Fricktal

Mit Lauffenberg und Seckingen – älteste Karte der Schweiz zeigt auch die rechtsrheinischen Waldstädte

Der Ausschnitt der nach Süden ausgerichteten Tschudikarte von 1538 zeigt das Fricktal, den Aargau und deutsche Gebiete.

Der Ausschnitt der nach Süden ausgerichteten Tschudikarte von 1538 zeigt das Fricktal, den Aargau und deutsche Gebiete.

Die eidgenössische Kartografie gedieh ähnlich wie die deutsche. Im Fricktal ist der Werdegang gegen Ende des 18. Jahrhunderts aufgrund der gemeinsamen Zugehörigkeit der Gebiete links und rechts des Hochrheins zu Vorderösterreich ohnehin identisch.

Während als erste relativ genaue Karte im südbadischen Raum 1545 die «Nigra Sylva» von Sebastian Münster herauskam, erschien die erste Karte der Schweiz, die das ganze Gebiet des Landes mit bedeutenden Ortschaften und Gewässern festhielt, 1538, also bereits sieben Jahre zuvor. Ihr Urheber war der Glarner Historiker Aegidius Tschudi.

Die Karte im ungefähren Massstab 1:350 000 ist nach Süden orientiert und wurde 1538 als Beilage zur «Uralt warhafftig Alpisch Rhetia», dem einzigen zu Tschudis Lebzeiten veröffentlichten Buch mit einem deutschen Text, beigegeben. Sie zeigt auch das angrenzende deutsche Gebiet mit den Waldstädten Waldshut, Lauffenberg, Seckingen und Rinfelden. Von dieser Erstausgabe ist kein Exemplar mehr vorhanden. 1560 wurde die Karte ein zweites Mal gedruckt, wovon noch eine Fertigung erhalten ist, die sich in der Universitätsbibliothek Basel befindet.

Bannkarten von Ortschaften

Mit der Karte von 1538 erhielt die Kartografie der Schweiz Impulse. Genauigkeit und Darstellungsweise wurden fortan immer besser, was auf die zunehmende Tätigkeit qualifizierter Kartografen und Landvermesser zurückzuführen ist. So profitierte der Schweizer Universalgelehrte Johann Jakob Scheuchzer von der Tschudi-Karte, bevor er 1712 sein Werk herausgab, das alsdann für etliche Jahrzehnte zur massgeblichen Schweizer Landeskarte wurde.

Eine grossartige Errungenschaft für die einzelnen Ortschaften waren die Bannkarten, die südlich und nördlich des Hochrheins von vorderösterreichischen Landvermessern gezeichnet wurden. Die Geometer Johann Garnie, Fridolin Garnie, Fridolin Leimgruber, Joseph Leimgruber und Joseph Fridolin Kunzelmann kartografierten von 1772 bis 1783 die Gemarkungen der Fricktaler Gemeinden. So entstanden 23 Kartenblätter im Massstab zwischen 1:2000 und 1:10 000. Die Karten enthalten Strassen und Wege, Ortsnamen, Gebäude, Nutzungsarten und sind begrenzt durch Bannsteine, die heute noch als Gemarkungssteine vorhanden sind.

Das erste genaue Kartenwerk des Kantons Aargau entstand nach einer erstmaligen gesamtschweizerischen Triangulation zwischen 1837 und 1843 durch den ehemaligen Ingenieurgeografen der preussischen Armee, Ernst Heinrich Michaelis. 18 Rahmenkarten im Massstab 1:25 000 deckten aneinandergereiht das ganze Kantonsgebiet ab. Daraus ergaben sich vier Blätter im Massstab 1:50 000. Die Michaeliskarte war für den Gründer des Eidgenössischen Topographischen Bureaus, General Guillaume-Henri Dufour, Grundlage für seine im Jahre 1844 herausgegebenen Kartenblätter 1:100 000, die als amtliches Landeskartenwerk in der ganzen Schweiz grossen Anklang fanden.

Eine Weiterentwicklung war der Topographische Atlas der Schweiz, inoffiziell auch Siegfriedkarte genannt. Es handelte sich um ein amtliches Kartenwerk im Massstab 1:25 000, dessen Herausgabe 1870 begonnen und 1922 fertiggestellt wurde. 1952 wurden Siegfried- und Dufourkarten durch die neue Landeskarte der Schweiz ersetzt.

Finissage am Sonntag

Seit Ende Oktober bietet die Ausstellung «Die Hochrheinregion in historischen Landkarten» im Museum Schiff in Laufenburg Einblicke in die Geschichte der Kartografie. Morgen Sonntag findet nun ab 16 Uhr bei Wein und Dreikönigskuchen die Finissage statt. Im Mittelpunkt steht der Maler Hans Thoma, dessen Ölgemälde mit einem Geometer zu sehen ist. Der Vermessungsingenieur Richard Kaiser und der frühere Bürgermeister von Thomas Heimatgemeinde Bernau, Rolf Schmidt, reden über den Künstler und dessen Werk.

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