Werner Müller hat als Treffpunkt das «Frickbergstübli» auf dem Golfplatz in Frick vorgeschlagen. Zu Hause, wo seine Frau gerade das zehn Monate alte Enkelkind hütet, befürchtete er zu grosse Ablenkung für das Gespräch. Doch trotz des Gesprächsorts: Golf spielt Werner Müller nicht. «Dieser Sport würde mich zwar schon noch reizen», sagt er, «doch mir fehlt die Zeit dazu.»

Tatsächlich ist der 60-jährige CVP-Grossrat viel beschäftigt. Neben seinem 90-Prozent-Job als Projektleiter für die Planung neuer Produktionslinien bei der Jowa AG und seinem Grossratsmandat ist er unter anderem OK-Präsident des Nordwestschweizerischen Schwingfestes vom 2. bis 4. August in Wittnau, Präsident des Vereins für Altersbetreuung im Oberen Fricktal und Vorstandsmitglied Verein Aargauer Stromversorger.

Und nun will er dafür sorgen, dass noch ein weiteres Mandat hinzukommt. Müller kandidiert am 20. Oktober für den Nationalrat. «Es braucht eine gewisse Bekanntheit für eine Wahl ins nationale Parlament», sagt er. Diese habe er sich in den vergangenen rund 20 Jahren erarbeitet. Insofern sei die Kandidatur «eine logische Folge» seiner bisherigen Polit-Tätigkeit.

Erfahrungen einbringen

20 Jahre war Müller im Wittnauer Gemeinderat, acht davon als Ammann. Am Ende der letzten Amtsperiode stellte er sich nicht mehr zur Wiederwahl. «Das war schon länger geplant», so Müller. «Nach einer so langen Zeit braucht es frisches Blut im Gemeinderat.»

Nicht geplant war dagegen die Abwahl als Grossrat bei den Wahlen im Oktober 2016. Da die CVP im Bezirk Laufenburg einen Sitz verlor und Müller hinter dem anderen bisherigen CVP-Grossrat Martin Steinacher auf Platz zwei der Liste landete, verpasste er die Wiederwahl – obwohl er das fünftbeste Ergebnis im Bezirk Laufenburg erzielte. «Ich hatte damals Systempech», sagt Müller. «Die hohe Stimmenzahl zeigte mir, dass meine Abwahl eigentlich nicht dem Wunsch des Stimmbürgers entsprach.»

Kurzfristig, das gibt Müller zu, habe er sich schon überlegt, ganz mit Politik aufzuhören. Getan hat er es nicht. Einerseits sei er ja noch ein Jahr als Gemeindeammann gewählt gewesen. Andererseits trat im Laufe dieses Jahres Martin Steinacher als Grossrat zurück und Werner Müller konnte auf Anfang 2018 sein Comeback geben. Und vor allem: «Macht mir die Politik immer noch viel Spass. Sie ist mein Hobby.»

In Bern möchte Müller seine PolitErfahrungen einbringen und die Mitte stärken. «Mich stört, dass die Extrempositionen immer stärker dominieren», sagt er. «Dabei sind es die Mitteparteien, die nach Lösungen suchen und diese ermöglichen.» Das Problem sei es, dass das Erreichte oft zu wenig bekannt gemacht werde. «Wir müssen unbedingt mehr darüber reden.»

Im Wahlkampf versucht dies die CVP unter anderem mit dem Risotto-Bus, mit dem sie durch den Kanton tourt. Auch Müller wird oft mit von der Partie sein und versuchen, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und Stimmen für sich und die Partei zu gewinnen. Helfen könnte dabei auch seine Funktion als OK-Präsident des Nordwestschweizerischen Schwingfestes. «Dabei komme ich mit anderen Kreisen in Kontakt», so Müller.

Er werde das Schwingfest sicher nicht als Wahlkampf-Ort missbrauchen, betont er. «Aber natürlich hilft es, wenn die Leute den Namen kennen.» Deshalb findet Müller auch die Strategie seiner Partei mit den zahlreichen Unterlisten interessant. So stiegen die Chancen, dass die Wähler ihnen bekannte Personen auf der Liste finden – und dann auch wählen. Seine Kernthemen seien in der Raumplanung – «es gilt eine weitere Zersiedelung zu verhindern» – und im Einsatz für die KMU in der Schweiz. «Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, die unternehmerfreundlich sind», betont der Wittnauer. Die Arbeitsplätze in den KMU seien das Fundament einer funktionierenden Gesellschaft.

Wichtig sei es deshalb auch, dass das Verhältnis zur EU geregelt werde. «Beim Rahmenabkommen müssen nun zwar noch einige Verbesserungen ausgehandelt werden, aber irgendwann müssen wir es unterschreiben», ist Müller überzeugt. Die Wirtschaft brauche klar geregelte Verhältnisse.

Listenplatz stimmenmässig halten

Und wie wichtig ist das C im Parteinamen? «Viele setzen es mit katholisch gleich», sagt er, «doch das ist heute nicht mehr so.» Ihm seien die christlichen Grundwerte und damit verbunden eine soziale Marktwirtschaft, in der sich jeder entfalten und weiterentwickeln kann, wichtig. Ausschlaggebend für die Parteienwahl war dies jedoch vor über 20 Jahren nicht. «Eigentlich war es fast ein bisschen Zufall», sagt Müller schmunzelnd. Er sei im Turnverein aktiv gewesen und als ein Sitz im Wittnauer Gemeinderat vakant war, habe ihn die CVP-Ortspartei angefragt.

Aus dem Zufall ist mittlerweile eine Vollblut-Zugehörigkeit geworden. «Es passt bis heute», sagt Müller. Für die Nationalratswahlen gibt es für ihn deshalb zwei Ziele. «Das Parteiziel ist es, einen zweiten Sitz zu holen», betont er. Dazu wolle er beitragen und dafür kämpfen, auch wenn es nicht einfach werde. «Andere Parteien wollen schliesslich auch zulegen.»

Müller selber steht auf dem fünften Listenplatz – unter anderem hinter der bisherigen Nationalrätin Ruth Humbel und Ständeratskandidatin Marianne Binder. Diesen fünften Listenplatz wolle er stimmenmässig sicher halten, betont er. Ob er persönlich gar das Ticket nach Bern lösen könne, sei schwierig zu beurteilen. Es sei vieles möglich und er habe eine intakte Chance. «Es kommt sicher auch darauf an, wie die Ständeratswahl ausgeht.»