Littering
«Blüemli» mahnt am Strassenrand: Warum weggeworfene Aludosen tödlich für Kühe sein können

Mit der Aktion «Stop Littering 2022» zeigt der Bauernverband Aargau zum fünften Mal seine Empörung gegenüber der Unsitte, dass Aludosen und Flaschen achtlos in die Umwelt «entsorgt» werden. Auch Fricktaler Bäuerinnen und Bauern unterstützen die Aktion und haben noch mehr Vorschläge, das Problem in den Griff zu bekommen.

Hans Christof Wagner
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Ein Plakat der Aktion «Stop Littering 2022» des Bauernverbands Aargau steht auch bei Eiken.

Ein Plakat der Aktion «Stop Littering 2022» des Bauernverbands Aargau steht auch bei Eiken.

Hans Christof Wagner (12. August 2022)

Der Spruch auf dem Plakat soll ein Hingucker sein: «Blüemli 2019–2022. Qualvoll gestorben durch Splitter einer Alu-Büchse» steht darauf. «Blüemli» ist der Name einer Kuh, die, weil Alusplitter in ihr Viehfutter geraten sind, verendet ist – mit gerade einmal drei Jahren.

Mit der Aktion «Stop Littering 2022» zeigt der Bauernverband Aargau zum fünften Mal seine Empörung gegenüber der Unsitte, dass Aludosen und Flaschen achtlos in die Umwelt «entsorgt» werden und dort zu tickenden Zeitbomben werden können. Noch bis Oktober stehen an mehr als 100 Standorten, auch im Fricktal, die neuen Plakate, die mit ihrem provokativen Sujet die Bevölkerung bewusst zu mehr Disziplin und Ordnung mahnen sollen.

Alu gelangt in kleinen Splittern ins Futter

Dass eine Kuh auf der Weide liegende ganze Aludosen verschlingt, kommt nicht vor. Das Problem ist, dass bei der Mahd der Wiesen die Aludosen in der Mähmaschine geschreddert werden und so klein gehackt im Futter landen. Die Kühe nehmen die Splitter beim Fressen auf – und erleiden schon in der Speiseröhre oder in ihren zahlreichen Mägen Verletzungen.

Auch Salome Schreiber, Bäuerin und Kuhhalterin aus Wegenstetten, kennt die Problematik. Sie und ihr Mann Daniel unterstützen die Verbandsaktion. Auf ihrer entlang einer Durchgangsstrasse gelegenen Weide landen die weggeworfenen Dosen in grosser Zahl – laut Salome Schreiber vor allem die, in denen ein bekannter Energiedrink abgefüllt ist.

Mehrarbeit, die Wiesen vor der Mahd abzusuchen

Für sie und ihren Mann ist es inzwischen Routine, aber eben auch Mehrarbeit, die Wiesen vor der Mahd eigens auf herumliegende Dosen abzusuchen. Denn sie sagt:

«Die Mäh- und Häckselmaschinen haben zwar Metalldetektoren eingebaut, aber weil Alu nicht magnetisch ist, reagieren die nicht.»

Auch die Möglichkeiten eines Tierarztes, die Aluteile im Innern der Kuh zu entdecken, seien begrenzt, weiss die Bäuerin. Teils werden auch in die Mägen der Tiere Magnete eingeführt, um Metallteile zu binden und zu entfernen. Aber eben: Auch die reagierten nicht auf Alu. Aber dennoch: Seit Beginn der Plakat-Aktionen sei die Zahl der weggeworfenen Dosen weniger geworden, hält Salome Schreiber als Erfolg fest.

Auch Andy Steinacher aus Schupfart, Obstbauer und Mutterkuh-Halter mit rund 80 Tieren aus Schupfart, glaubt:

«Weil allein die Diagnostik für die Aluteile so aufwendig und teuer ist, gibt es sicher viele versteckte Fälle von tödlichen Verletzungen, die nicht entdeckt werden.»

Für Steinacher, auch SVP-Grossrat im Kanton Aargau, haben die, die achtlos Aludosen aus dem Autofenster werfen oder beim Wandern und Spazierengehen fallenlassen, «einfach keinen Anstand».

Steinacher erzählt, dass vor allem Kälber und Jungrinder betroffen seien, weil denen die Erfahrung fehle, was beim Fressen gut sei und was nicht. Für den Politiker und Landwirt wäre die Einführung eines Depots auf Aludosen ein gutes Mittel gegen Littering und für das Wohl der Kühe.