Kaiseraugst

Migros schliesst Laden in der Liebrüti: Das orange M will aber in Kaiseraugst bleiben – es gibt einen Haken

Die Migros-Filiale in Kaiseraugst wird spätestens Ende Juni 2020 geschlossen. nbo

Die Migros-Filiale in Kaiseraugst wird spätestens Ende Juni 2020 geschlossen. nbo

Der Grossverteiler hat rückläufige Umsätze, weswegen er den Mietvertrag für das 1000 Quadratmeter-Ladenlokal in der Liebrüti auf Ende Juni 2020 gekündigt hat. Stattdessen plant die Migros nun einen zehn Millionen Franken teuren Neubau an der Landstrasse – dort gibt es allerdings ein Problem.

Die Migros zieht sich aus der Grossüberbauung Liebrüti in Kaiseraugst zurück. Das geht aus dem Schreiben der Varioserv AG an sämtliche Mieter der Überbauung hervor. Danach hat der Grossverteiler das Ladenlokal auf Ende Juni 2020 gekündigt.

Migros bestätigt auf Anfrage der AZ die Auflösung des Mietverhältnisses. Die Filiale sei in den 90er-Jahren erbaut und seither nicht mehr umgebaut worden, sagt Daniela Lüpold von der Medienstelle der Migros Aare. Deshalb entspreche sie nicht mehr den neusten Ladenbaustandards der Migros Aare und auch nicht mehr den heutigen Kundenbedürfnissen. «Die Lage im ersten Obergeschoss ist schon seit längerer Zeit unbefriedigend und das Center ist veraltet», so Lüpold. Eine Sanierung auf der bestehenden Fläche sei zudem wegen des geplanten Umbaus des Centers nicht möglich. «Aus all diesen Gründen hat sich die Migros Aare entschlossen, den Mietvertrag im Einkaufscenter Liebrüti per 30. Juni 2020 zu kündigen.»

Ganz überraschend kommt das Aus der Migros-Filiale nicht. Schon öfters hörte man in Kaiseraugst, es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Filiale schliesse. Und bereits im Juni 2010 schrieb der damalige Verkaufsleiter der Verkaufsregion Migros Aare in der Mitarbeiterzeitung, dass der Umsatz der Filiale seit der Eröffnung 1993 immer unter den Erwartungen geblieben sei. Er schrieb damals Klartext: «Im besten Jahr erreichte der Umsatz gerade einmal zwei Drittel des Erhofften.» Lüpold sagt gegenüber der AZ zudem: «Die Umsätze der letzten Jahre sind rückläufig.» Erschwerend sei dabei auch die Nähe zu Deutschland.

Wann die Filiale, die mit ihren rund 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche einer mittelgrossen Migros entspricht, geschlossen wird, ist laut Lüpold noch nicht entschieden. «Es laufen noch Gespräche mit der Eigentümerschaft.»

Klar ist indes, dass die Migros in Kaiseraugst präsent bleiben möchte. Dazu hat sie bereits vor einiger Zeit ein 3000 Quadratmeter grosses Grundstück an der Landstrasse gekauft; hier war früher das Pneuhaus Euromaster untergebracht. Auf dem Grundstück will Migros Aare einen Neubau errichten, «um auch weiterhin der Rolle als Nahversorger in Kaiseraugst nachzukommen», wie Lüpold schreibt.

Das Problem dabei: Das Grundstück liegt heute, seit einer Umzonung, in der Wohnzone. Die Firmen, die bereits bei der Umzonung dort ansässig waren, haben eine Besitzstandsgarantie – neue Unternehmen können aber nicht einfach dort bauen. Eine Möglichkeit wäre, das Areal wieder umzuzonen respektive einer Spezialzone zuzuweisen, wie sie bereits für den Coop-Megastore vis-à-vis besteht. Bei der Migros hofft man darauf, dass dies möglich ist. «Wir hoffen auf einen positiven Entscheid», so Lüpold.

BNO wird überarbeitet

Der Moment für ein solches Ansinnen ist derweil nicht der schlechteste, denn die Gemeinde revidiert derzeit die Bau- und Nutzungsordnung (BNO) ohnehin. Im Zuge dieser Totalrevision «wird eine allfällige Umzonung dieser Parzelle geprüft», sagt Gemeindeschreiber Roger Rehmann. Migros möchte natürlich möglichst schnell mit dem Bau der rund zehn Millionen Franken teuren Filiale starten. Mit der Entwicklungsarbeit des Grundstückes habe man bereits begonnen, so Lüpold.

Ob eine schnelle Realisierung indes möglich ist, wird sich weisen. Auf die Arbeiten an der BNO angesprochen, meint Rehmann: «Die Arbeiten an der Totalrevision laufen seit einigen Jahren und werden auch noch einige Jahre in Anspruch nehmen.» In diesem Jahr sei geplant, dass «eine erste Eingabe zur Vorprüfung dem Kanton eingereicht wird».

Laden neu vermieten

Bis die neue Migros steht, werden sich die Kunden also noch gedulden respektive auf andere Filialen oder andere Anbieter ausweichen müssen. Auf die Frage, ob Migros nicht Angst habe, durch den temporären Präsenzunterbruch in Kaiseraugst Kunden dauerhaft zu verlieren, sagt Lüpold: «Wir dürfen auf eine treue Kundschaft zählen.» Bei der Gemeinde ist man trotz der Schliessung der Migros überzeugt, dass die Versorgungsleistung in Kaiseraugst sichergestellt bleibt. Dazu trägt neben dem Denner-Satellit in der Liebrüti – er bleibt bestehen – vor allem der Coop-Megastore bei.

Die Liebrüti-Betreiberin Varioserv AG bedauert in ihrem Schreiben an die Mieter den Auszug der Migros. Sie sieht aber auch positive Seiten an dem Entscheid, der «über viele Jahre hinausgezögert worden ist». So könnten die Bauarbeiten für die Modernisierung des Zentrums «deutlich schneller» durchgeführt werden, da diese grosse Fläche dann leer stehe. Zugleich ist man bei der Varioserv AG überzeugt, «dass wir einen guten Ersatz für die Migros finden werden». Inzwischen stehe für den täglichen Einkauf der DennerSatellit zur Verfügung. Die Immobilienfirma verspricht: «Wir werden diese Filiale weiterbetreiben und so die Grundversorgung sicherstellen, bis ein Ersatz für die Migros gefunden ist.»

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Autor

Thomas Wehrli

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