen weiter vom Aargauer Mittelland entfernt. Dagegen kann Möhlin/Rheinfelden für sich in Anspruch nehmen, dass die beiden Gemeinden mit Abstand die bevölkerungsreichsten im Fricktal sind; fast 30 Prozent der Fricktaler leben hier. Für Stein spricht, dass die Kommune mitten im Fricktal liegt und so einen gutschweizerischen Kompromiss darstellt.

Wie viele Mittelschüler hat das Fricktal künftig?

Der Kanton geht davon aus, dass 2028, wenn die neue Kanti eröffnet wird, rund 800 Fricktaler die Kanti besuchen, längerfristig sollen es 870 sein. Das entspricht rund 40 Abteilungen. Der Kanton rechnet je nach Standort, an dem die Kanti realisiert wird, bis 2045 mit 33 oder 44 Abteilungen. Für den Kanton ist aber klar: Wird zunächst eine Schule mit 33 Abteilungen gebaut, muss ein Ausbau nach 2045 auf 44 Abteilungen möglich bleiben.

Das wird teuer. Was kostet der Neubau?

Der Kanton rechnet mit Baukosten von rund zwei Millionen Franken pro Abteilung. Damit ist mit Baukosten von 70 bis 90 Millionen Franken zu rechnen. Hinzu kommen die Landerwerbskosten sowie nach Eröffnung die Betriebskosten. Diese betragen aktuell im Kanton Aargau 18'795 Franken pro Jahr und Schüler. Die Kosten dürften an der Mittelschule im Fricktal ähnlich hoch ausfallen.

Will die Schule: Stein mit einem Areal beim Sportcenter.

Will die Schule: Stein mit einem Areal beim Sportcenter.

Stein war gesetzt. Wieso baut man nicht da?

Weil sich in den über 40 Jahren, die seit dem Grossratsentscheid zugunsten von Stein vergangen sind, die Rahmenbedingungen geändert haben. «Die Region Stein hat sich wirtschaftlich und demografisch nicht in dem damals prognostizierten Ausmass entwickelt», hält der Regierungsrat im Planungsbericht vom Juni fest. Ein Detail am Rande: Von den drei Standorten die 1975 zur Diskussion standen, präferierte der Regierungsrat das Gebiet «Oberi Rütenen» beim Bahnhof Möhlin. Die paritätische Kommission für eine Mittelschule im Fricktal, die aus je 14 Vertretern aus den beiden Bezirken bestand, sah es ebenso wie die grossrätliche Kommission anders und schlug Stein als Standort vor. Der Grosse Rat folgte den Gremien mit 118 zu 28 Stimmen klar.

Weshalb wollen gleich 4 Gemeinden die Schule?

Weil sie sich davon doppelt Profit versprechen. Zum einen beleben die 800 Schüler und die rund 100 Lehrkräfte das lokale Gewerbe. Das wiederum bringt den Gemeinden höhere Steuereinnahmen. Zum anderen ist das Schulangebot vor Ort für Familien ein wichtiger Faktor bei der Wohnortswahl. Diese Neuzuzüger bringen zusätzliche Steuereinnahmen und beleben die Wertschöpfungskette der Gemeinde. Das kulturelle und wirtschaftliche Angebot im Ort wächst, was die Gemeinde für weitere Neuzuzüger attraktiv macht. Mit anderen Worten: Eine Kanti wirkt sich positiv auf die Wachstumsdynamik aus.

2028 ist noch weit weg. Was passiert bis dann?

Bis zur Eröffnung der Fricktaler Kanti will der Kanton eine Vereinbarung mit den beiden Basler Kantonen abschliessen. Der voraussichtlich notwendige provisorische Schulraum wird entweder im Baselbiet oder im Aargau bereitgestellt. Welche Variante am meisten Sinn macht, wollen die drei Kantone in den nächsten Monaten prüfen.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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